Freitag, 01.04.2005

Jean Eustache, Der Weihnachtsmann hat blaue Augen

(Le père noel a les yeux bleus; Frankreich 1965/66)

Charles Trenet gewidmet.

-Die Kapuzen der Dufflecoats sind toll.
-Ja stimmt. Hast du irgendwo welche gesehen, die nicht so teuer sind?
-Ja, aber sie kosten immer noch 10.000.

Dufflecoats waren gerade in. Damit hätten wir uns überall zeigen können. Meinen Mantel hatte mir vor Jahren eine Nachbarin gegeben. Die Jacke von Dumas war zwar noch tragbar, aber altmodisch. Er hatte keinen Mantel.
Ich erinnere mich nicht, ihn je ohne Zigarette gesehen zu haben.

-Frieren die nicht?
-Nein, sie heizen mit Infrarot. Das wärmt sehr gut.

Ich hätte mich nie getraut, ins „France“ zu gehen. Ich kannte dort niemanden und meine Freunde wollten nicht hin. Ich mußte besser angezogen sein, um dort hingehen zu können. Einstweilen konnten wir ins „89“.

-Seht euch mal den Tiono an!
-Das ist das erstemal, daß ich dich hier mit einem Mädchen sehe.
-Die läßt sich doch von jedem flach legen.

Trotzt der Kälte kamen noch Andere in den Park.

Um den Mädchen zu erklären, daß wir schlecht angezogen waren und kein Geld hatten, hatte ich mir mit Martinez eine Geschichte ausgedacht: Mein Vater war Waffenfabrikant und ich hatte mich aus politischen Gründen mit ihm entzweit. Ich war von Zuhause ausgezogen, um nicht von ihm abhängig zu sein, fand aber keine Arbeit, weil er Detektive dafür bezahlte, damit sie Lügen über mich verbreiteten. Trotzdem hielt ich durch.
Einige hatten das geglaubt.
Wir glaubten, uns zu Weihnachten einen Dufflecoat leisten zu können, aber das Jahr war bald vorbei, und wir hatten weder Geld noch Arbeit. Aus Gewohnheit taten wir so, als glaubten wir weiter daran.

In Narbonne hatte Dumas einen schlechten Ruf. Das war ihm recht. Aber man konnte mit ihm keine Mädchen anmachen. Er hatte schon Ärger mit der Polizei gehabt. Er lebte allein im Haus seiner Eltern, sie arbeiteten in einer anderen Stadt. Wir klauten Bücher, ich las sie und verkaufte sie weiter.

-Messieurs?
-Haben Sie „Zelle 2455“ von Chesman?
-Ich glaube nicht… Nein, habe ich nicht.
-Dann nimm eben ein anderes.
-Ja, wir schauen mal.
-Hast du das Richtige gefunden?
-Nein, noch nicht.

Mehr traute ich mich nicht, obwohl es manchmal so einfach schien.

-Nachts bleibt alles so. Wenn ich abends heimgehe, und hier keiner ist, sage ich mir: wenn ich jemanden hätte, der aufpaßt, daß keiner kommt, würde ich es wagen. Würde sich lohnen, oder?

Morgens gingen wir über den Markt, in der Hoffnung, auf dem Boden eine dicke Brieftasche zu finden. Einmal hatten wir genug Münzen gefunden, um ins Kino zu gehen. Einmal fanden wir einen Tausender und gingen auf den Jahrmarkt von Beziers.

-Heute nacht wurde bei Biete eingebrochen.
-Ja? Woher weißt du das?
-Vom Kellner aus dem „Conti“. Der Sohn von Biete hat es dort erzählt.
-Wurde viel gekaut?
-Und ob. Sie fanden kein Geld und nahmen zwanzig goldene Füller.
-Das wird schwierig, die loszuwerden. Wie wollen die das machen? Die müssen ja bis Beziers oder Perpignan fahren, und selbst dort wird es schwierig.
-Wenn man sie nicht vorher schnappt.

Wir gingen auch ins „Dames de France“, dort fanden wir aber nie was.

-Daniel! Gehst du ins Kino?
-Nein.
-Was machst du?
-Ich gehe ins Eiscafé.
-Was machst du zur Zeit?
-Nichts.
-Hast du noch nichts Neues, seit Dupuis dir gekündigt hat? Saukerle, die hätten dich doch behalten können.

Normalerweise lief hier immer die Musikbox.

-Das rauchst du? Ganz schön eklig.
-Warum eklig? Solange ich dich nicht küsse, kann’s dir doch egal sein.

