Die Filmarbeit auf dem Jugendhof Dörnberg und die Filme des Kasseler Filmkollektivs

Antworten von Gerhard Büttenbender
auf Fragen von Peter Hoffmann
(Mails 2015 – 2020) (pdf mit Abbildungen hier)

WERNER NEKES, DORE O.
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[…] In dieser ‚Jugendbildungsstätte des Landes Hessen’ [Jugendhof Dörnberg] war ich als Dozent angestellt. Meine Aufgabe war es, Seminare zur kulturellen Bildung zu planen und zu organisieren. Ich hatte dabei freie Hand. 1967 lernte ich Werner Nekes kennen – damals noch weithin unbekannt. Ich hab ihn eingeladen, bei uns Filmseminare zu geben. Es wurde eine Bolex angeschafft und etwas Equipment, das Werner, der zwischen den Seminaren als Gast auf den Dörnberg wohnte, für eigene Arbeiten nutzte. Alsbald kam auch seine Frau Dore O. und bereicherte das Team. Zusammen drehten sie u.a. JÜM-JÜM. (22.06.2015)
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Auf ihrem Kofferanhänger stand Oberloskamp, das war mir zu kompliziert, ich stellte sie als Dore O. vor, den Namen hat sie beibehalten. (12.02.2020)

BAZON BROCK, „DAS SEMINAR“
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Für ein anderes Seminar hatte ich Bazon Brock als Dozenten gewonnen. Der fand die experimentelle Filmarbeit von Nekes spannend und blieb auch für mehrere gemeinsame Seminare auf dem Dörnberg. So entstand – nach einem treatment von Bazon – mit Seminarteilnehmern als Darsteller – der Film DAS SEMINAR (Brock/Nekes). (22.06.2015)
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Der fehlende Teil vom SEMINAR [Büttenbenders 16mm-Kopie des Films ist unvollständig] ist seinerzeit einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss des Hessischen Landtags zum Opfer gefallen. Da wurden unsre pädagogischen Methoden – auch anhand von Material – auf den Prüfstand gestellt. Es ging zwar für uns höchst erfolgreich aus, aber es hat sich halt nicht wieder alles eingefunden.
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„K/ÖRPER“
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Bei K/ÖRPER [von Werner Nekes] hat es sich unbeabsichtigt so ergeben, dass ein Teil bei mir, der andere bei Werner Nekes verblieb. Das ist natürlich Mist! So ist der Film seit seiner Erstaufführung auf dem Dörnberg nie mehr vollständig zu sehen gewesen. Bei ÖRPER bewegen sich Bazon Brock und Judy Rosenbauer planlos auf einer Wiese (Judy und Dr. Hansjürgen Rosenbauer, der spätere Intendant des ORB und Prof. an der Kunsthochschule für Medien in Köln, gehörten damals auch zu unsrer Clique auf dem Dörnberg.) Der Kopf von Bazon Brock ist nicht im Bild. Bei K bewegt sich sein Kopf am unteren Bildrand vor ähnlichem Hintergrund durch’s Bild. Die Bewegung von Kopf und Körper sind nicht synchron. Die beiden Filmrollen wurden nun gleichzeitig übereinander projiziert. Zwischen beiden Projektionen blieb ein Zwischenraum. Da war auf der Wand ein Brett angebracht, auf dem Dore Kerzen drapiert hatte, die während der Projektion brannten. Um den Film so zu zeigen, muss man K bei Nekes ausleihen. (13.08.2015)
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„VIS-A-VIS“
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Zu Ihren Fragen […]:
„Ist VIS-A-VIS [von Werner Nekes] auch auf dem Dörnberg entstanden?“ – Ja.
„Gehörte Heinz Kapp zum Dörnberg-Team?“ – Ja. Katja hingegen war als Teilnehmerin eines Seminars nach dessen Ende eine Zeit lang bei uns geblieben. Sie könnte mit Wilhelm Winkelmann befreundet gewesen sein. Ihren Nachnamen hab ich vergessen. [Heinz Kapp und Katja sind in der Gruppenaufnahme VIS-A-VIS zu sehen] (16.03.2017)

