Einträge von Rainer Knepperges

Freitag, 25.02.2011

Feuer (2)


Jack Elam, Cattle Queen of Montana (1954, Allan Dwan)

“Douglas Fairbanks made a film called The Habit of Happiness (1916, Allan Dwan) which revolved round the theory of the hero that all human misery could be cured with laughter. One scene showed Fairbanks in a flop-house on Skid Row telling jokes to the derelicts. The extras playing these outcasts were in fact real derelicts whom Fairbanks had bussed up to the studio from the nearest Skid Row and all his attempts to make them laugh with straight humour were failures. Risque stories produced some slight reaction, true blue ones provoked smiles, but only when Fairbanks plumbed the depths of obscenity and profane language was he rewarded with the gales of laughter demanded by the story line. When the letters of complaint started to come in from lip-readers, the shots of Doug as raconteur had to be redone with innocuous dialogue and intercut with the footage of the derelicts’ response.” (Patrick Robertson: The Guiness Book of Film Facts And Feats, 1980)


Douglas Fairbanks, The Habit of Happiness (1916, Allan Dwan)

Mittwoch, 09.02.2011

Amore


Cleo Kretschmer

Heute im BR um 21:45: Amore (Klaus Lemke, 1978).
Morgen (10.2.) um 18:00: Banshun (Yasujiro Ozu, 1949)
in der Ozu-Retrospektive im Japanischen Kulturinstitut in Köln. *

Samstag, 22.01.2011

Geheimtipp

EYYVAH EYVAH war in meinen Augen der schönste Film des letzten Jahres. Deshalb finde ich es bemerkenswert, dass auch die gelungene Fortsetzung für die deutsche Filmkritik glattweg nicht existiert.
Immerhin läuft EYYVAH EYVAH 2 (mit deutschen Untertiteln) in Aachen, Aalen, Aschaffenburg, Augsburg, Berlin, Bielefeld, Bochum, Bremen, Bremerhaven, Darmstadt, Dortmund, Duisburg, Düsseldorf, Essen, Frankfurt, Fulda, Geislingen, Gelsenkirchen, Grevenbroich, Hamburg, Hamburg, Hanau, Hannover, Hechingen, Herten, Ingolstadt, Karlsruhe, Kassel, Kehl, Kiel, Köln, Krefeld, Landshut, Lüdenscheid, Ludwigshafen, Mainz, Mannheim, Memmingen, München, Neckarsulm, Neuwied, Nürnberg, Nürtingen, Oberhausen, Offenbach, Osnabrück, Plettenberg, Saarbrücken, Salzgitter, Siegen, Sindelfingen, Solingen, Stuttgart, Walldorf, Weil am Rhein, Wiesbaden und Wuppertal.
Vielleicht werden Kulturhistoriker im Rückblick beide Phänomene in Beziehung setzen: Die Unaufmerksamkeit gegenüber dieser türkischen Komödie und die Aufmerksamkeit, die der Spiegel im vergangenen Jahr einem deutschen Rassenkunde-Buch verschaffte.

Donnerstag, 13.01.2011

Telefon (4)


1958Monster on the Campus

In Filmen gelingen Hilferufe meist nicht. Man könnte sagen: Im Film um Hilfe zu rufen bringt Unglück.


1971Dívka na koštěti

In vielen Filmen gibt es den Fall, dass ein Telefonat verhindert werden muss. Mit allen Mitteln.


1966Torn-Curtain

“Wir sind auf dem Bauernhof, und es ist die Bäuerin die ihn tötet, wir verwenden folglich Haushaltsgegenstände: einen Topf mit Suppe, ein Küchenmesser, eine Schaufel und schließlich den Gasofen.” (Hitchcock im Gespräch mit Truffaut)


1968Baisers volés

In vielen Filmen ist derjenige, der von einem öffentlichen Apparat aus anruft, ein verzweifelt versuchender, vergeblich bemühter, wagemutiger Held. Ein Verliebter. Auf deutschen Telefonzellen klebte in den 70er Jahren eine Sprechblase: “Ruf doch mal an!”


1976Taxi Driver

Rechts ist ein leerer Flur, der rausführt auf die Straße. Das Telefonat ist herzzerreißend glücklos. Deshalb wird die Kamera gleich nach rechts fahren und, aus Betretenheit, den leeren Flur zeigen.


1977L’homme qui aimait les femmes

Der Mann, der die Frauen liebte telefoniert sehr viel. “Einen Mann zu zeigen, der wirklich allein ist,” das war Truffauts Interesse.
In Tirez sur le pianiste (1960) gibt es ein erbittertes Gefecht – mit Messer und Telefonhörer.


1984The Muppets Take Manhattan

Mittwoch, 12.01.2011

Telefon (3)

Ein Farocki-Film über das Telefonieren würde vielleicht diese Tätigkeit begreiflich machen, durch das Bild der Maschine, die dem Menschen die Tätigkeit abnimmt.


