Einträge von Stefan Ripplinger

Freitag, 15.05.2009

Wyborny

„Wybornys Aufbruch aus einer als in hohem Maße unbefriedigend empfundenen Gegenwart, insbesondere aus der Gegenwart des Mediums Film, ging in zwei Richtungen gleichzeitig: in die Geschichte des Mediums und in seine Zukunft, – zurück zu Griffith und dem Sündenfall des ersten Schnitts (DAS GRÖSSTE VERBRECHEN ALLER ZEITEN) und voraus in den reinen Himmel des befreiten Sehens, nämlich zur Wiedergeburt des aller narrativen Zwänge ledigen Bildes.“
(Dietrich Kuhlbrodt in Cinegraph, Lg. 16)

Dieses einzigartige Werk – ein Kino, das denken, das komisch, aber auch verzweifelt sein kann – liegt nun in einer vollständigen DVD-Edition vor, die Klaus Wyborny selbst zusammengestellt hat.

Donnerstag, 29.01.2009

All My Life

Scheugl & Schmidt nutzten jede Gelegenheit, um gegen ihre „irrationalen Gefühle“ loszudonnern, die New Yorker Formalistenszene fand sie „hairy“, doch ganz gleichgültig, die Filmer der Westcoast haben ihre Tadler und Spötter überlebt. In den Jahrzehnten, die seither vergangen sind, sind ihre mit den primitivsten Mitteln zusammengestoppelten Sachen immer noch reizvoller geworden. Man nehme nur den einen, supersimplen „All My Life“ von Bruce Baillie, die Musik von Ella Fitzgerald mit Teddy Wilson und seinem Orchester, all my life, I’ve been waiting for you, ein zerfallener Zaun, immerzu dieser Zaun, Büsche, you seem so lovely, so far above me, Blumen, Blumen, I’m almost afraid to look, und dann, es zerreißt einem das Herz, ein Schwenk in den Himmel, darling, just hold my love.

Dieser Film und andere morgen (Freitag) Abend in der (zusammen mit dem Institut für Neue Musik veranstalteten) Reihe „Musik Bild Magie“ im Berliner Arsenal, 19.30 Uhr: Bruce Baillie, All My Life (USA, 1966, 3 Min., Musik: Ella Fitzgerald) und Castro Street (USA, 1966, 10 Min.), Kenneth Anger, Eaux d’Artifice (USA/Italien, 1953, 13 Min., Musik: Antonio Vivaldi), Manuel Knapp, Visibility of Interim (Österreich, 2007, 14 Min.), Karoe Goldt, Non est hic (Deutschland, 2006, 5 Min., Musik: pumice), Magdalena Kallenberger, Grand Pas de Deux (Deutschland,2007, 5 Min., Musik: Leo Brouver)

Donnerstag, 18.12.2008

Wunder

Der dümmste Vorbehalt gegen Religion ist, ein Mensch könne schwerlich über Wasser laufen. Der Film hat, als ob er diese Dummheit entkräften und den unrettbaren Volksglauben retten wollte, Wunder wörtlich genommen, ein Mann läuft über Wasser („Being There“, 1979), ein Stab wird zur Schlange („Moses und Aron“, 1974), eine Tote wird zum Leben erweckt („Ordet“, 1955). Überhaupt erscheinen die Toten wieder; unheimlich in den Doppelbelichtungen von „Der müde Tod“ (1921). Genau genommen sind immer nur Tote zu sehen, eine fortwährende Resurrektion. Noch der hohle und der nüchterne Film haben etwas Wunderbares, und das widervernünftige Wunder deutet nicht selten auf das, was begreifen zu wollen unvernünftig wäre.

Donnerstag, 09.10.2008

Tati

Heute vor 100 (manche sagen, vor 101) Jahren wurde Jacques Tati geboren. Hier eine Kleinigkeit über Fenster in Tativille und bei Le Corbusier, sowie über Paul Celans Gedicht „Playtime“.

Dienstag, 23.09.2008

Immersion

Als ich nach Nolans neuem „Batman“ ein wenig zu eilig dem Ausgang zustrebe, habe ich das Gefühl, mein Parka flatterte hinter mir im Luftzug.

Mittwoch, 30.07.2008

Absolutes Rauchverbot

Journalist: Do you go to the movies?
John Ford: No, never. Because you can’t smoke.

(Bertrand Tavernier, „Notes of a Press Attaché: John Ford in Paris“ (Positif, 82/1967), in Gerald Peary, Jenny Lefcourt, Hg., John Ford. Interviews. Jackson 2001)

Freitag, 18.07.2008

Ein ganzer Film in einem Bild

Hiroshi Sugimotos Fotografien, die gerade in Berlin zu sehen sind, wirken auf den ersten Blick statuarisch und verdichten doch allesamt Zeit. Die Bilder von Wachsfiguren verwandeln sich zurück in die Gemälde, die diesen Puppen als Vorlagen dienten, und erwachen zugleich zu einem gespenstischen Leben, als ob sie Schnappschüsse wären. Lebloses, das zu leben beginnt, ist unheimlich, ist Kino. Kino ist das Thema in dem Zyklus „Theatres“ (1978–2001). Belichtet wurde jeweils für die Dauer eines Films. Der Kinosaal oder der Drive-in nimmt reiche Textur an wie die Pyramiden oder Dome auf den Fotografien des 19. Jahrhunderts, die Leinwand leuchtet. Die Verdichtung der Filmzeit ist Licht. „Different movies give different brightnesses. If it’s an optimistic story, I usually end up with a bright screen; if it’s a sad story, it’s a dark screen. Occult movie? Very dark.“

Freitag, 04.07.2008

Zwei Tragödien in je einem Satz

Ein Vagabund verliebt sich in die Frau eines fetten Spießers, den er umbringt, nur um festzustellen, dass er ihn geheiratet hat. („Ossessione“)
Ein Mann will Cash in einer bargeldlosen Welt. („Point Blank“)
à suivre

Samstag, 21.06.2008

Mr. Ford & Mr. Rogers

Unter dem 3. Oktober und gegen ihn habe ich auf diesen Seiten einen Aufsatz über Johns Ford Filme mit Will Rogers geparkt, „Away, Away, Away“ oder „Ford, Ford, Ford“, ihn seither um Hintergründe zu Rogers und Stepin Fetchit sowie um eine Bibliographie und dies und das vermehrt und nun bei der Jungle World untergestellt.

Donnerstag, 12.06.2008

Tierfilm

Neben vielem anderen ist Murnaus „Sunrise“ auch ein Tierfilm; Ochsen dominieren das Idyll, Hühner müssen wie das Kind versorgt werden, Pferd und Hund wittern den Mordplan, das Wildschwein betrinkt sich mit den Landleuten im Luna Park und tritt als Gespenst auf. (Ich frage mich, ob die Tiere dem stockdummen Plot von Hermann Sudermann oder der überragenden Bildphantasie Murnaus entspringen, bin aber geneigt, Murnau alles Schöne und Interessante zuzuschreiben.)


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