DER JUGENDHOF
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Zum besseren Verständnis […] etwas zur Struktur des Jugendhofes:
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Der Jugendhof des Landes Hessen war die einzige Bildungseinrichtung des Hessischen Sozialministeriums. Alle sonstigen Bildungseinrichtungen (Schulen, Universitäten, Volkshochschulen…) waren dem Kultusminister unterstellt. Die einzigartige Stellung des Jugendhofes hatte 2 wesentliche Aspekte zur Folge:
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Das Sozialministerium wollte seine einzige Bildungsstätte ordentlich aussehen lassen. Deshalb waren Ausstattung und Haushaltsmittel unvergleichlich viel opulenter als bei den Einrichtungen, die zum Kultusministerium gehörten. Im Gegensatz zu einer verordnungsreichen Aufsicht über die Einrichtungen des KM war die Bildungsarbeit auf dem Dörnberg unreglementiert. Im Sozialministerium gab es keine „Fachkräfte“, die uns das Leben hätten schwer machen können. Ab und zu kam der Minister persönlich, aber nur, um sich in diesem Ambiente fotografieren zu lassen.
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Die ausreichenden finanziellen Mittel (→ Honorare) und die relative Freiheit bei der Entwicklung der pädagogischen Konzeption waren die Grundlagen der Arbeit auf den Dörnberg.
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Im pädagogischen Bereich gab es 4 hauptamtliche Dozenten. Chef war Ulf Lüers (Regierungsrat, Studium der Sozialpädagogik), Stellvertreter des Leiters war ich. Mein Job hieß „Dozent für kulturelle Bildung“, diesen hatte ich von 1965 bis 1972 inne.
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Dann gab es den Dozenten Jochen Müller, der für die gewerkschaftliche Bildungsarbeit („Arbeit und Leben“) verantwortlich war (WORIN UNSERE STÄRKE BESTEHT). Als letzter Kollege kam Heinz Kapp aus Kassel, wo er als Sozialarbeiter an der wichtigsten kommunalen Freizeit- und Bildungseinrichtung gearbeitet hatte. Ihm war kein spezieller Bereich zugeordnet, er hat sich dann stark bei der kulturellen Bildung eingebracht.
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Heinz Kapp war auch der eigentliche „Entdecker“ von Werner Nekes. Während ich nach einem Unfall im Hospital lag, war Heinz Kapp in Oberhausen und sah dort 1967 die ersten Filme von Werner.
Spontan lud er ihn ein, uns auf dem Dörnberg zu besuchen. Ich wurde dann dazu aus dem Krankenhaus geholt – und so lernte ich auch Werner Nekes kennen, war von seiner Arbeit begeistert und plante seine Mitarbeit für Seminare der kulturellen Bildung (z.B. „Sommerakademie“) ein.
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Weitere wichtige Personen – wie etwa Christian Rittelmeyer – kamen als Praktikanten ins Haus und konnten dann länger bleiben, alimentiert durch Honorare für ihre Seminarmitarbeit. (16.03.2017)

CHRISTIAN RITTELMEYER
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Der Sozialpsychologe Christian Rittelmeyer gehörte etliche Jahre zum „Dörnberg-Team“, ihm verdanken wir alle eine Menge Anregungen, er machte uns mit den Gedanken der ‘Frankfurter Schule’ bekannt, besonders mit den Thesen von Th. W. Adorno, mit dem er auch korrespondierte. (03.09.2015)

FRITZ BAUER
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P.S.: Fritz Bauer, über dessen Wirken in Dtld. am 1/X ein Spielfilm (DER STAAT GEGEN FRITZ BAUER) anläuft, hatte ich seinerzeit auch zum Dörnberg eingeladen. Seine Haltung hat mich wie auch die Seminarteilnehmer sehr beeindruckt. (22.09.2015)
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„Mit seinem Namen und Wirken als Generalstaatsanwalt in Hessen von 1956 bis 1968 verbinden sich die Entführung Adolf Eichmanns nach Israel, die positive Neubewertung der Widerstandskämpfer des 20. Juli von 1944 und die Frankfurter Auschwitzprozesse.“ (Wiki) (12.02.2020)

ADOLF WINKELMANN
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Zu dieser Zeit kamen dann viele Filmemacher zum Dörnberg, Klaus Wyborny, Harun Farocki, Bitomsky, Pehlke, Straschek … da wurde viel diskutiert und gearbeitet. Adolf Winkelmann war damals Student an der Kunsthochschule in Kassel. Er kam zunächst als Seminarteilnehmer, hat sich aber durch die beiden ersten Filme 31 SPRÜNGE und ADOLF WINKELMANN, KASSEL, 9.12.67, 11H54 quasi ‚emanzipiert‘, ist ebenfalls da geblieben, hat in Seminaren mitgewirkt und eigene Filme gemacht (z.B. DIE FRESSE – eine interessante Provokation). (22.06.2015)