1955Kiss Me Deadly

Der Anrufbeantworter von Mike Hammer, in Robert Aldrichs Kiss Me Deadly wurde schon als Symbol von Entfremdung interpretiert, da war George Costanza noch nicht geboren.


“Believe it or not, I’m not home.”

Sonntag, 09.01.2011

Telefon (2)


1974Il profumo della signora in nero

Es gibt nach groben Schätzungen 1,8 Millionen Szenen in Filmen und Fernsehserien, in denen telefoniert wird. Die meisten Bilder, auf die ich stieß, stammen aus Horrorfilmen. Wie kommt das?

Olaf Möller schrieb dazu (in: Gdinetmao – Abweichungen vom deutschen Film): “Die Bande des Schreckens war vielleicht der Schlüssel-Wallace, der war so heftig mit seiner abstrusen Telefon-Pistole, dass ich bis heute den Hörer immer ein wenig abseits halte.”

Werner Herzog hat übrigens, nach eigenen Angaben, sein erstes Telefongespräch mit 17 geführt.


1948Sorry Wrong Number

Es gäbe von Sorry Wrong Number eine direkte Verbindung zu den Slasherfilmen 30 Jahre später, sagt Karyn Kusama. Kein Wunder, denn aufmerksames Horchen ist der nackten Angst sehr nah.


1977Suspiria


1959Les yeux sans visage

“Gerade weil der Gesprächspartner körperlich nicht zugegen ist, ist die telefonische Verbindung eingeschränkter, aber echter; unwirklicher, aber präziser; provisorischer aber spontaner; nebuloser, aber intensiver. Im allgemeinen achtet man bei einem Telefongespräch genauer auf das, was man selbst und der andere sagt, ist mehr bei der Sache. Gefühle, Emotionen und Eindrücke erhalten durch das Telefon mehr Gewicht. Eine gute Nachricht erfreut einen mehr, weil man sie in der größeren Intimität und Abgeschiedenheit unmittelbarer aufnimmt. Eine Unglücksbotschaft nimmt das unerträgliche Ausmaß an, das ihr die Phantasie des Hörers verleiht.” (Federico Fellini, 1965)


1960Peeping Tom

Der Telefonerfinder Alexander Graham Bell, dessen Frau und dessen Mutter taub waren, hatte den Wunsch, man solle sich am Apparat melden mit: “Ahoi, Ahoi.”
Das erfuhr ich von Bob Dylan (nicht persönlich, sondern in einer seiner famosen Radiosendungen).


1962Experiment in Terror


1963The Birds


1968Rosemary’s Baby

Die vergessene Bedeutung öffentlicher Telefonzellen wird durch eine Anekdote aus dem Leben Boris Karloffs illustriert: “The long hours in painful monster make-up Karloff endured led him to become a founding member of the Screen Actor’s Guild union. He believed the most powerful studio heads in Hollywood were so opposed to the unionizing of their actors that they tapped his telephone, so he would always walk around with his pockets filled with loose change in order to discuss the Guild on pay phones.” (Mike Segretto)
Ich stelle mir vor: Die Lokomotivgewerkschaftler (deren Mails von Bahnchef Mehdorn ungestraft gelesen und gelöscht wurden), argwöhnisch ausweichend in öffentliche Telefonzellen, die Taschen voller Kleingeld.

Ich habe mir nicht notiert, wo ich all diese Bilder geklaut habe. Ich mache mir Vorwürfe deswegen.

+

In eigener Sache: der Hinweis, dass 3sat heute Die Quereinsteigerinnen ausstrahlt, um 3:50 Uhr in der Nacht (für Frühaufsteher bedeutet das: am Montagmorgen).
Ob es wohl möglich ist, einen Film im Fernsehprogramm so gut zu verstecken, dass niemand, wirklich absolut niemand ihn sieht? Ich glaube, das ist unmöglich.

Dienstag, 28.12.2010

Sensation und Selbstverständlichkeit





Das Mädchen auf dem Besenstiel / Saxana, die Hexe / Dívka na koštěti (1971, Václav Vorlíček)

via toys and techniques

Mit dem Mädchen auf dem Besenstiel eröffnete der MDR die alljährliche kleine Vorlíček-Werkschau, und fast alle “Dritten” hatten Drei Haselnüsse für Aschenbrödel im Programm. Der MDR rundete die Sache ab und zeigte am zweiten Feiertag Wie man Dornröschen wachküsst.
Es wäre nun an der Zeit, dass es in einem öffentlichen Sender mal – ganz wie in den durcheinandergebrachten staatlichen Institutionen in den tschechoslowakischen Kinderfilmen – etwas vollkommen Verrücktes zu sehen gibt: Ein Frühwerk des Regisseurs und seines Drehbuchautors Miloš Macourek: Wer will Jessie umbringen?

“Vorlíček’s masterpiece.” (Jim Knox).


