Einträge von Wolfgang Schmidt

Freitag, 03.12.2010

Bildkommentar

Zu den Beiträgen EINSPRUCH (18.11.2010) und MORLOCKS UND ELOYS (02.12.2010) von Rainer Knepperges

Dienstag, 30.11.2010

Mit Annemarie Schwarzenbach ins Kino

Hinweis auf einen Beitrag in Lange Texte

Montag, 25.10.2010

Grußadresse

Harun Farocki, 10.10.2010

Grußadresse zur Projektion des Films
CANNAE – 16 mm, Farbe, 80 min., Wolfgang Schmidt 1989
im Arsenal, Berlin, 18.10.2010

Als ich Cannae das erste Mal sah – der Film war noch nicht ganz fertig gestellt – hätte ich gleich, wäre ich damals nicht Dozent an der DFFB gewesen und wäre es somit nicht ein Insider-Geschäft gewesen und hätte sich deshalb verboten, mein ganzes Geld in Wolfgang-Schmidt-Aktien gesteckt.
Weil ich aus Amerika schreibe zitiere ich auf Englisch: „We have not yet reached the centre of neorealism. Neorealism today is an army ready to start; and there are the soldiers – behind Rossellini, de Sica, Visconti. The soldiers have to go into the attack and win the battle. “

Schmidt zeigt in Cannae eine Armee, Männer in gelben Regen-Jacken, in so genannten Ostfriesen-Nerzen. Die Freizeitlookarmee ist eine Armee wie die Reservearmee, von der die Marxisten sprechen, oder eben eine wie die im Zitat von Césare Zavattini. Es liegt gewiss nicht nahe, Schmidt mit den Neorealisten in Zusammenhang zu bringen, allerdings wollen beide neues Territorium für den Film erobern, mit kühnen Attacken.

Der Film Cannae lehrt uns eine besondere Logik. Die Dinge haben hier wechselnde Bedeutungen, so wie die Atome in bestimmten Molekülen wechselnde Bindungen eingehen. Der Film lehrt mich, was für Einfälle ich mir wünschen sollte, und die Geschichte der Aktien müsste sich jetzt wie bei Hans im Glück in einer Folge von Tauschaktionen fortsetzen. Der Feldstein am Schluss müsste sich als ein Rosetta-Stein herausstellen.

Wer hat seit 1945 militärischen Ruhm erlangt; höchstens Mao Tse Tung und Giap.
Von den deutschen Militärs keiner; auch Oberst Klein wird wohl nicht unsterblich werden. Wolfgang Schmidt hätte sich mit diesem Film ein Denkmal in einer Ehrenhalle auf dem Ehrenbreitstein verdient.

Als der Film fertig war, zeigte es sich allerdings, dass viele den Film nicht verstanden.
Auch ich nicht, aber für mich leuchtete er wenigstens und leuchtet noch in der tiefen Schwärze meiner vielfältigen Unkenntnis.
Bei Nabokov kommt der schöne Dialog vor: „Mein Mann ist irgendwo hingefahren. Wohin?
In eine Stadt wie ein Hut.
Panama?
Nein Homburg.“

Schmidt erkennt, dass die mit Ginster bewachsenen Ränge im Stadion Wilmersdorf wie Stromleitungen zwischen unsichtbaren Masten gespannt aussehen, und wenn er zwei Männer auf diesen Leitungen herumhüpfen lässt, wird deutlich, dass sie Notenzeilen sind. Die Geburt der Überlandleitung aus dem Geist der Singvögel! Die Redaktion „Semantische Generalisierung“ beim ZDF aber gab Wolfgang Schmidt keinen Folgeauftrag und auch die Redaktionen „Konsumismus als Massenbewegung“ oder „Können Gebrauchsanweisungen schießen?“ nicht.