„HEINRICH VIEL“
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Langsam wurde aus unsrem ‚Team’ zeitgeistbedingt ein ‚Kollektiv’. Wir waren neun Leute. Aber die Kernmannschaft waren die Zwillingsschwestern und Kunststudentinnen Jutta Schmidt und Gisela Büttenbender (geb. Schmidt), Adolf Winkelmann und ich. Unabhängig vom Dörnberg drehten wir nun den Film HEINRICH VIEL. Inspiriert von Warhols SLEEP oder HAIRCUT wollten wir einen VW-Arbeiter 8 Stunden am Fließband zeigen (der schien uns relevanter als ein Schläfer). Aus den 8 Stunden wurden dann 30 Minuten – aber auch das hält kaum ein Zuschauer durch. Um etwas ‚Spannung’ in das Werk zu bringen, haben wir den Herrn Viel zunächst über sein „zufriedenstellendes Leben“ berichten lassen. Nach Art einer Ouvertüre soll dieser Monolog bei leicht abgedunkeltem Saal gehört werden. Dann wird der Saal dunkel und es erscheint der Arbeiter am Fließband bei VW, 30 Min. bei vollem Radau. Als wir den Großen Preis von Oberhausen dafür bekamen, gab’s ein heftiges Pfeifkonzert. Der Film wurde nie im Fernsehen gezeigt. (22.06.2015)
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„Was HEINRICH VIEL betrifft, wurde immer die Frage diskutiert: ‚Kann man Langeweile darstellen, indem man Langeweile erzeugt?’“ Nach unseren Erfahrungen mit dem Film meine ich nein, kann man nicht. Durch die Langeweile erzeugt man Aggression, die sich gegen den Film bzw. seine Autoren richtet – nicht aber, wie beabsichtigt, gegen die Verhältnisse und ihre Nutzer. (24.06.2015)
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Zur Frage der Autorennennung bei HEINRICH VIEL: Für die Aufnahme deutscher Filme ins internationale Wettbewerbsprogramm der Oberhausener Kurzfilmtage gab es im Jahr 1969 keine Jury. Es gab – wie jedes Jahr – ein deutsches Programm. Jeder Filmemacher, der einen Film oder mehrere im deutschen Programm hatte, konnte aus dem deutschen Programm 10 Filme für die Teilnahme am internationalen Wettbewerb vorschlagen. Die Filme mit den häufigsten Nennungen wurden in das internationale Wettbewerbsprogramm aufgenommen.
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Wir hatten als ‚Kollektiv’ unter diesem einen Namen 9 Filme im deutschen Programm. Danach hätten wir nur 10 Filme vorschlagen können. Wir haben deshalb für jeden unsrer Filme im deutschen Programm einen jeweils anderen Autor angegeben und so statt 10 vielleicht 60 Filme vorschlagen können. Wenn nun wiederum jeder von uns statt 10 Filme nur 4 oder 5 Filme unsres Kollektivs vorschlug, erhielten unsre Filme überproportional viele Stimmen. Wir konnten so auch beeinflussen, welche von unsren Filmen ins Wettbewerbsprogramm kamen, indem wir die Stimmen auf bestimmte, verabredete Filme unsres Kollektivs häuften. (Streng legal!) So fiel die Autorenschaft für HEINRICH VIEL an Gisela und Jutta und somit der Große Preis von Oberhausen – mit dem wir selbstverständlich niemals gerechnet hatten. (05.08.2015)
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Aber da ‚wir’ grad in meinen Archivordnern blättern, darf ich Sie vielleicht auf eine Seite im HEINRICH VIEL-Ordner hinweisen, die mir noch heute in heiterer Erinnerung ist. Der deutsche Maler und vielfache Kulturfunktionär Thomas Grochowiak hatte uns – dem Kasseler Filmkollektiv – einen Brief geschrieben, in dem er den preisgekrönten Film HEINRICH VIEL für das Programm des Goethe-Instituts anforderte. Die joviale Formulierung seines Schreibens hat mich veranlasst, ihm in einem offenen Brief eine Absage zu erteilen. Hilmar Hoffmann hat mir erzählt, dass er ihm mein Antwortschreiben gezeigt habe. Hoffmann hat ihm gesagt, die Formulierung meiner Antwort lässt eine Veröffentlichung vermuten. Und in der Tat hat die Zeitschrift ‘Film’ meinen Antwortbrief auf Seite 1 abgedruckt [→Film 9/69]. Die sollte unter dem Titel „Gigantische Aufgaben“ noch im Ordner enthalten sein. Mir hat’s Spaß gemacht: Heinrich Viel vs Goethe. (09.06.2018)