Kdo chce zabít Jessii? (1966, Václav Vorlíček),

Montag, 20.12.2010

Telefon (1)

Sylvie Winter und Paul Lyss. Sie in New York City. Er im Postamt.
Mir fällt kein schöneres Telefonat in irgendeinem deutschen Film ein.


Sylvie (1973, Klaus Lemke)

Das Münchner Werkstattkino bekommt in der Weihnachtswoche (vom 23. bis zum 30. Dezember) Besuch von Santa Klaus Lemke. Auf seiner Geschenkliste stehen, neben Sylvie am Donnerstag und Dienstag um 20:30, sowohl die weiblichen Brandstifter von 1969 als auch die ewig frischverliebten ersten Filme mit Annika Herr, und dazu passend Michelle Pfeiffer (in de Palmas Scarface), Charlotte Rampling (als Jacques Derays Mörderischer Engel) und Gerhild Berktold (im extrem geheimen Geheimtipp Die Spalte von Gustav Ehmck aus dem enorm verruchten München des Jahres 1970).

Donnerstag, 09.12.2010

Bildkommentar

zum Beitrag BILDKOMMENTAR (3.12.2010) von Wolfgang Schmidt


Things to Come (1936, William Cameron Menzies) in colour; The Pink Phink (1964, Fritz Freleng)

Samstag, 04.12.2010

Elective Ladyland


Am 5. Dezember 1974 im Kanzlerbungalow.

“I was astonished”, sagte Mariann Lewinsky in ihrer Moderation eines Programms mit frühen Filmen auf den Kurzfilmtagen in Oberhausen, “how many women beat up men in 1906“.

Ich war erstaunt, als ich las, dass der Frauenanteil im Bundestag seinen historischen Tiefststand im Jahr 1972 erreichte. Gewöhnlich ist der Frauenanteil in einem Parlament übrigens am Ende einer Wahlperiode etwas höher als zu Beginn.

Würde ich in Hamburg wohnen, wüßte ich, wo ich in den nächsten Tagen hingehen würde: Im Metropolis Kino zeigt Dennis Nyback ein “Hobo Special”, unter anderem läuft auch Ein Zug für zwei Halunken / Emperor of the North (1973, Robert Aldrich) Mit Lee Marvin und Ernest Borgnine.

Hätte ich die Filme nicht schon auf VHS, würde ich meinen Recorder programmieren für Zwischen zwei Feuern / The Indian Fighter (1955, André de Toth) mit Kirk Douglas und Elsa Martinelli, jetzt gleich um 1:20 Uhr in der ARD, und,,,


,,,Tag der Gesetzlosen / Day of the Outlaw (1959, André de Toth) mit Robert Ryan und Burl Ives, in der Nacht zum Sonntag um 0:15 Uhr im MDR.

Und wäre ich am 5. Dezember 2010 in Berlin, ginge ich um 17:00 Uhr in die Galerie Laura Mars, Sorauer Straße 3, wo Cordula Daus Arbeiten der Neuen Gesellschaft für Angewandte Toponymie vorstellt. Anlass ist das Toponymische Heft 1: “Das Trujillo-Syndrom”.

Sternstunden des Hörfunks (2)

Seit dem 5. Dezember 1974 sendet der WDR “Hallo Ü-Wagen“, eine wöchentliche Live-Sendung aus jeweils einem anderen Ort in Nordrhein-Westfalen. Immer donnerstags zwischen 9.20 und 12 Uhr konnten auf öffentlichen Plätzen interessierte Passanten mit eingeladenen Experten ausgiebig diskutieren. Abgeschoben auf den Samstagmittag, vom WDR 2 zum WDR 5, und zeitlich stark zusammengestaucht, hat die Sendung inzwischen weniger Hörer als früher und wird nun in zwei Wochen, angeblich aus Kostengründen, eingestellt. Das ist sehr traurig, denn es ging bei “Hallo Ü-Wagen” ganz anders zu als bei den weitverbreiteten Anrufsendungen. Es ging rund und es ging hoch her. Man konnte was lernen, konnte schimpfen und staunen. Als der Plan bekannt wurde, die unberechenbare Sendung aus dem Programm zu nehmen, sagte die Erfinderin und langjährige Moderatorin, Carmen Thomas, in einem Deutschlandfunkinterview: “Wir fragen uns ja heute, was haben eigentlich Leute aus früheren Jahrhunderten über bestimmte Themen gedacht? Das weiß kein Mensch. Bei Hallo Ü-Wagen können Sie wissen, was Menschen 1976 über Ausländer oder über Homosexuelle oder über Arbeitslose gedacht haben. Und das ist ja was Spannendes, was sich auch lohnt zu konservieren.” Es ist anzunehmen, dass der WDR diese Konserven gut verstecken wird, weil beim Anhören die Frage aufkäme: Warum hat der WDR diese Sendung im Jahre 2010 abgesetzt?

Und außerdem: Am 5. Dezember 1919 wurde Hennes Weisweiler geboren.