Schmidt macht auch die Homosexualität nicht zu einer reinen Lehre. Schwulsein ist keine Privatsache und das öffentlich-rechtliche Fernsehen wusste nicht, dass es schon tot war, so wie der Soldat Blanke, den Sie gleich sehen werden, nicht hören kann, was wir hören: nämlich die gestammelte Vorlesung einer Gebrauchsanweisung auf die ein Schuss folgt, der ihn niederstreckt. Die Gebrauchsanweisung ist die einzige Theorie des Kapitalismus über sich selbst. Wir wissen heute, dass alles Fernsehen tot ist.

Die Hieroglyphen waren so schwer zu entziffern, weil sie nicht einer sondern mehreren Kodierungen zugleich folgten. Sie waren sowohl ikonisch als auch symbolisch und zugleich phonetisch. Gemalte Poesie.

Den Stein von Rosetta, der das alles aufschließen hülfe – ein paar koptische Spezialkenntnisse muss man sich schon noch dazu googeln – lasse ich jetzt in den Brunnen plumpsen. Es muss endlich mal wieder Platsch! machen, wie Andreas Baader nicht gesagt hat.

Dienstag, 20.07.2010

MOON

Der Doppelgänger

Still ist die Nacht, es ruhen die Gassen,
In diesem Hause wohnte mein Schatz;
Sie hat schon längst die Stadt verlassen,
Doch steht noch das Haus auf demselben Platz.

Da steht auch ein Mensch und starrt in die Höhe
Und ringt die Hände vor Schmerzensgewalt;
Mir graust es, wenn ich sein Antlitz sehe -
Der Mond zeigt mir meine eigne Gestalt.

Du Doppelgänger, du bleicher Geselle!
Was äffst du nach mein Liebesleid,
Das mich gequält auf dieser Stelle
So manche Nacht, in alter Zeit?

Heinrich Heine
vertont von Franz Schubert, Nr. 13 im Liederzyklus SCHWANENGESANG

Samstag, 29.05.2010

John Ford – ganz weit vorne

In CHEYENNE AUTUMN (John Ford, 1964) gibt es eine frühe mediale Kommunikation, die das iPad gewissermaßen vorweg nimmt. Richard Widmark schreibt auf die Schultafel die Zeile: WILL YOU MARRY ME? – Diese Nachricht ist an die blonde Quäkerin, gespielt von Deborah Wright, gerichtet, die den Cheyennekindern die lateinischen Buchstaben zu vermitteln sucht. Später wird sie ihm an gleicher Stelle eine Botschaft hinterlassen, die besagt, dass sie ihren Platz bei den Indianern sieht.

BETEN – DIE FLATRATE ZU GOTT.
Werbezeile an der Hausfassade einer freikirchlichen Gemeinde. Zu sehen war sie vor ca. 2 Jahren aus der S-Bahn heraus in der Nähe der Bahnhöfe Holstenstraße/Sternschanze, Hamburg.

Montag, 24.05.2010

Langtexthinweis

Wolfgang Schmidt – Und jetzt: Ballett (3 Minuten Film)
Aus der Schlusskadenz des Films BEYOND THE SEA (Kevin Spacey, 2004)

Donnerstag, 13.05.2010

Paukenschlag

Einstellung aus dem Hubschrauber. Die Stadt. Ransprung in eine Übersichtsszene auf dem Boden, unterlegt mit einem soundbearbeiteten Paukenschlag und Blitzbildeffekt. Ransprung in eine nähere Einstellung des Geschehens mit Paukenschlag und Blitzbildeffekt. Ransprung an den Hauptdarsteller. Paukenschlag. Blitzbildeffekt. Zoomeinengung des Gesichts. – Lichtgeschwindigkeitssprünge. Bild- und Toneffekte künden davon, dass hier Großes vor sich geht. Und in IM ANGESICHT DES VERBRECHENS geht oft Großes vor sich. Die Bewegungslinie der Bildentwicklung sagt, dass mit diesen Effekten Einschränkungen von statten gehen. Nichts wird aufgestoßen, Türen fallen ins Schloss. Innerhalb des Molochs Großstadt soll uns diese eine kleine Szene interessieren, dieses eine Schicksal. Die Anstrengung dieser Konzentration ist mit sicht- und hörbaren Reibungsverlusten verbunden. Das kleine Problem steht immer in einem großen ganzen Zusammenhang. City that never sleeps. Wird mitgedacht. Soll.