HARTMUT UND ULRIKE GRÜN
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Zu Hartmut Grün: Unser Kollektiv der Kasseler Filmemacher bestand neben den 4 bereits erwähnten Figuren noch aus Wilhelm Winkelmann, Bruder von A. heute Kunsterzieher im Rheinland, ich hab ihn mal mit einer Klasse bei ‚Up and Coming’ getroffen; Wilfried Parkinson, er kam als Praktikant zum Dörnberg und ‚mauserte’ sich zum Filmemacher; ferner Adolfs Studienkollegen Knut Hoffmeister sowie Ulrike und Hartmut Grün. Alle 5 machten verwandte, aber eigene Sachen. Hoffmeister ging uns auch bei manchen Produktionen zur Hand. Über den Verbleib der vier Letztgenannten weiß ich nichts. (27.06.2015)
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„DIE KAMERA IST AUF PASSANTEN GERICHTET“
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Wir haben damals gerne mit dem Vorgang des Drehs in der Öffentlichkeit experimentiert. Der Film DIE KAMERA IST AUF PASSANTEN GERICHTET von 1968, bei dem wir zum ersten Mal zusammengearbeitet haben, ist in diesem Zusammenhang entstanden. (16mm-Kamera neben einem Monitor und einer Videokamera in einem Schaufenster bei Kaufhof. Die Passanten gehen vorbei, sehen sich selbst und beginnen zu grimassieren …) Im Film ist das Arrangement nicht zu sehen, nur Leute, die vor unserer Kamera stehen bleiben und Quatsch machen. – Bei den Dreharbeiten auf dem Foto [Foto aus einem von Gerhard Büttenbenders Ordnern] wird gegenteiliges Verhalten demonstriert: Menschen sehen die Kamera und huschen durchs Bild oder stellen sich gleich hinter die Kamera um zuzuschauen. Der Film zeigt eine fast leere Stadt. Erst ein 180° Schwenk am Ende des Films macht dann die Menge sichtbar, die sich hinter der Kamera versammelt hatte. (29.01.2019)
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„IM LOHRE 9“
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IM LOHRE 9 von den Grüns ist gewiss ein Film des Kasseler Filmemacher Kollektivs. Wir haben alle unsre Filme individuell oder in kleinen Gruppen gemacht, haben sie aber gemeinsam diskutiert (auch im Ansatz) und einander bei der Produktion und Distribution unterstützt.
Und „ja“, der Titel des Films bezieht sich auf die Wohnadresse der Grüns. (31.01.2017)

„DER HÖCHERL“
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Im ‚Stern’ gab’s eine Serie Herr und Hund, der Minister Höcherl tat sich da mit besonders ‚strengen’ Erläuterungen über seinen Hund Benno hervor. Wir wollten ihn danach als „in der Wolle gefärbten Strukturfaschisten“ entlarven, als ‚nette’ Ausgabe von FJ Strauss. Wir durften einen ganzen Tag im privaten Haus in Brennberg mit dem Minister, seiner Familie und dem Hund arbeiten. Aus der Entlarvung wurde nix, Hermann Höcherl kam einfach zu sympathisch rüber. Außer Bazon Brock hat kein Mensch die Absicht des Films erkannt. Wir haben den Film dann nicht öffentlich gezeigt. (2013 war eine späte Premiere.) (22.06.2015)

