James Dean

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Nicholas Ray … denn sie wissen nicht was sie tun 1955

Es geschieht in der Nacht, 1955. Jim kommt nach Hause, geht zum Kühlschrank und trinkt – Milch. Aus einer Flasche, mit der er auch seine Stirn kühlt. Milch war mit einem Mal nicht mehr Babynahrung, Kindergetränk, Schulspeisung, sie war mit zwei Einstellungen zu einem angemessenen Getränk für Jugendliche geworden.

Zwei Kisten badischer Vollcrememilch aus der Pforzhei­mer Milchzentrale, garantiert tuberkulosefrei und vitaminreich, waren unter Aufsicht eines Sonderbeauftragten der Landesregierung nach Schloßhotel Hahnhof expediert worden. Milchtrinker Mendès-France nippte nur davon.
Der Spiegel, 10.1.1955

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James Deans Großaufnahme brachte das neue Getränk zusammen mit Jims unverschämt roter Jacke, darunter ein T-Shirt, weiß. Zu den Gesprächen über den Film gehörte die Frage nach dem Mut, eine so auffällige Jacke tragen zu wollen. Die Antwort war einfach: nirgendwo fand sich eine.

Das T-Shirt: Nicht einmal die Bezeichnung war mir bekannt. Eng anliegende Unterhemden, Schultern fast und Arme ganz nackt, wurden als Unterwäsche getragen, hier war das plötzlich ein Kleidungsstück, das so selbstverständlich wie Hemd oder Pullover hätte getragen werden können.
Aber wo gab es das? Ein modebewusster Freund fuhr mich auf seiner Vespa nach Düsseldorf auf die Berliner Allee. Herrenausstatter Selbach. Da lagen sie, viel zu teuer.

Denn sie wissen nicht was sie tun: Waren die Schauspieler nicht zu alt für die High School? Bei den Dreharbeiten war Dean dreiundzwanzig. Den Verdacht, es ginge um einen Film, der sich an Jugendliche ranmacht, bestärkte Jims Vater. Der war unbeholfen, begriff nichts, sagte stets das Falsche, machte sich lächerlich mit einer gelben Schürze, die ihm Jim vom Leib reißt. Eine Figur, die nicht ernst zu nehmen war, billiger Verachtung preisgegeben wurde. Ein nicht ernst zu nehmender Idiot. Bedrohlich aber war James Deans hartherziger Vater in Jenseits von Eden.

Auszug aus: Werner Dütsch: Im Banne der roten Hexe. Kino als Lebensmittel, Würzburg: Königshausen und Neumann 2016. Mit Dank an Werner Dütsch


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