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	<title>new filmkritik &#187; Johannes Beringer</title>
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		<title>I Vinti (Italien 1953,  s/w, 112 Min.)</title>
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		<pubDate>Thu, 12 Jan 2012 10:41:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Beringer</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Mir war nicht bewusst, was für ein Zensurfall Antonionis zweiter Spielfilm I Vinti (Die Besiegten) war – bis ich jetzt die italienische DVD bei ‚Minerva Classic’ samt Booklet in die Hände bekam. Stefania Parigi dokumentiert ausführlich „L’avventura de I Vinti“ und befasst sich insbesondere mit dem Schicksal der italienischen Episode. (Die englische Übersetzung begnügt sich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mir war nicht bewusst, was für ein Zensurfall Antonionis zweiter Spielfilm <em>I Vinti (Die Besiegten) </em>war – bis ich jetzt die italienische DVD bei ‚Minerva Classic’ samt Booklet in die Hände bekam. Stefania Parigi dokumentiert ausführlich „L’avventura de <em>I Vinti</em>“ und befasst sich insbesondere mit dem Schicksal der italienischen Episode. (Die englische Übersetzung begnügt sich leider mit einer kurzen Zusammenfassung des Artikels.) Beigefügt ist der DVD die Version der italienischen Episode (auch schon ein Kompromiss!) von den Filmfestspielen 1953 in Venedig – die dann nochmal stark verändert werden musste. (Letztere ist die Version, die man anschliessend in Filmclubs und Kinos zu sehen bekam.)<br />
Antonionis Episoden-Film über jugendliche Delinquenten (‚I nostri figli’ sollte der Film erst heissen) nimmt Zeitungsnachrichten über sinnlose Verbrechen auf: den Mord an einem Schüler durch seine Mitschüler während eines Ausflugs auf das Land (in Frankreich), den Mord an einer älteren Prostituierten durch einen Neunzehnjährigen (in England), den Terrorakt eines jungen italienischen Faschisten (Achille Billi), der tot im Tiber aufgefunden wurde. (Das ursprüngliche Szenario entstand in Zusammenarbeit mit Giorgio Bassani und Suso Cecchi d’Amico.)</p>
<p>Die Frage stellt sich, was für die italienische Zensurbehörde und die katholische Filmproduktionsfirma so anstössig an dem eigentlichen Sujet war: ein junger Faschist begeht einen sinnlosen Anschlag (der dann den Kommunisten in die Schuhe geschoben werden kann), weil er die Ehre der Nation beschmutzt sieht und ein Zeichen setzen will. Es muss, nach über zwanzig Jahren Faschismus, tausende von Jugendlichen vor allem aus besseren Häusern gegeben haben, deren Gemütslage durchaus ähnlich war. Brisant ist diese Zensur vor allem auch deswegen, weil sich in dem ‚sinnlosen Terrorakt’ ja ein Muster abzeichnet, das nach ’68 wieder angewendet worden ist: den Anschlägen von rechts, die von den involvierten Geheimdiensten mitgesteuert und von den Sicherheitsbehörden sofort der Linken untergeschoben wurden. („Vier Bombenexplosionen in Mailand und Rom, bei denen allein an der Piazza Fontana in Mailand 17 Menschen getötet und 88 verletzt wurden, standen im Dezember 1969 am Anfang einer Serie von Anschlägen, die im August 1980 ihren Höhepunkt erreichte: Der Bombenanschlag auf den Hauptbahnhof von Bologna forderte 85 Tote und 200 Verletzte.“ Wikipedia unter dem Stichwort ‚Gladio’.) Auch erinnere ich mich an das trostlose Bild des armen Menschen – in der SWR-Dokumentation <em>Gladio – Geheimarmeen in Europa</em> (D 2010, 85 Minuten) –, der am Grab seiner Angehörigen steht, die er beim Anschlag auf das münchner Oktoberfest 1980 verloren hatte. (Die Öffentlichkeit war damals mit dem offiziellen Befund vom Einzeltäter abgespiesen worden, dessen Wahrheitsgehalt ungefähr auf der gleichen Ebene liegt wie der Satz der merkelschen Frohnatur: „Wir sind auf dem rechten Auge nicht blind.“)</p>
<p>Die Veränderungen an der italienischen Episode, die Antonioni 1952/53 zugemutet wurden, waren beträchtlich: der Terrorakt wurde verwandelt in blossen Zigarettenschmuggel – was nicht nur Nachdreh bedeutete, sondern auch Neu-Sychronisation von bereits gedrehten Szenen (der Dialog in der Garage zum Beispiel besteht nicht mehr darin, dass der Terrorist seiner Freundin Gesinnung und Tat offenbart, er spricht jetzt vom Bedürfnis nach Geld und gesteht, einen Menschen umgebracht zu haben). Die Zeitungsschlagzeile „Atto di sabotaggio al Polverificio Amadei“ ist ersetzt worden durch „Sanguinosa sparatoria a San Paolo tra i contrabbandieri e la Finanza“, u.a.m. Die Produktionsfirma fügte dem Film zudem einen Vorspann mit Off-Kommentar bei, der die Verfehlungen der Jugend brandmarkt und eine ungeschönte Darstellung der aufgenommenen Vorfälle verspricht.  </p>