„VERTRAUENDE LIEBE – GLÜHENDER HASS“
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Das Abgründige im Trivialen blieb aber vorerst das Thema. Ich habe einen Stoß trivialer Heft-Romane durchgesehen, einen typischen Handlungsverlauf herausgesucht und als Drehbuch bearbeitet. Für den Film haben wir uns unter den Mitarbeitern auf dem Dörnberg ‚bekennende’ Leser dieser Literaturgattung gesucht, diese in Environments gestellt, wie sie im Roman beschrieben sind und sie die Handlung bzw. die Dialoge nachspielen lassen. Kichern und Verlegenheit inbegriffen. In jeder Einstellung soll das künstliche der Situation sichtbar sein, die Diskrepanz zwischen Phantasie und Wirklichkeit. Schließlich konnten wir noch die Romanautorin zu einem statement über ihre Methode bewegen, das haben wir dann in der Mitte in den Film eingefügt. Etwas später führten wir ein Gespräch mit den Darstellern, das wir, in s/w gefilmt, an den Film anhängten. Aus meiner heutigen Sicht unnötig und eher störend. (22.06.2015)
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[…] [Nach dem Heftroman gleichen Titels] habe ich – durch Ausschneiden und Montieren – das Drehbuch erstellt, allerdings nur eine kleine Episode aus dem Roman. – Seit einiger Zeit habe ich Bedenken, ob der kleine Film bei seinem Auftauchen überhaupt noch bei Betrachtern ‚ankäme’ oder ob er nicht als zynisch empfunden wird. In Zeiten der political correctness, da man Bezeichnungen wie Eskimo, Zigeuner, Negerkuss oder Mohrenkopf vermeidet, wirken die Darsteller in ihrer Traumwelt möglicherweise ‚vorgeführt’. Wir aber wollten ernsthaft jene Diskrepanz sichtbar machen, die sich auftut zwischen der Traumwelt und den Träumern, ihrer Sprache und ihren Gesten. Darum auch das statement einer Autorin.
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Anfang – Der Film beginnt mit einer Fahrt im offenen Cabriolet auf der Landstraße. Es fährt der junge Protagonist. (Im Ton: Ausschnitt aus einer Symphonie von Anton Bruckner).
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Höcherl – Irgendwo haben wir völlig zusammenhanglos den Bundesminister Höcherl eingefügt. Er erscheint im Hochparterre seines Eigenheims zwischen Blumenkästen. Wir wollten den damals prominenten CSU-Mann unbedingt in dieser falschen Idylle zeigen. Wir hatten ihm eingebläut, dass er sagen kann, was er will, nur dass der Satz mit „ich gehöre ja eigentlich garnicht in diesen Film …“ beginnen muss. Er sagte denn brav „ich gehöre ja eigentlich garnicht in diesen Film, aber Sie haben ja mein unromantisches Leben schon einmal auf die Kamera gezaubert“. Es ist nur eine kurze Einstellung, dann geht die Handlung weiter.
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Schriftstellerin – In einer Einstellung in der Mitte des Films küssen sich die beiden jungen Protagonisten in einem weitläufigen Park. Während des Kusses hört – und gleich darauf sieht – man die Schriftstellerin, Frau Pusch – sagen „Ich bin Schriftstellerin …“ Das statement ist in s/w aufgenommen. Wie vorher mit ‚überlappendem Ton’ hört man mich (off-voice) dann sagen „Es war, als ob dieser Kuss nie enden wollte.“ – und sieht das küssende Paar wie zuvor.
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Ende – Das junge Paar geht Hand in Hand die breite Treppe vor dem Schloss hinauf. Im off-Ton „und sie ahnten nicht, dass sich zur gleichen Zeit an einem anderen Ort eine schreckliche Katastrophe ereignete“ (sinngemäß), unser Verweis auf die Realität.
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Anhang – (in s/w aufgenommen) Hier sind alle Protagonisten und das Team in der Halle auf dem Dörnberg (wo auch WORIN UNSRE STÄRKE BESTEHT aufgenommen wurde) versammelt und sprechen über ihre Erfahrungen mit der Arbeit. (Am 22/Vl hatte ich Ihnen zu diesem Teil des Films geschrieben: „Etwas später führten wir ein Gespräch mit den Darstellern, das wir, in s/w gefilmt, an den Film anhängten. Aus meiner heutigen Sicht unnötig und eher störend“.)
Sollte das auf dem Perfo-Band der Ton dazu sein? [gemeint ist ein in Gerhard Büttenbenders ‘Film-Nachlass’ gefundenes 16mm-Magnetband] (13.07.2015)
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Das Gespräch mit den Darstellern führten wir in größerem zeitlichem Abstand. Der Film hatte seine Premiere bei der Mannheimer Filmwoche ohne den s/w-Anhang, der zunächst auch nicht zum Konzept gehörte. Das „s/w Ende“ war auch nicht Teil des Drehbuchs, dessen Realisierung der WDR mitfinanziert hatte. Entsprechend wurde der Film auch vom WDR und vom DRS-TV ohne diesen Anhang gesendet. (16.07.2015)
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„Dass Friedrich Knilli sich als Medienwissenschaftler schon früh auch mit dem Thema Trivialliteratur beschäftigt hat, brachte mich auf den Gedanken, dass Ihr Filmthema sich vielleicht auch ein bisschen der Anwesenheit von Leuten aus seinem Seminar verdankte.“ Das ist ganz gewiss richtig. Ich weiss das nicht mehr so im Einzelnen, aber die Idee ist gewiss plausibel. Und Christian Rittelmeyer hatte sich seinerzeit ganz intensiv mit Walter Höllerers Zeitschrift „Sprache im technischen Zeitalter“ beschäftigt. Höllerer und Knilli waren ja beide zu dieser Zeit Professoren für Literaturwissenschaft an der TU Berlin. Der vermittelte Einfluss ihres Denkens auf unsere Arbeit war (neben bereits erwähnten Gedanken) grundlegend. (30.05.2018)

TV
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Dem Thema „Das Abgründige im Trivialen“ bin ich auch in späteren Arbeiten verbunden geblieben. Zunächst zusammen mit dem Dokumentarfilmer Wolfgang Richter in einem Film über den ‘Trivialfilmer’ Harald Reinl für die Filmredaktion das ZDF: DIE HEILE WELT UND IHRE MÄRCHENHELDEN; 1972, dann mit dem Film KINDER LESEN COMICS für WDR TV. (22.06.2015)
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HANNES KARNICK UND WOLFGANG RICHTER
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Hannes Karnick und Wolfgang Richter standen in gar keinem Verhältnis zum Dörnberg. Die beiden (damals) engagierten Dok-Filmer lernte ich auf einem Festival über die ähnlichen Ansätze in ihrer Arbeit kennen. Da sie in Darmstadt lebten, meiner Geburtsstadt, besuchte ich sie gelegentlich dort, wenn ich zu meinen Eltern kam. So entstand eine Freundschaft – besonders zu Wolfgang Richter – mit dem zusammen ich schließlich einen Beitrag für’s ZDF Filmforum über den deutschen ‘Trivialfilmregisseur’ Dr. Harald Reinl gemacht habe: DIE HEILE WELT UND IHRE MÄRCHEN-HELDEN, 45’, 1972/73 – Wir begleiteten Harald Reinl in zwei Jahren wochenlang bei Dreharbeiten (DER SCHREI DER SCHWARZEN WÖLFE, GRÜN IST DIE HEIDE 1972 und 1973: DIE BLUTIGEN GEIER VON ALASKA), ließen ihn zu Wort kommen und kombinierten das mit Ausschnitten aus seinen Filmen (Gewisse Parallelen – zumindest thematisch – zu VERTRAUENDE LIEBE – GLÜHENDER HASS). (15.09.2015)