Ihr Name war Martine. Sie war schon länger in Narbonne. Einmal bin ich mit ihr im Park spazieren gegangen. Ich hab es bei ihr probiert, aber es hatte nicht geklappt.

-Heute ist der 30., oder?
-Ja.
-Das ist mein Geburtstag.
-Dann küsse ich Sie. Mädchen küsst man immer am Geburtstag.

Sie saß dort jeden Abend. Sie wartete. Manchmal holte sie ein Typ ab. Wenn er hereinkam, wurde es still. Es hieß, er sei Boxer gewesen. Er war etwas älter als wir.

-Ich weiß einfach nicht, ob ich bei ihr ankomme. Immer, wenn ich denke, es klappt, kommt er.
-Du hast eben kein Glück.
-Weißt du, neulich wollte er mich verprügeln.
-Ja? Wieso?
-Ich war da, und sie war ganz allein.

-Warum lächeln Sie?
-Sie bringen mich dazu.
-Ich? Weshalb?
-Sie laufen hin und her wie ein Löwe im Käfig.
-Was machen Sie Sylvester?
-Weiß ich nicht.
-Warum feiern Sie nicht mit mir?
-Ich kann nicht.
-Sie sagten, Sie wissen nicht, was Sie machen werden.
-Ja, aber ich kann nicht.
-Das ist nicht besonders nett von Ihnen, wo ich Sie schon frage.

-He! Sag war du denkst, anstatt die Tür zuzuknallen!
-Ich hab sie nicht zugeknallt, die Tür hört sich immer so an. Hast du das nie bemerkt?
-Falls du wegen Martine so ein Gesicht ziehst, tu dir keinen Zwang an!
-Wieso, sie ist deine Frau. Ich rühr doch nicht deine Frau an.

-Und dann war er plötzlich ruhig und hat mich gehen lassen.
-Du hattest Angst, weil er Fabrus verprügelt hat. Du hättest die Verfolgungsjagd sehen sollen. Fabrus hielt sich 14 Tage im „89“ versteckt.
-Ja, hab ich gehört. Bei so einem Typen weiß man nie. Man ist besser nett zu ihm. Obwohl, vorhin hat er mich gegrüßt, hast du es gesehen? Hast du versucht, an Rosette ranzukommen?
-Nein.
-Warum? Gefällt sie dir nicht?
-Doch.
-Neulich hätte ich mit ihr ins Kino gehen können. Würdest du dich im Kino an sie ranmachen?
-Ja.
-Ich würde gerne, aber ich weiß nicht, wie. Wir kennen uns inzwischen zu gut.
-Ich würde mich total aufregen und sagen: „Ich lade dich ins Kino ein und dann darf ich dich nicht anfassen?“

Maurice war das Gegenteil von Dumas. Mit ihm konnte man gut Frauen anmachen.

-Heute sind Sie früher hier.
-Wir müssen nach hause.
-Das müssen Sie jedesmal, wenn wir uns sehen.
-Wir müssen morgen arbeiten.
-Sie arbeiten? Ihr Leben ist wohl: Arbeit, nach Hause, schlafen.
-Aber nein, es ist nicht nur das.
-Was denn noch?
-Es ist ganz einfach, wir müssen jetzt nach Hause. Wir haben keine Zeit!
-Sie haben keine Zeit. Und warum? Weil Sie nach Hause gehen.
-Aber ich muß nach Hause.
-Warum? Man muß sich Zeit nehmen im Leben für so was. Man geht spazieren, es ist Nacht, ich weiß nicht… Stört sie die Kälte?
-Nein, das ist es nicht allein. Ich muß nach Hause.
-Wenn Sie die Kälte nicht stört, also wirklich… Was haben Sie denn so Besonderes vor?
-Meine Eltern wollen, daß ich nach Hause komme.
-Na und? Und wo bleibt die Freiheit?
-Ich habe keine Freiheit.
-Das geht aber nicht.
-Was soll ich denn machen? –
-Das weiß ich nicht.
-Ich weiß nicht, was ich machen soll.
-Sie wissen nicht, was Sie machen sollen? Dann bleiben Sie bei mir, es würde mich freuen.
-Das meinte ich nicht. Ich bin nicht frei, ich hab keine Wahl.
-Jedes Mal das gleiche.
-Was wollen Sie damit sagen?
-Sind Sie mit jemandem verabredet?
-Aber nein, ich bin mit niemandem verabredet.
-Sie haben doch wohl fünf Minuten, es ist doch noch früh.
-Ich muß nach Hause.
-Weil Ihre Eltern auf Sie warten?
-Ja, und außerdem hab ich keine Lust, zu bleiben.
-Sie haben keine Lust?
-Nein.
-Warum nicht? Weil ich Ihnen nicht gefalle?
-Nein, ich will nach Hause.
-Und wenn Sie mich morgen sehen, sagen Sie mir dann Guten Tag?
-Natürlich sage ich Ihnen Guten Tag, warum denn nicht?
-Wirklich, das werden Sie tun?
-Natürlich werde ich Ihnen Guten Tag sagen. Das ist doch ganz einfach, was sollte ich anderes tun?
-Setzen Sie sich doch.
-Es ist spät.
-Nur fünf Minuten.
-Nein.
-Fünf Minuten. Setzen Sie sich.
-Nein, ich muß unbedingt nach Hause.
-Gehen Sie oder gehen Sie nicht? Wenn Sie gehen, gehen Sie, sonst setzen Sie sich da hin.
-Auf Wiedersehen.