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		<title>Nachts auf den Strassen (Regie Rudolf Jugert, BRD 1952) (31.10.2011, 20.15 – 22.00 auf ‚arte’.)</title>
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		<pubDate>Sat, 26 Nov 2011 09:39:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Beringer</dc:creator>
				<category><![CDATA[new filmkritik]]></category>

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		<description><![CDATA[Filme mit Hans Albers haben (in der Regel) ein ganz anderes Interesse als die mit dem Wichtelmännchen Rühmann (mit seiner verrutschten Kleinbürger-Komik). In Nachts auf den Strassen ist Albers Fernfahrer, und das Zusammenspiel mit Lucie Mannheim (im Film seine Frau) hat es in sich: Lucie Mannheim war ja eine bekannte Grösse am Theater gewesen (verheiratet [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Filme mit Hans Albers haben (in der Regel) ein ganz anderes Interesse als die mit dem Wichtelmännchen Rühmann (mit seiner verrutschten Kleinbürger-Komik). In <em>Nachts auf den Strassen</em> ist Albers Fernfahrer, und das Zusammenspiel mit Lucie Mannheim (im Film seine Frau) hat es in sich: Lucie Mannheim war ja eine bekannte Grösse am Theater gewesen (verheiratet mit Jürgen Fehling) und hatte in deutschen Stumm- und Tonfilmen mitgespielt. Ein paar Jahre vor Jugerts Film hatte sie noch in einem BBC-Studio gestanden (sie war 1933 nach Grossbritannien emigriert) und eine Version des Lili Marleen-Liedes gesungen, das mitten im Krieg eine erbitterte Abrechnung mit Hitler war (zu sehen und zu hören in G. P. Strascheks <em>Filmemigration aus Nazi-Deutschland</em>): Lili Marleen steht unter der Laterne und wartet umsonst, weil ihr Geliebter in Afrika oder in Russland gefallen ist; die letzten Strophen lauten, übersetzt, so: „Der Führer ist ein Schinder, das seh&#039;n wir hier genau, / Zu Waisen macht er Kinder, zur Witwe jede Frau. / Und wer an allem schuld ist, den – will ich an der Laterne seh&#039;n. / Hängt ihn an die Laterne! Deine Lili Marleen.“</p>
<p>In <em>Nachts auf den Strassen</em> gerät Albers auf Abwege, er lässt sich mit einer Anhalterin (Hildegard Knef) ein, die er mitten im Regen mitnimmt – und die wiederum ist mit Kriminellen verbandelt, die den Fernfahrer erpressen. Albers kommt mit einem blauen Auge davon, flüchtet sich wieder ins traute Heim – und will der Gattin alles gestehen. Die jedoch lenkt ihn geschickt ab – sie scheint zu wissen, dass dieses ‚Geständnis’ das Ende ihrer Ehe bedeuten würde. (Sie lässt den Alten auf der Couch lieber mal eindösen.) In ihrer Haltung schwingt ein Darüberhinaus mit: wenn das, was da noch zu gestehen wäre in Deutschland, gestanden wird – was dann?! </p>
<p>(Erich Pommer war bei diesem Film Produzent; Vorlage und Drehbuch, neben Käutner, von Fritz Rotter, ebenfalls exiliert; der zurecht so genannte schweizer Volksschauspieler Heinrich Gretler, der vor ’33 schon bei Fritz Lang dabei war, spielt hier den Spediteur Falk.)</p>
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		<title>Uwe Nettelbeck: „Keine Ahnung von Kunst und wenig vom Geschäft.“ Filmkritik 1963 – 1968. Hamburg (Philo Fine Arts) 2011. (Fundus-Bücher 196.)</title>
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		<pubDate>Tue, 15 Nov 2011 09:52:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Beringer</dc:creator>
				<category><![CDATA[new filmkritik]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich kann behaupten, dass alle einundvierzig Kritiken dieses Bandes sehr lesenswert sind – denn ich habe alle gelesen. (Erschienen sind sie damals in der Wochenzeitung ‚Die Zeit’, zwei sind aus der monatlich erscheinenden ‚Filmkritik’. Herausgegeben hat sie Sandra Nettelbeck.) Das war natürlich auch eine interessante Kinoperiode, alte Strukturen brachen in sich zusammen und die Filme [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich kann behaupten, dass alle einundvierzig Kritiken dieses Bandes sehr lesenswert sind – denn ich habe alle gelesen. (Erschienen sind sie damals in der Wochenzeitung ‚Die Zeit’, zwei sind aus der monatlich erscheinenden ‚Filmkritik’. Herausgegeben hat sie Sandra Nettelbeck.)<br />