„WORIN UNSERE STÄRKE BESTEHT“
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Inzwischen hatte ein Team „linker Pädagogen“ zusammen mit dem Dörnberg-Dozenten Jochen Müller ein Modell „sozialistischer Erziehung“ entwickelt, um Schülern des 9. Schuljahrs Hauptschule organisierte Solidarität erfahrbar zu machen. Alexander von Cube von der Wissenschaftsredaktion des WDR-Fernsehens half Adolf Winkelmann und mir den Film zu realisieren. WORIN UNSERE STÄRKE BESTEHT wurde dann auch gesendet – nach Mitternacht im Dritten. Bei diesem Film kam auch zum ersten Mal David Slama zu uns, Winkelmanns Kameramann bei vielen seiner Filme. (22.06.2015)
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Damals fanden auf dem Dörnberg Seminare für Klassen des 9. Schuljahres statt. Nach dem Jahr verlassen diese Schüler die Grundschule und beginnen eine Lehre. Die gewerkschaftliche Bildungseinrichtung „Arbeit und Leben“ sponserte diese Lehrgänge zur politischen Bildung. Jede 9. Klasse konnte sich bei uns für einen solchen Lehrgang bewerben. Die Klassen kamen dann mit ihrem Lehrer für jeweils eine Woche zum Jugendhof. Die Leitung dieser Seminare hatte mein Kollege, der Sozialpädagoge Jochen Mueller. Als Dozent am Jugendhof hatte er ein Team aus freien Mitarbeitern zusammengestellt, dem unter anderem die Pädagogen Rainer Behrendt und Dieter Grösch angehörten. In diesem Team wurde das pädagogische Modell entwickelt, das in dem Film WORIN UNSRE STÄRKE BESTEHT dargestellt wird. Die emanzipierende Zielsetzung des Experiments geht aus dem Report hervor und bedarf hier keiner gesonderten Erklärung.
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Ich habe dieses Modell beim ersten Mal angeschaut und fand es faszinierend. Mit Zustimmung von Jochen Mueller und seinem Team habe ich dann bei einem weiteren Lehrgang den gesamten Prozess mit einer Super8 Kamera begleitet. Das Medium Video war damals noch nicht so weit entwickelt. Mit Winkelmann sind dann Überlegungen angestellt worden, wie man das professionell dokumentieren könnte. Da musste beispielsweise der ganze Saal (den sie ja kennen) akustisch ‚erschlossen’ wer-den, so dass auch leise Bemerkungen aufgenommen werden konnten. Die abgehängten Mikrofone wurden von der Vorführkabine oben gesteuert. Dort war die Kamera für die Totale installiert, mit der aber auch auf bestimmte Vorgänge ‚gezoomt’ werden konnte. Im Saal bewegte sich David Slama zusätzlich mit einer stummen Arri. Zunächst war dies allerdings nur ein Konzept, das mehr Geld kosten würde, als wir hatten.
Ich nahm dann mit verschiedenen TV-Redaktionen Kontakt auf.
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Alexander von Cube (damals ein bekannter Mann) leitete die Programmgruppe Wissenschaft beim WDR Fernsehen. Er signalisierte Interesse, lud uns ein und schaute sich meine Super8-Skizze des Modell-Lehrgangs an. Zunächst wollte er weitere Redaktionen für eine gemeinsame Finanzierung des Projekts finden – fand aber keine. Es wollte sich keiner an einem „Modell proletarischer Erziehung“ die Finger verbrennen. Da machte es der mutige Mann alleine. Mit dem WDR als Produzenten hatten wir nun das Geld und damit die Möglichkeit, das Projekt wie oben beschrieben zu verwirklichen. Es wurde dann auch vom WDR gesendet – wie zu erwarten im 3. Programm zur Nachtzeit. Aber wir konnten den Film in Volkshochschulen und freien pädagogischen Einrichtungen recht oft zeigen und diskutieren. (25.08.2016)