Nachmittags waren wir im „89“. Wir warteten auf die Weihnachtswoche, um ein wenig Geld mit dem Verkauf von Lottokarten zu verdienen. Lotto wird jedes Jahr in den Cafés gespielt.

-Geht’s gut?
-Danke, es geht.
-Hast du eine Zigarette?
-Warum fragst du, du hast doch immer welche in der Tasche.
-Nein, heute nicht.
-Das hast du gestern auch gesagt.
-Ja, aber heute hab ich wirklich keine.
-Du willlst mich reinlegen, aber ich geb‘ dir eine, weil du mir gestern auch eine gegeben hast.
-Danke.

Vor einiger Zeit hatte ich die Stammkunden kennen gelernt.

-Ich hab dich mit einem Mädchen im Park gesehen, wie hieß sie?
-Ivette.
-Ivette? Und wie läufts mit Ivette?
-Nicht schlecht.
-Nicht schlecht… Bist du verliebt?
-Nein.
-Nein?
-Doch.
-Maurice ist nie verliebt.
-Und warum gefällt sie dir?
-Sie gefällt mir…
-Findest du sie hübsch?
-Anständig.
-Du meinst erträglich. Ich weiß nicht, wie ich sie rumkriegen soll. Wie hast du es gemacht?
-Ich hab sie auf dem Ball kennengelernt.
-Auf dem Ball?
-Im Jugendzentrum.
-Hast du mit ihr geschlafen?
-Was?
-Hast du mir ihr geschlafen oder nicht?
-Das sag ich dir nicht.
-Dann bist du verliebt, wenn du es nicht sagen willst.
-Ich hab nicht vor, es an die große Glocke zu hängen.
-Das war eine Fangfrage.
-Darüber redet man nicht.
-Unter Kumpels redet man darüber, man muß sich doch Tips geben.

-In Algerien hat mal einer zu mir gesagt: Delahaye, ich ficke den Esel und du fotografierst uns.

Wir waren da, als er hereinkam. Ich hatte ihn schon gesehen, wenn er Sonntags Spaziergänger fotografierte. Er war uns wegen seiner Anzüge aufgefallen. In Narbonne wußten nur wenige, wie man sich anzieht.
Er suchte zwei Weihnachtsmänner für Fotos mit Kindern. Einen für die Brücke, den Anderen für den Rathausplatz. Jeweils Donnerstags und Sonntags, bis Weihnachten.

-Gut, also 1000 Francs pro Tag, einverstanden?
-Ja.
-Hast du meine Adresse? 4, rue du capitole.
-Gut.
-Komm bitte morgen.
-Bis morgen.

Ich überschlug kurz und kam auf einen Verdienst von ca. 6000, 7000.-. Mit den 2- oder 3000 vom Lotto könnte ich mir den Dufflecoat vielleicht zum 1.Januar leisten.
Ein wenig später kamen mir die ersten Zweifel. Den Sommer davor hatte ich in einem Bauunternehmen gearbeitet. Meine Mutter hatte mir erlaubt, einen Teil meines Verdienstes für einen Roller auszugeben. Ich freute mich darauf, doch nach der ersten Woche wurde ich grundlos entlassen.

-Los, ein Foto von uns beiden. Machen Sie mir eine Vergrößerung davon. Das soll in die Zeitung: die zwei Gesichter der Saison.