Das war natürlich auch eine interessante Kinoperiode, alte Strukturen brachen in sich zusammen und die Filme selbst waren ‚aufgebrochen’. Einen wunderbaren Text gibt es da zu Jacques Roziers <em>Adieu Philippine</em>,  Will Tremper wird mit seinen Filmen charakterisiert (<em>Die endlose Nacht, Playgirl</em>), Peckinpahs Spätwestern <em>Sacramento</em> und <em>Sierra Charriba</em> werden vorgestellt, ein James Bond-Film wird auseinandergenommen – aber in der Hauptsache geht es um die jeweils neuen Godard-Filme (Nettelbeck war ein ‚Godardianer’ der ersten Stunde), um Huillet-Straub (<em>Chronik der Anna Magdalena Bach</em>) und um den jungen deutschen Film (Ulrich Schamoni, Volker Schlöndorff, Peter Schamoni, Alexander Kluge, Hansjürgen Pohland, Klaus Lemke, Werner Herzog, George Moorse). Interessant schiene mir, die beiden Kritiken zu Kluge nebeneinander zu halten: von den ‚Verwirrungen der Anita G.’ (1966) zur ‚Reformzirkusvorbereitungspolitik’ (1968).<br />
Weiteres (ich zähle jetzt nicht alles auf), erwähne nur noch die Kritik zu <em>Muriel oder die Zeit der Wiederkehr</em> von Alain Resnais (1963) und die zu <em>Mutter Johanna von den Engeln</em> von Jerzy Kawalerowicz (1964). Beide Filme habe ich ja damals auch gesehen und muss sagen, Nettelbeck hat einfach viel mehr gesehen, hat besser geschaut – schade, dass ich das damals nicht gelesen habe. </p>
<p>Grad noch bei Hans Wollschläger aufgeschnappt: „Kein Zweifel: das überschauende Erkennen dessen, was sehen ein jeder kann, ist eines jeden Sache nicht &#8230;“                       </p>
<p>(Siehe auch den ‚newfilmkritik’-Eintrag vom 18.02.2007, der 119 für die ‚Filmkritik’ zwischen 1963 und 1973 geschriebene Texte Nettelbecks auflistet.) </p>
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		<title>KINETICA</title>
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		<pubDate>Wed, 05 Oct 2011 15:31:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Beringer</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Für unsere Freunde des Französischen und des Kinos: eben ist erschienen „KINETICA. Lieux d’expérimentations cinématographiques en Europe“, Éditions la passe du Vent à l’Espace Pandora, 7 place de la Paix, 69200 Vénissieux (zu bestellen über éditions@lapasseduvent.com). Über ein Jahr lang hat Anne Grèzes – mit Unterstützung des ‚Gran Lux’ (einem in einer ehemaligen Brauerei angesiedelten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Für unsere Freunde des Französischen und des Kinos: eben ist erschienen „KINETICA. Lieux d’expérimentations cinématographiques en Europe“, Éditions la passe du Vent à l’Espace Pandora, 7 place de la Paix, 69200 Vénissieux (zu bestellen über éditions@lapasseduvent.com).<br />
Über ein Jahr lang hat Anne Grèzes – mit Unterstützung des ‚Gran Lux’ (einem in einer ehemaligen Brauerei angesiedelten Kino in St. Étienne) und dem ‚Ministère de la Culture et de la Communication’, Rhône-Alpes – europaweit Orte recherchiert, die zu Kinos umgewidmet worden sind und von filmpassionierten Leuten im Kollektiv oder einzeln geführt werden. „Über dreissig Orte werden vorgestellt. Von der Fabrik bis zur Mühle, von der Chocolaterie bis zur Brauerei, vom Schwimmbad bis zum Droschken-Unterstand tut sich so ein Reigen von altgedienten Gebäuden auf, die erneuert und umfunktioniert worden sind zu Laboratorien, Vorführräumen und Künstlerresidenzen.“ Das Buch ist überaus reich bebildert – und für jedes der besuchten Kinos ist ein Gespräch mit den Betreibern (französisch) und eine kleine Beschreibung des Ortes (englisch) abgedruckt. (Eine Liste der Kinos, die nicht aufgesucht werden konnten, gibt zu bedeuten, dass die Szene noch viel reichhaltiger ist.) Aus Deutschland werden hier vorgestellt: das Kino im Sprengel in Hannover, das Werkstattkino in München, das Kino Krokodil, Laborberlin und das Regenbogenkino in Berlin (zu letzterem gehört Anne Grèzes selbst: sie hat dort u.a. eine Werkschau Naomi Kawase im November 2010 besorgt).<br />
Am 6. bis 9. Oktober 2011 gibt es im ‚Gran Lux’ in St. Étienne zum Erscheinen des Buches Begleitveranstaltungen – an einer ‚Table Ronde’ wird auch der portugiesische Filmproduzent Paolo Branco teilnehmen.  </p>
<p>Dann möchte ich bei dieser Gelegenheit noch auf die Audio-CD’s hinweisen, die Anne Grèzes unter der Bezeichnung ‚Dépôt Légal’/’archives sonores des cinémas’ in den Éditions du Bas Parleur, Paris, herausgegeben hat:<br />
no 6 Jonas Mekas, Ovation in Paris<br />
no 7 Jean-Marie Straub et Danièle Huillet à propos de <em>La mort d’Empédocle </em><br />
no 14 Jean-Marie Straub et Danièle Huillet à propos d’<em>Ouvriers, paysans</em>.<br />