Atemlosigkeit, besser: atemberaubend. Mittels Einstellungsüberflutung. Nach einem Dialogsatz wird für den Folgesatz in die selbe/gleiche Einstellung geschnitten. Der feine, aber wahrzunehmende Bruch verhindert, dass Langeweile sich breit macht. Keine Löcher. Keine Ruhe. Schauspieler halten. Auch beim Singen entscheidet sich an den ausgehaltenen Tönen, ob es sich um Schreien oder freie Resonanz handelt. Dagegen Riemelts ausgeglichenes Gesicht – schlauer zwar, aber gegenüber einer undurchsichtigen Welt ähnlich dauer-staunend wie Martin Sheen in APOCALYPSE NOW.

Erinnerung. Wir erinnern uns. Wir müssen uns erinnern an den zweiten Weltkrieg und deutsche Panzer in der Ukraine – heute wie die tote Mutter in THE NIGHT OF THE HUNTER auf den Seegrund verbannt, an den toten Bruder, an die Fortsetzungsfolgen zuvor. Wir erinnern uns viel. Erinnerung wird in Worten erzählt, aber auch ins Bild gesetzt. Ein-eindeutig. Eine Serie hat, zumindest wie man sie aus den USA kennt, Erinnerung eigentlich nicht nötig, entwickelt Gegenwart im Moment. Es ist ja auch keine. So wie BERLIN – ALEXANDERPLATZ auch keine ist. Auch dort immerzu Erinnerung.

Vorschlag zur Kategorisierung: Heimatfilm.

Parallel auf Arte eine wohl als Doku-Serie gemeinte Reihe: DEUTSCHLANDS KÜSTEN. Auch diese Produktion hatte einen Hubschrauber zur Verfügung. Wenn von der Aufsicht in eine Bodeneinstellung geschnitten wird, gibt es einen Wom-Effekt im Ton und eine Art Shutter im Bild.

Sonntag, 09.05.2010

Langtexthinweis

Auf der Seite Lange Texte steht der Beitrag Carl Theodor Dreyer – Einige Dispositionen zu einem Klassiker von Wolfgang Schmidt zum Lesen bereit.

Freitag, 07.05.2010

Langtexthinweis

Auf der Seite Lange Texte ist der Beitrag MIT HARUN LERNEN von Wolfgang Schmidt eingestellt. Dabei handelt es sich um den deutschen Originaltext des Artikels:

Learning with Harun
in: Ehmann, Antje; Eshun, Kodwo (Hrsg.):
Harun Farocki – Against what? Against whom?
Koenig Books Ltd., London 2009, S. 166-170

Sonntag, 30.11.2008

embedded

Das Genre Eventmovie nähert sich rasant einer dokumentarischen Haltung an. [...]

Es gibt die Bereitschaft und Energie, Zeitgeschichte authentischer und durchaus schmerzvoller aufzubereiten. [...]

In den Eventbereich hält jetzt ein anderer Realismusbegriff Einzug… [...]

Bei “Dresden” habe ich deshalb noch aus Angst ums Publikum darauf bestanden, dass alle Engländer deutsch synchronisiert werden. [...] Aber da bin ich eben Produzent und zuweilen auch Spielverderber; ich wäge da mit einer gewissen Sorge ab, bis zu welchem Grat das Publikum belastbar bleibt.

[Nico Hofmann in einem Interview auf spiegel-online, 30.11.2008: ICH WILL AN DIE GROSSEN ZEITEN DES DEUTSCHEN FERNSEHENS ANSCHLIESSEN]