Ich bemühte mich, wußte aber nicht, wie ich es anfangen sollte. Ich hatte Angst, nicht dafür geeignet zu sein. Doch das legte sich bald. Der Fotograf war zufrieden mit mir. Im nächsten Jahr wollte er mich wieder beschäftigen.

-Ihr Mantel ist schön. Wieviel haben Sie dafür bezahlt?
-15.000.
-Und wo haben Sie ihn gekauft.
-In Paris.
-Ein Foto mit dem Weihnachtsmann?

Nach und nach, wenn wir nichts zu tun hatten, fingen wir an, uns zu unterhalten. Auch über Frauen, die vorbeikamen. Er kannte viele. Hinter meinem Bart wuchs mein Selbstvertrauen. Ich rief alle Freunde und Feinde, die vorbeikamen.

-He! Marechal!
-Kennst du mich?
-Ich kenne jeden. He, Martinez!
-Ach! Das hätte ich mir denken können!
-Salut!
-Wie geht’s?
-Los, machen wir ein Photo!

-Der da hinten, der läßt sich nicht fotografieren.
-Hast du gesehen, wie der aussieht?
-So ein Trottel.

-Mademoiselles, ein kleines Foto mit dem Weihnachtsmann.
-Wir ziehen ihn am Bart!

Frauen, die mich nie angeschaut hatten, lächelten mir im Vorbeigehen zu. Die für ein Foto posierten, schmiegten sich an mich und sahen mir in die Augen, um herauszufinden, wer ich war. Erst hielt ich sie schüchtern an den Schultern, doch bald merkte ich, daß ich keine Hemmungen haben mußte. Ich streichelte fast alle Frauen und keine protestierte.

-Mademoiselle, ein Foto mit dem Weihnachtsmann?

Die Tochter meines Friseurs. Ich wagte nicht, sie zu berühren. Obwohl ich gesehen hatte, wie sie einen Jungen küsste. Ich kannte ihren Namen.

-Auf Wiedersehen Christiane.

Später kam ihre Mutter vorbei, sie kannte den Fotografen.

-Ihre Tochter war hier.
-Ah ja. Sie sagte mir, sie hätte Sie heute morgen mit einem Weihnachtsmann gesehen, der blaue Augen hatte.

-Martine! Ein Foto mit dem Weihnachtsmann?

Ich rief sie und sie kam. Ich hatte das Gefühl, daß sie sich an mich lehnte.

-Kennen Sie die? Wie heißt sie?

Sie kam und begrüßte ihn. Sie war die Freundin von seiner Freundin. Ich fand sie häßlich.

-Ein Foto mit meinem Weihnachtsmann?
-Nein.

Sie wollte kein Foto, sie wollte gehen.

-Na, sagen wir nicht Guten Tag, Jeanine?
-Wer ist das?
-Ein junger Mann.
-Kennen Sie ihn?
-Ein junger Mann, der für mich arbeitet.

Ihre Neugier war geweckt. Ich tat das nicht zum erstenmal. Normalerweise fragten die Frauen nicht lange nach. Aber diese hier wollte wissen, wer ich war. Sie nannte Namen. Ich fragte sie:

-Und? Hast du mich immer noch nicht erkannt?
-Nein.
-Pech für dich.
-Ich will jetzt wissen, wer Sie sind.
-Das willst du wirklich wissen? Tut mir leid, so nicht. Rendevous heute abend, achzehn Uhr, Palais du Travail.

Ich hatte das gesagt, ohne weiter nachzudenken.

-Werden Sie kommen?
-Jaja.
-Kein Scherz?
-Nein, ganz sicher nicht. Bis heute Abend!

Abends rannte ich zum Palais du Travail. Ich sah sie kommen und hielt mich im Dunklen verborgen.

-Hier!
-Sind Sie da? Kommen Sie heraus, oder ich gehe wieder. Kommen Sie heraus. Sie sind der Weihnachtsmann?

Sie erkannte mich wieder. Sie hatte ganz eindeutig jemand Anderen erwartet.

-Wenn ich das gewußt hätte…
-Sehen wir uns später?
-Nein, ich gehe nicht aus.
-Doch!
-Nein, ich gehe nicht aus.
-Aber warum denn nicht?
-Nein! Laß das.
-Sei still
-Hör auf, oder ich schreie.
-Kein Grund, zu schreien!
-Du bist verrückt.
-Komm wieder her. Komm zurück!. Komm her. Bitte.
-Schau mal, was du gemacht hast. Ich bin ganz zerknautscht.
-Wir können uns trotzdem wieder sehen.
-Das kannst du vergessen.