‚Dépôt Légal’ beabsichtigt eine ‚anthologie sonore’ des unabhängigen Films: Gespräche und Diskussionen nach dem Film, die in Kinos aufgenommen und später montiert worden sind.<br />
(www.lebasparleur.com / als Verkaufsstelle wird in Berlin auch b-books angegeben.) </p>
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		<title>Eine kleine Genealogie</title>
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		<pubDate>Tue, 17 May 2011 15:11:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Beringer</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ich schaue mir gern diese 26minütigen Filme aus der Reihe ‚Architectures’ / ‚Baukunst’ auf arte an. (Sonntagabend bzw. schon Montag, 16.5.2011, gab es zum Beispiel einen Film über die Stadtsparkasse in Wien, die Anfang des letzten Jahrhunderts erbaut wurde.) Richard Copans und Stan Neumann haben diese Serie konzipiert und zusammen mit anderen realisiert – unterdessen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich schaue mir gern diese 26minütigen Filme aus der Reihe ‚Architectures’ / ‚Baukunst’ auf arte an. (Sonntagabend bzw. schon Montag, 16.5.2011, gab es zum Beispiel einen Film über die Stadtsparkasse in Wien, die Anfang des letzten Jahrhunderts erbaut wurde.) Richard Copans und Stan Neumann haben diese Serie konzipiert und zusammen mit anderen realisiert – unterdessen gibt es da einen beeindruckenden Katalog an Titeln (ab 1995, auf 6 DVDs), aber die Recherche und Produktion der Filme gehen weiter (zum Beispiel sind ganze Kontinente wie Afrika und Südamerika noch nicht vertreten).<br />
Als Ausgangspunkt oder Ideensetzung für die Reihe kann man Stan Neumanns Film<em> Paris, roman d’une ville</em> von 1991 ansehen, dem Klaus Krug 1995 eine ganze Nummer seiner Zeitschrift ‚nordnordwest’ gewidmet hat (diese fünfte sollte auch die letzte sein) – während ich, mich dieser Nummer erinnernd, 1999 in ‚shomingeki’ Nr. 7 ausführlich über <em>Une maison à Prague / Ein Haus in Prag</em> (1998) von Stan Neumann geschrieben habe. Dieser Blick auf das lang schon verlassene Elternhaus und dessen Geschichte, der Blick auf die Stadt, in der man heimisch geworden war, ist spürbar in dem Interesse, das nun weitergehend und darüberhinausgehend den ins Auge gefassten Gebäuden entgegengebracht wird – wiewohl natürlich eine Reihe von ‚Regeln’ (wie die Gebäude zu filmen seien) etabliert und im Lauf der Zeit korrigiert und verfeinert werden mussten. Als besonders bemerkenswert sind mir (ich habe natürlich nicht alle Sendungen gesehen) etwa die Filme über eine französische Schokoladenfabrik in Menier, die Sendai-Mediathek von Toyo Ito, das SAS Royal Hotel in Kopenhagen oder die königliche Moschee von Isfahan in Erinnerung geblieben.<br />
Über ein modisches Interesse an Architektur (oder an ‚Stararchitekten’) hinaus, werden hier also bedeutsame, natürlich immer auch die Zeit bezeichnende Gebäude vorgestellt – und zwar nicht nur von der Fussgängerperspektive aus, sondern von der Konstruktion (für jedes Gebäude ist eine Maquette hergestellt worden) und vom Alltag ihrer Benutzung her. Die Zeitläufte sind den Gebäuden nicht nur dadurch und durch Wind und Wetter eingeschrieben, sondern vor allem auch durch die politischen Grosswetterlagen. (Wie etwa am Beispiel ‚Bauhaus’ in Dessau besonders gut zu sehen.)</p>
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		<title>&#8220;Fritz Bauer &#8211; Tod auf Raten&#8221;</title>
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		<pubDate>Mon, 15 Nov 2010 10:35:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Beringer</dc:creator>
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		<description><![CDATA[„Fritz Bauer – Tod auf Raten“ von Ilona Ziok, 97 Minuten – gesehen am 6. November 2010, um 18 Uhr 30 im ‚Zeughauskino’ in Berlin (der Film wurde im Rahmen dieses bundesweiten Filmfestivals ‚UeberMut’ gezeigt). Ein Film, wiedermal, der mit seinem ‚Material’ höchst durchschnittlich umgeht (z.B. ein paar Crosscutting-Mätzchen einbaut, die völlig fehl am Platz [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>„Fritz Bauer – Tod auf Raten“ von Ilona Ziok, 97 Minuten – gesehen am 6. November 2010, um 18 Uhr 30 im ‚Zeughauskino’ in Berlin (der Film wurde im Rahmen dieses bundesweiten Filmfestivals ‚UeberMut’ gezeigt).<br />