„STREIK BEI PIPER UND SILZ“
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Unter den Besuchern auf dem Dörnberg waren inzwischen auch die Filmmacher Kathrin Seybold und Gerd Conrad. Durch längere Gegenbesuche bei ihnen in der Kommune 2 in der Berliner Giesebrechtstraße wurden wir mit den Ideen der KPD/ML vertraut. Unter diesem Eindruck entstand unser nächster Film „Streik bei Piper und Silz“ nach den Grundsätzen der Ästhetik von Lin Biao und Maos Gattin Jiang Qing. Vorbild war der Film DAS ROTE FRAUENBATAILLON (VR China 1961). Kathrin Seybold (KPD/ML) war unsere strenge Beraterin, der wir begeistert folgten. Als der Film bei der Hamburger Filmschau [1972] gezeigt wurde, kamen Adolf und ich nach der Vorstellung nur schwer aus dem Kino. Es wurden uns Prügel angedroht und Wolfram Schütte schrieb in der Frankfurter Rundschau „ein Beispiel für Dummheit im Film“. Der einzige, der uns damals getröstet hat, war Reinhard Hauff. […] Aber wir haben doch eine Menge dabei gelernt.
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Nach diesem Film gab mir der Leiter des Jugendhofs einen Tag Zeit zu kündigen. (Nicht aus ästhetischen Gründen, was zu verstehen wäre.)
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Ich wurde dann Assistent am Lehrstuhl für Visuelle Kommunikation an der Uni Göttingen und wohnte in einem der besetzten Häuser der sogenannten ‘Belgiersiedlung’ in Kassel. In Braunschweig bewarb ich mich auf die Stelle eines Filmlehrers an der Kunsthochschule und wurde genommen. – Adolf Winkelmann hatte 1978 mit dem Film DIE ABFAHRER großen Erfolg und konnte seitdem viele Spielfilme und Fernsehproduktionen machen. Die Zwillinge Jutta und Gisela waren bereits in Berlin, dort hatten sie sich der Kommune 1 um Rainer Langhans angeschlossen. (22.06.2015)
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Zu STREIK BEI PIPER & SILZ: der Sozialistische Realismus maoistischer Prägung unterschied sich im Detail nochmal von dem der DDR, so etwa, wie die ‘Parteiprogramme’ der DKP und der KPD/ML. Wir hatten also auch in Leipzig keine Chance. Anyway. (24.06.2015)
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Um „die Unterschiede in der Moskauer und der Pekinger Linie in Sachen Film und Filmästhetik“ darzustellen, gibt’s ganz gewiss kompetentere Leute. Ich glaube aber, dass das nur auf ein sehr spezielles, also geringes Interesse stößt. (27.06.2015)

„DIE TEILUNG ALLER TAGE“
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DIE TEILUNG ALLER TAGE wurde seinerzeit bei uns nur konzipiert, nicht gedreht. Farocki, Bitomsky, Straschek und Pehlke waren öfter bei uns. An ihre Streitgespräche mit Bazon Brock erinnere ich mich gern, da flogen die Fetzen. (06.04.2017)
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Durch die Begegnung mit Harun Farocki und Hartmut Bitomsky auf dem Dörnberg war eine enge Verbindung zwischen uns entstanden. So waren wir dann auch, Adolf, die Zwillinge und ich oft in Berlin in der Grunewaldstrasse 88 bei Farockis zu Gast. Wir zeigten einander unsre Arbeiten und diskutierten sie. Kurioserweise haben wir einmal sogar dort zusammen Weihnachten gefeiert. Farockis Frau Ursula Lefkes war dabei, auch Ingrid Oppermann, damals die Lebensgefährtin von Bitomsky, & Farockis Zwillinge. (Holger Meins kam einmal kurz.) Ich hatte auch davon eine Menge Super8-Filmmaterial. Etwas davon hab ich Rainer Langhans gegeben für den Film SCHNEEWEISSROSENROT (1991), den er mit Christa Ritter zusammen über die Zwillinge gemacht hat. Einige Einstellungen davon haben die Beiden in ihrem Film verwendet. Ich bekam das Material zurück. … Bei meinem Umzug nach Thailand habe ich all meine Sachen hergegeben oder weggeschmissen. Die Super8-Filme werden wohl verschollen sein. Eigentlich schade. (25.04.2018)

