Sonntag, 22.01.2006

Filmtipp

Ladybug, der Titel des Films, ist das von Veronica und ihrem Rasmus (Angie Reed und Mario Mentrup) vereinbarte Befehlswort zur sofortigen Beendigung des Liebesspiels. Doch die Vereinbarung wird von ihm nicht eingehalten, weil sie ihm den eigentlichen Grund der Vereinbarung verheimlicht.
Es ist das traurige Motiv des Vierzeilers von Aragon: „Wo die Lippen beim Küssen sich treffen / Vergehen die Jahre zu schnell / Umgeh, umgeh, umgeh / Die zerbrochenen Erinnerungen.“
In Berlin scheint heute, einen guten Film zu machen, eine Angelegenheit des guten Geschmacks zu sein. Aber vor den geklinkerten Fassaden von Königswusterhausen denken wir plötzlich an ganz etwas anderes, an eine Frau, die man geliebt hat, an Lüge, an Feigheit, an Leichtsinnigkeit, an alles und nichts, denn Ladybug ist nicht Widerspiegelung des Lebens, er ist das Leben selbst aus Film gemacht. Er ist gleichzeitig der direkteste und der zurückhaltendste Film, der feinste und der gröbste. Ein unheimlich einfacher Film. Und vereinfachen heißt nicht stilisieren.
Überflüssig also den Regisseur Sebastian Ko zu beglückwünschen, weil er im Grunde ganz natürlich etwas macht, was seit langem das ABC des deutschen Kinos sein sollte: dem mehr Bedeutung zuzumessen, was vor der Kamera ist, als der Kamera selbst. Hat man erst einmal alles erdenklich Gute über die beiden Hauptdarsteller, über Angie Reed und Mario Mentrup gesagt, hat man längst noch nicht genug gesagt. Denn die Noblesse des wahren Dokumentarfilms schafft es hier, mit der Grazie der Erzählung gemeinsame Sache zu machen.
Nein, Kino ist etwas anderes!, schreien die patentierten Techniker, und erst einmal ist es ein Beruf! Eben nicht, das Kino ist kein Beruf, es ist ein Vergnügen.
Und hier noch mehr als das: Der Ausdruck der schönen Gefühle.

(Mit ein paar zweckentfremdeten Worten Godards aus den 50ern, übersetzt von Frieda Grafe, will ich hier nur leise andeuten, wie sehr mir LADYBUG gefällt. Der Film hat in Saarbrücken Premiere.)

Rainer Knepperges

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