Ein Film, wiedermal, der mit seinem ‚Material’ höchst durchschnittlich umgeht (z.B. ein paar Crosscutting-Mätzchen einbaut, die völlig fehl am Platz sind) – dennoch sehr interessant, weil es eben um Fritz Bauer geht, über den man schon lange gerne ein bisschen mehr wissen möchte. Denn wenn es eine bundesrepublikanische Figur gibt, über die mehr ‚geraunt’ als gewusst worden ist, so ist er das. Als wir im Raum Frankfurt 1989 zu Dritt den Film „Kalmenhofkinder“ von Nico Tscheschner drehten, tauchte sein Name ‚legendenhaft’, wie mir schien, einige Male auf – und zwar über einzelne Personen, die ihn hochhielten. Dazu gehört sicher auch Peter Nestler, der bei einer Filmveranstaltung im ‚Arsenal’ in Berlin auf ein eben erschienenes Buch zu Fritz Bauer aufmerksam machte. (Irmtraud Wojak: „Fritz Bauer 1903 – 1968. Eine Biographie“, München 2009; auch Bd. 23 der  ‚Schriftenreihe des Fritz Bauer Instituts’.)<br />
 ‚Tod auf Raten’ – was soll das heissen? Ziemlicher Schwachsinn. Zu Beginn des Films geht es um den ungeklärten Tod Fritz Bauers, der zu Spekulationen über Mord, Selbstmord, Unfall Anlass gab. Die Selbstmordthese wird von einem hessischen Justizbeamten zurückgewiesen, Bauer habe ja noch um Verlängerung seiner Tätigkeit nachgesucht (er war gerade 65 geworden) – und die sei ihm vom zuständigen Ministerium telefonisch zugesagt worden. Wahr ist andrerseits, dass Fritz Bauer als hessischer Generalstaatsanwalt, der 1963 den Frankfurter Auschwitzprozess initiierte und die Ermittlungen gegen die Täter des Euthanasie-Verbrechens vorantrieb, sich schon Jahre vor seinem Tod in seiner eigenen Behörde wie auf fremdem Territorium bewegte – er, der als Jude aus der Emigration zurückgekommen war und seine ganze Hoffnung auf die nachwachsende Generation setzte. Er hatte es eben tagtäglich mit diesem ganzen Nazigesochs zu tun, das fast nahtlos vom Justizapparat übernommen worden war und seine Einstellung keineswegs geändert hatte – was sich schon abzeichnete, als er 1952 den Remer-Prozess anstrengte (wegen Verunglimpfung der Männer des 20. Juli 1944). Und um 1960 herum, als er den Aufenthaltsort von Eichmann in Argentinien eruiert hatte, hütete er sich sehr, jemanden im eigenen Dienstbereich einzuweihen – er wusste, dass Eichmann sofort gewarnt worden wäre (bekanntermassen lief die Sache dann über den Mossad).<br />
Der Film stützt sich stark auf ein Dokument des Hessischen Rundfunks von 1964: ‚Heute Abend Keller Club’ – ein Gespräch, bei dem Fritz Bauer mit Studenten oder jüngeren Leuten zusammensitzt und über die Nazizeit und die autoritäre deutsche Erziehung redet. (Er war in dem Sinn einer der ersten ‚Antiautoritären’ und ‚Radikaldemokraten’ in der Bundesrepublik.) Thomas Harlan tritt hier wieder auf, im Freien, an seiner Seite der Staatsanwalt Herbert Schneider, und redet nochmal von dieser ‚kalten Amnestie der Schreibtischtäter’ – dem Gesetzescoup, der zwei Nazis (dem NS-Sonderjuristen Eduard Dreher und dem Gestapomann Werner Best) ausgerechnet 1968 gelang, als sie das ‚Einführungsgesetz zum Ordnungswidrigkeitengesetz’ durch den Bundestag boxten. (So gut wie keiner, auch nicht Brandt oder Wehner, schien zu wissen, was er da verabschiedet hatte.) Nachzulesen wäre das in Harlans Buch „Das Gesicht deines Feindes. Ein deutsches Leben“, Interviews mit Jean-Pierre Stephan, Frankfurt am Main 2007, S. 140ff.; Harlan sagt dort auch, wegen dieses Dreherschen Gesetzes habe sich Fritz Bauer, mit dem er befreundet war, 1968 umgebracht – sei ihm doch dadurch all das entzogen worden, wofür er gekämpft habe.<br />
Das alles gehört zum ‚doppelten Boden’ der Bundesrepublik und den Leichen im Keller – das muss erstmal festgestellt und gesehen werden: gegen diese ganze lange Periode, in der man sich vom ‚Historiker’ Kohl einlullen und dann von Merkel weichspülen liess &#8230; Es ist nicht so, es war nicht so: wenn Kohl vom Widerstand in der Nazizeit geredet hat (40, 50 Jahre danach) hat er nicht den konkreten (zum Beispiel jüdisch-kommunistischen) Widerstand gemeint, sondern seinen eigenen Widerstand gegen die Nazizeit – es ging allein darum, dass die Bundesrepublik besser dasteht. (Ich erinnere mich noch an den ‚Schweinsgalopp’, mit dem er – ein Bild aus irgendeiner ‚Tagesschau’ – eine Lagerstrasse in Auschwitz mit seinem Tross hinter sich gebracht hat.) Ein weitverbreitetes Phänomen unter Politikern: man will nichts auf sein Land kommen lassen. Der ‚Kongress der Weisswäscher’ lässt grüssen &#8230;<br />
Aberwitzigerweise taucht der Name Kohls auch in dem Film von Ilona Ziok auf – und zwar im Zusammenhang einer Diskussionsveranstaltung mit Fritz Bauer: weil der eingeladene CDU-Obere  sich der entziehen wollte, schickte er Kohl hin. </p>