Plötzlich bedauerte ich, meine Verkleidung nicht besser ausgenutzt zu haben. Die Rückkehr in das normale Leben war wenig verlockend. Es wäre Zeit gewesen, die Gegend zu verlassen.
Bis Weihnachten waren es noch zwei oder drei Arbeitstage. Aber meine Begeisterung war verflogen. Diese letzten Tage waren langweilig. Sorgfältig legte ich nach jedem Mal 1000 Franc zur Seite. Für Zigaretten gab ich nur aus, was ich mir zu Hause klaute. Ich war froh, daß es mit dem Mädchen nicht geklappt hatte. Ich hätte sie irgendwohin einladen müssen und dafür meine Ersparnisse anbrechen müssen. Außerdem hätte ich auch keine Lust gehabt, mich mit ihr zu zeigen.

-Die erste Partie beginnt. Zwei Karten fünfzig Francs, vier für hundert Francs. Achtung, die erste Runde beginnt! 89 ist die erste Nummer. 81. 44.

Ich hatte mich fürs Lotto eingetragen. Nach meiner Rechnung würde ich Geld übrig haben. Ich könnte Silvester mit Martinez feiern, der mich danach gefragt hatte.

Fabrus zeigte mir, wie ich durch Tricksen mehr verdienen konnte. Dazu mußte man zu zweit sein. Wir hattem 30 Karten. Wenn eine 100 Francs kostete und wir zwanzig zu vergeben hatten, brachten wir 2000 Francs zur Kasse. Die Kontrolleure, Polizisten im Ruhestand, zählten die Karten, die wir noch hatten. Man mußte schnell sein, um die nächste Partie einzukassieren. Trotz der Kontrolle konnte man sich während der Partie gegenseitig Karten zustecken. Fabrus ging als erster zur Kasse, bezahlte und steckte mir 5 bis 6 Karten zu. Dann ging ich zur Kasse und verdiente 500, 600 Francs. Wir machten das nur bei 100 Francs-Partien, nicht bei den gewöhnlichen zu 25 Francs. Zuviel Risiko für zuwenig Gewinn!

-Achtung! Wir warten auf einen Gewinner. 53! 70! 49! 29! 3! Und es geht weiter…

Durch dieses Zubrot hatte ich bald die nötige Summe zusammen und kaufte mir ohne Dumas am 26. Dezember den Dufflecoat.

-Ah, du hast ihn gekauft.
-Ja.
-Er ist nicht schlecht. Ich weiß nicht, ob ich mir auch einen kaufen soll.
-Warum denn nicht?
-Nächstes Jahr ist er unmodern. Ich kaufe mir einen Lodenmantel.
-Der ist aber noch viel teurer.
-Das ist mir egal.
-Mach, was du willst. Ich feiere Silvester mit Martinez. Willst du mitkommen?
-Nein.
-Warum denn nicht?
-Nein, ich feiere nicht.
-Warum, was ist los mit dir?
-Nichts, ich bin es leid.
-Wir werden uns amüsieren, wir gehen in den Puff.
-Das soll amüsant sein?
-Überleg‘s dir einfach.

-Dubois, kommst du heute abend mit in den Puff?

-Schau dir die Frau da hinten an.
-Die da hinten? Was glaubst du! Wenn du die nur anfaßt, läuft sie dir schon weg.
-Weißt du noch, als wir mit Roufio im Puff waren, und seinem Vater begegnet sind? Und seinem Großvater! Drei Generationen im Puff.
-Also dann, ich gehe!
-Du kommst nicht mit?
-Nein nein.
-Was hat er? Wo will er hin?
-Keine Ahnung.
-So ein Dummkopf!

Als wir im Restaurant die Mäntel ablegten, war mir das peinlich. Ich war der einzige, der keinen Anzug trug.

-He! Idiot!
-Das Messer, das Messer. .. Wer hat da Idiot gerufen?
-Ich, na und?
-Am Silvsterabend? Bist du blöd? Weißt du denn nicht, daß wir alle Kumpels sind? Los, komm einen trinken!

Wir hatten viel getrunken.

-Ich muß dringend pissen!
-Die Gauner. Schaut mal her. Diese Saukerle. Die haben nichts übriggelassen.
-Nicht schlecht!
-Einfach drauf los und auf und davon
-Los, gehen wir.
-In den Puff?
-In den Puff! In den Puff! In den Puff! In den Puff!

[Abschrift der deutsch untertitelten Version des Films; Dank an Angela Schanelec]

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