Montag, 30.01.2012

Filme der Fünfziger II

In „Das Hollandmädel“ (1953) spielte Grete Weiser Frau Quietsch und Gunnar Möller verkörperte die männliche Hauptrolle. 1957 war die Weiser die „Tante Wanda aus Uganda“ und Georg Thomalla hiess in dem Film Jonas Edelmuth.  In „Die sieben Kleider der Kathrin“ (1953) ist Thomalla Graf Hohenstein, von Beruf Karikaturist und Witzbold vom Dienst.  Er fährt ein schwarz-weißes BMW Cabriolet, das aussieht wie der überdimensionierte Halbschuh eines Gigolo. Grete Weiser spielt einen Kurgast und die Besitzerin eines Modesalons; ihre Hauptaufgabe besteht darin, nicht auf den Mund gefallen zu sein. Gunnar Möller dagegen ist ein Pilot, der ein zartes Verhältnis mit Sonja Ziemann hat. Sonja Ziemann wohnt als Vollwaise bei Tante Therese und Onkel Philipp. Tante Therese (Käthe Haak) leidet tapfer am Herzen. Anhand der sieben Kleider soll der Lebensweg von Katrin (Sonja Ziemann) erzählt werden; so etwas kann interessant sein, wenn die Kleider eine besondere Aura haben. Aber bei der Regie von Hans Deppe muss man damit rechnen, dass alles von der Stange ist – und dann hat man noch Glück gehabt. Es geht immer noch schlimmer.

Gunnar Möller wird als Liebhaber gleich in den ersten Minuten wieder abgelegt; vorher durften Möller und Ziemann in einer Art  Heimatfilmroutine noch die hübsche Aussicht auf ein Tal geniessen.  Katrin lernt Herrn Pall  kennen, Reiseschriftsteller und, drunter tun wir‘s nicht,  der reichste Mann Europas. Der Reiseschriftsteller ist ein inzwischen ausgestorbener Filmberuf, der in den vierziger und fünfziger Jahren  sehr populär war. Darüber hinaus ist Herr Pall in Wirklichkeit Wolf Albach-Retty, der Vater Romy Schneiders, die just zur selben Zeit in Wiesbaden ihren ersten Film „Wenn der weisse Flieder wieder blüht“ dreht, in dem man übrigens  in einem Cafe die hübsche Aussicht auf ein Tal genießt. Herr Pall macht Katrin ein unsittliches Angebot; er führt sie auch ins Spielcasino in Wiesbaden, wo Katrin ein Malheur passiert, das zu ihrer Festnahme führt, bei der sich Herr Pall sehr unritterlich verhält. Überhaupt ist Spielcasino unseriös. Man gewinnt auf seriöse Art im Lotto oder beim Quiz.
Als Tante Therese von der Verhaftung Katrins hört, fällt sie tot um. Onkel Philipp verkauft sein Haus und Katrin ist nun ganz allein. Für einen Moment weht das Flüchtlingsschicksal vorbei.  „Was wollen Sie denn tun?“ fragt Dr. Schörg (Paul Klinger); Dr. Schörg ist der Arzt, der  Tante Therese behandelt hatte und praktiziert in einem Sanatorium, in dem gerade Grete Weise kurt. „Etwas nützliches“ antwortet das Mädel und bekommt am Ende den Arzt.

Wir sollten unbedingt noch wissen, dass Paul Klinger zur selben Zeit in Wiesbaden in „Wenn der weisse Flieder wieder blüht“ die Rolle des Peter Schröder spielt, der sich rührend um Magda Schneider, die Mutter von Romy, kümmert, die übrigens einen Modesalon führt.  Weil Wolf Albach-Retty, der Vater von Romy, in den „Sieben Kleidern“ nicht von Sonja Ziemann lassen kann, wäre beinahe aus der Heirat von Paul Klinger und Sonja Ziemann nichts geworden. Und wenn Grete Weiser die Katrin nicht in ihrem Modesalon als Mannequin angestellt hätte, wäre Katrin vielleicht noch unter die Räder gekommen oder sogar in ihrer Not mit Wolf Albach-Retty nach Ägypten gefahren, wo sie dann später Romy und Karlheinz Böhm in ihrem Palast empfangen hätten. Oder war das in Spanien?
Merkwürdigerweise ist der Film in schwarz/weiss; Sonja Ziemann, die eine ausgebildete Balletttänzerin und Sängerin war, trägt zwischendurch ein Showkostüm, das freizügig sein soll und unzüchtig wirkt. Vorher  sieht man sie in einer Schwesterntracht, davor in  etwas Dirndlartigem – beide Kleider wirken im Vergleich zum Showkostüm subtil und erotisch. Trude Ullrich, von der so gut wie nichts bekannt ist, entwarf die Kostüme.

Ein Kommentar zu “Filme der Fünfziger II”

  1. Die sieben Kleider der Kathrin | Film + Kritik schreibt:

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