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		<pubDate>Wed, 30 Jun 2010 09:38:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Beringer</dc:creator>
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		<description><![CDATA[„Welch gesegnete Zeiten, in denen Daguerre mit seinem unhandlichen und unzuverlässigen Instrument das Bild dieses Lebens festhielt, das tägliche Leben von damals, das eben erst von der verhässlichenden Nüchternheit der aufkommenden Industrien berührt worden war, das aber noch nichts von seinem traumwandlerischen Gang verloren hatte. Wenn wir beim Anblick jener Schwarzweiss-Darstellungen so fasziniert sind, so [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>„Welch gesegnete Zeiten, in denen Daguerre mit seinem unhandlichen und unzuverlässigen Instrument das Bild dieses Lebens festhielt, das tägliche Leben von damals, das eben erst von der verhässlichenden Nüchternheit der aufkommenden Industrien berührt worden war, das aber noch nichts von seinem traumwandlerischen Gang verloren hatte. Wenn wir beim Anblick jener Schwarzweiss-Darstellungen so fasziniert sind, so ist das darauf zurückzuführen, dass sie uns innere Fenster auf das damalige Tagesgeschehen zu öffnen scheinen: im Augenblick, da irgendeine Fassade ihren Schatten auf die Strasse wirft, sind vielleicht gerade eben Balzac oder Baudelaire oder Delacroix über ihn hinweggeschritten. Die Hast, mit der man die Geschäfte betrieb, war nicht geschwinder als der Schritt der Pferde, ein animalischer Schritt, und so auch das Atmen der Menschen. Das Stundenmass war nicht unerbittlicher als das langsame Wachsen des Schattens, der sich auf die Gegenstände herabsenkt. Menschen und Dinge vermochten noch eine gesammelte Haltung einzunehmen unter dem Blick dieses Fotografen, der bestrebt war, mit Hilfe des die Zufälligkeiten abschwächenden Lichtes ihre ewigen Strukturen hervorzuheben. Doch die fatale Konspiration zwischen den gerissenen Bankiers und den Erfindern entfesselte eine Energie, die die aggressiven Intentionen des Denkens verzehn-, ja verhundertfachte, die Faktoren von Zeit und Raum interferieren liess, die Schwerkraft aufhob, die Strukturen aus dem Gleichgewicht brachte und Festes in Flüssiges verwandelte, so dass die Gegenwärtigkeit der Gesichter und Dinge in einem stetig sich verflüchtigenden Raum immer unwahrscheinlicher wurde. Sogar ihre naive Wahrnehmung verwirrte sich: zu diesem Zeitpunkt bildeten die Impressionisten das Echo zu dem Schwanengesang auf den einstigen Tag und die einstige Nacht des Lebens, des nunmehr modern gewordenen Lebens: es war ein Äusserstes an erhabenem Flimmern &#8230; und alles löste sich auf in leuchtenden Staub – während in der Provence ein alter Dämon, der verliebt war in die kahlen Berge und in das leise Beben der Pinien und der Eukalyptusbäume, sich darum mühte, noch einmal den feierlichen Anblick der Welt zu rekonstruieren. Er wurde als Narr behandelt, und diejenigen, die sich befleissigten, seiner göttlichen Hand zu folgen, wollten sich seine Augen aneignen, ohne seine Seele zu besitzen. In der von seltsamen Zuckungen und wilden Schauern erschütterten Atmosphäre brachten die Zentrifugalkräfte das Auge und das, worauf es gerichtet war, zum Zerspringen: die Explosion selbst war zur Notwendigkeit geworden, und das Auge konnte fortan nur noch an verstümmelten Gegenständen, an sich auflösenden Bildern Befriedigung finden; damals mischte sich der Teufel ein und proklamierte durch die Stimme eines ketzerischen Doktors – so ketzerisch wie nur denkbar –: ‚Die Fotografie hat die Malerei von dem Zwang der Naturnachahmung befreit.’“ </p>
<p>(S. 76/77 in: Pierre Klossowski, „Die Gesetze der Gastfreundschaft“, Berlin 2002; übersetzt von Sigrid von Massenbach. Das Zitat ist aus „Der Widerruf des Edikts von Nantes“ / „La Révocation de l’Édit de Nantes“, zuerst erschienen bei den Éditions de Minuits, Paris 1959.) </p>
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		<title>Niemand ruft</title>
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		<pubDate>Mon, 29 Mar 2010 09:00:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Beringer</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Nikt nie wola (Niemand ruft, Polen 1960) von Kazimierz Kutz scheint mir innerhalb der ‚polnischen Schule’ der 50er und 60er Jahre (Has, Kawalerowicz, Konwicki, Morgenstern, Munk, Rózewicz, Wajda u.a.) etwas Besonderes zu sein. Wenn diese Schule die Vorgaben des sozialistischen Realismus durch Anlehnung an den italienischen Neorealismus und an den amerikanischen ‚Film noir’ überwand, so [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Nikt nie wola (Niemand ruft</em>, Polen 1960) von Kazimierz Kutz scheint mir innerhalb der ‚polnischen Schule’ der 50er und 60er Jahre (Has, Kawalerowicz, Konwicki, Morgenstern, Munk, Rózewicz, Wajda u.a.) etwas Besonderes zu sein. Wenn diese Schule die Vorgaben des sozialistischen Realismus durch Anlehnung an den italienischen Neorealismus und an den amerikanischen ‚Film noir’ überwand, so geht Kutz in seinem Film noch einen Schritt darüberhinaus. Das sonst abendfüllende Sujet – ein ganz junger Mensch, Angehöriger der polnischen Heimatarmee, hat sich geweigert, auf ‚Rote’ zu schiessen und ist nun auf der Flucht – wird in den Hintergrund (und ins Off) verbannt und spielt erst ganz am Ende wieder eine Rolle. Der Anklang an <em>Popoliu i diamentu (Asche und Diamant,</em> Polen 1958) von Wajda ist allerdings nicht zufällig: nur wollte Kutz in seinem Film das romantisch Aufgeladene der Figur (dort von Zbigniew Cybulsky gespielt) und die dramatische Zuspitzung vermeiden.<br />
Ein Eisenbahnzug, vollgepackt mit Flüchtlingen und Vertriebenen, fährt in einen Ort (im Film Zielno genannt) ein: das ist real das niederschlesische Habelschwerdt, danach Bystrzyca Kłodzka, aus dem die Deutschen vertrieben worden sind. Der Strom der Menschen ergiesst sich in die leere Stadt, Trinkwasser wird ausgeteilt, Unterkünfte und Wohnungen werden in Beschlag genommen. Zwei junge Menschen haben sich herausgeschält aus der Menge: Lucyna (Zofia Marcinkowska) und Bozek (Henryk Boukolowsky) – er hat eine baufälliges Haus, fast eine Hütte, am Fluss bezogen, sie lebt mit ihrer kleinen Schwester in einem mit ‚Internat’ bezeichneten Heim. Zwischen den beiden entspinnt sich eine Liebesgeschichte – doch der Film behandelt die Beziehung eher wie eine ‚Versuchsanordnung’, nimmt das Transitorische der Situation ernst und bleibt im wahrsten Sinn episodisch. Sehr viele Dialoge zwischen Lucyna und Bozek finden vor alten, fleckigen, abgerissenen Mauern statt – was die Körper, die Gesten, die Worte wie ‚ausgestellt’ erscheinen lässt. Das sind ‚optisch-akustische Situationen’. (Hinter dem Leichten, Flüchtigen, Episodischen macht sich jedoch immer wieder ein ‚Grundgefühl’ der Angst bemerkbar. Oder wie Reiner Schürmann in „Origines“ / „Ursprünge“ schreibt: „Mein Erinnerungsvermögen hat sich auf Angstzustände spezialisiert.“)<br />
Zurecht weist Rafal Marszalek im polnisch-englischen DVD-Booklet  auf den Zug zum ‚Antonionischen’ des Films hin, vergleicht die Kameraarbeit von Jerzy Wójcik mit der von Carlo di Palma [vielleicht könnte man auch an Gianni de Venanzo denken]. Der Film sei 1960, schreibt er, völlig verkannt worden und durch einen administrativen Akt etwa 25 Jahre lang nicht in den Verleih gekommen. Die polnische Kritik habe damals vor den „Gefahren des Modernismus“ gewarnt und sich gefragt, wovon der Film überhaupt handle. Ausser vagen, gelegentlichen Versuchen, sei diese artistische Spur erst mit dem Film-Debut von Skolimowski wiederaufgenommen worden. [Mir scheint jedoch, dass zum Beispiel auch schon der sehr schöne Polanski-Film <em>Nóż w wodzie (Das Messer im Wasser</em>, Polen 1962), dessen Drehbuch er zusammen mit Skolimowski schrieb, in diese Reihe gehört.]<br />
Man könnte bei <em>Niemand ruft</em> zum Beispiel noch hinweisen auf das angenehme Wesen der Hauptdarstellerin – Zofia Marcinkowska –, ihr hübsches Aussehen (das sich im Verlauf des Films als sehr veränderlich erweist): sie hat es in ihrer Zeit immerhin auf die Titelseiten von einigen polnischen Zeitschriften gebracht. Nur blieb ihre Zeit sehr kurz bemessen: 1963, 23jährig, hat sie Selbstmord begangen.<br />
Eine Nebenlinie des Films möchte ich noch erwähnen. Es gibt da einen gestandenen Menschen – ein Arbeitertyp, der zum ‚Wanderer’ geworden ist –, der beim Gang vom Zug in die Stadt von Bozek ein Glas Wasser verlangt (der hatte eben eine Wasserflasche erstanden). In der Stadt, bevor er verschwindet, ruft er Bozek über die Menge hinweg zu, dass er vielleicht morgen schon Bürgermeister sei. Danach sieht man ihn allerdings nur immer am Brückengeländer stehen und auf den Fluss hinunterstarren. Die Qualität des Wassers behagt ihm nicht, die ist in dem Ort, aus dem er gekommen ist, besser. Bozek muss des öfteren an ihm vorbeigehen, zögert hie und da ein bisschen, aber gesellt sich dann regelmässig zu ihm, wechselt ein paar Worte. Mehr nicht. Dieses Nicht-einfach-Vorbeigehen, das er da zu einer Regel macht, bürgt doch auch schon für etwas – oder nicht? </p>
<p><em></em></p>
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		<title>Radiosendungen von Günter Peter Straschek</title>
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		<pubDate>Sun, 17 Jan 2010 22:56:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Beringer</dc:creator>
				<category><![CDATA[new filmkritik]]></category>

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		<description><![CDATA[(SFB III / lt. Auskunft Hanspeter Krüger, damals der zuständige Redakteur): Deutsche Lautsprecher. Versuch über Akustik und Politik. (Zusammen mit Friedrich Knilli) 4. November 1966 Teilabdruck in: Friedrich Knilli, Deutsche Lautsprecher. Versuche zu einer Semiotik des Radios. Stuttgart, 1970. Ich arbeite noch immer jeden Tag. Aus der Korrespondenz mit Hollywood-Veteranen. 1. Mai 1972 Ideen fallen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(SFB III / lt. Auskunft Hanspeter Krüger, damals der zuständige Redakteur):</p>
<p><strong>Deutsche Lautsprecher.</strong><br />
Versuch über Akustik und Politik. (Zusammen mit Friedrich Knilli)<br />
4. November 1966<br />
Teilabdruck in: Friedrich Knilli, Deutsche Lautsprecher. Versuche zu einer Semiotik<br />
des Radios. Stuttgart, 1970.</p>
<p><strong>Ich arbeite noch immer jeden Tag.</strong><br />
Aus der Korrespondenz mit Hollywood-Veteranen.<br />
1. Mai 1972</p>
<p><strong>Ideen fallen nicht vom Himmel.</strong><br />
Über Antonio Labriola.<br />
13. März 1973</p>
<p><strong>Der Kino.</strong><br />
12. Juni 1973<br />
(Ist unter meinem Namen gesendet worden. J.B.)</p>
<p><strong>Der tägliche Gang zum Konsulat.</strong><br />
21. Mai 1974<br />
(Aus dem Filmemigrationsfundus)</p>
<p><strong>Nazi-Offiziere und Kellner.</strong><br />
23. Mai 1974<br />
(Ebenfalls aus dem Filmemigrationsfundus) </p>
<p><strong>Besuch’ mich mal im Lesesaal.</strong><br />
Erfahrungen mit dem materiellen Gedächtnis.<br />
2 x 60 Minuten, 21. und 22. März 1988</p>
<p><strong>„I gave the lady no time to squeal“</strong><br />
100 Jahre Jack the Ripper.<br />
25. Oktober 1988, Wh. 8. August 1989</p>
<p>Die Ms. sind im SFB-Depot im Deutschen Rundfunkarchiv (DRA), Aussenstelle Babelsberg<br />
(Hr. Dr. Fischer), zu finden.</p>
<p>Hanspeter Krüger, seit 1962 Radioredakteur beim SFB, hat 1965/66 zusätzlich das<br />
‚Berliner Fenster’ gemacht, ein unmoderiertes Magazin im III. Fernsehprogramm – er wurde<br />
dann wegen Verletzung der Geschmacksgrenzen von dieser Aufgabe entfernt. Im ‚Berliner<br />
Fenster’ auch Beiträge von Harun Farocki („Zwei Wege“), Michael Klier („Ferrari“), Daniel<br />
Schmid (über eine Weddinger Blutspendestation), Peter Schneider. Eine Aufnahme mit<br />
Straschek, als Sprecher in einem Film von F. Knilli, sagt Hp. Krüger, stehe ihm noch vor<br />
Augen.</p>
<p>Hanspeter Krüger mit bestem Dank.</p>
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		<title>Günter Peter Straschek</title>
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		<pubDate>Thu, 26 Nov 2009 10:21:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Beringer</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Geboren am 23. Juli 1942 in Graz, gestorben 29. September 2009 in Wien. Eine Kurzbiographie in &#8220;Handbuch wider das Kino&#8221; (Suhrkamp, Ffm. 1975) lautet: &#8220;Tramps durch Europa, Kleinasien, Amerika. 1963 &#8211; 74 in Berlin (West) ansässig. Regiestudium an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin GmbH. (relegiert). Filme: Hurra für Frau E. (1967), Ein Western für [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Geboren am 23. Juli 1942 in Graz, gestorben 29. September 2009 in Wien.<br />
Eine Kurzbiographie in &#8220;Handbuch wider das Kino&#8221; (Suhrkamp, Ffm. 1975) lautet:<br />
&#8220;Tramps durch Europa, Kleinasien, Amerika. 1963 &#8211; 74 in Berlin (West) ansässig. Regiestudium an der <em>Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin GmbH.</em> (relegiert). Filme:<em> Hurra für Frau E.</em> (1967), <em>Ein Western für den SDS </em>(1968), <em>Zum Begriff des &#8216;kritischen Kommunismus&#8217; bei Antonio Labriola (1843 &#8211; 1904)</em> (1970); Die deutschsprachige Filmemigration (TV 1975); Texte: <em>Filmkritik 8/74.</em>&#8221;</p>
<p>Ein Versuch, etwas über diese dürren Daten hinaus von der Person mitzuteilen, wird folgen. </p>
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