DAS ANDERE KINO
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Dass wir unsere Filme seinerzeit als ‘Versuche’ begriffen, geschah quasi zwangsläufig. Wir waren ja alle Dilettanten und hatten weder die Absicht noch sahen wir eine Möglichkeit, für’s Fernsehen zu arbeiten (das hat sich bei manchen später geändert). So lag vor uns ein neuer Weg, dessen Ziel wir nicht kannten, der uns dafür aber auch alle Freiheit ließ. (Herbst und Rosenthal waren da Ausnahmen, die hatten TV-Erfahrung.) Auch hatten wir keine Vorstellung, wie man „dem Publikum gefällt“, ja nicht mal, wie man eins findet. Manchmal waren Provokationen hilfreich, das sprach sich rum und erzeugte Neugier. Aber primär versuchten wir zuallererst unseren eigenen Weg zu einem ‚anderen Kino’ zu finden. (27.06.2015)
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„DAS ANDERE KINO“ (TV-FILM)
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Klar ist der Film ein Produkt des Kasseler Filmkollektivs. Adolf – schon damals bekannt durch seinen Kassel Film – hatte den Auftrag bekommen, aber wir haben uns oft beraten und miteinander diskutiert. Bei den Dreharbeiten war meist die ganze Truppe. Besonders gern erinnere ich mich an den Dreh bei Lutz Mommartz. Wir waren in Köln, und obwohl es schon spät nachts war, wollte Adolf das Interview in Düsseldorf mit ihm noch machen. Lutz war ob der Zumutung zunächst etwas grummelig. Er hatte mit seiner Lebensgefährtin bereits im Bett gelegen, ließ sich aber dazu bewegen, mitzumachen und so kam das zustande, was Sie in dem TV-Bericht gesehen haben. (29.01.2019)

ALFRED HILSBERG
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Interessant, dass Sie zwischen dem „anderen Kino“ und dem Punk eine Parallele sehen. Alfred Hilsberg, der die sozialistische Filmmacher Coop bzw. den Zentralfilmverleih gemanagt hat, sagt in einem Interview „Der Zusammenbruch der ganzen K-Gruppen hatte ein großes Vakuum hinterlassen“ – und er wendete sich dem Punk zu, veranstaltete 1978 das erste Punk-Festival in Hamburg in der Markthalle. Er wurde dann so eine Art Musik-Mogul oder Punk-Papst. Heute macht Alfred Hilsberg (noch?) PR-Arbeit für die Hamburger Band BLUMFELD. Der müsste sowohl über die Spaltung wie über das Ende alles wissen.
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Ein paar schwache Hinweise finden sich auch in einem „Gespräch Heinz Emigholz mit Klaus Wyborny über Filmarbeit in den siebziger Jahren“ 2009: „… Aus den 68ern gab es dann 1970 diese Spaltung in diesen Hardcore Politzweig, diese Spaltung war ganz massiv. Alfred Hilsberg wollte zunächst die Coop-Filme auf 35mm in alle Kinos der Welt bringen und hat irgendwelche Kredite aufgenommen. Als das nicht lief, hatte die Coop, die unsere Filme verliehen hat, hunderttausend Mark Schulden. Er hat dann gekündigt und mit dem Politteil der Filme einen neuen Verleih aufgemacht. Die „Ästheten“ saßen dann auf dem Schuldenberg. Das war dann das Ende des Verleihs. Danach musste man alle Sachen selbst verleihen. Er hat es dann mit der Musik versucht, als neues Betätigungsfeld, er war sehr unternehmungslustig. Auch sehr erfolgreich.“ (24.06.2015)
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Da das Programm des Zentral-Film Verleihs im Großen und Ganzen streng belehrend und sehr ernst war, soll – so hörten wir – der Film [VERTRAUENDE LIEBE – GLÜHENDER HASS] als einzig etwas heiterer Beitrag häufig ausgeliehen worden sein. Wir haben darüber von Alfred Hilsberg weder eine Mitteilung noch etwa einen Betrag erhalten. Auch soll es von der Filmförderung Geld für eine 35mm-Kopie gegeben haben. Von dieser Kopie habe ich – auch auf Anfrage – nie was gehört. Vielleicht ist das Geld ja in Alfreds gigantischem Defizit aufgegangen. So wäre mit dem Film letztendlich noch ein gutes Werk vollbracht worden. (30.05.2018)

KÜNDIGUNG
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Als wir, inzwischen das „Kasseler Filmkollektiv“, uns der KPD/ML zuwandten, bekamen die persönlichen Animositäten eine politische Dimension, der gewerkschaftliche Standpunkt versus der Maoismus der KPD/ML. Und als wir dann das Projekt von Jochen Mueller so quasi übernahmen, war die Laune bei Arbeit und Leben im Keller. Da wurden dann die kleinsten Abweichungen aufgebauscht – auf beiden Seiten. Ulf Luers war stets großzügig und tolerant, deshalb konnte ich als sein Stellvertreter auch jahrelang machen, was ich wollte. Zuletzt hatte ich einen KPD/ML-Funktionär als Praktikanten eingestellt. Um in dem Streitfall um den Film, der nur als äußerer Anlass herhalten musste, zu beenden, entschloss sich Luers (endlich mal!), mir 24 Stunden Zeit zu geben, selbst zu kündigen. Die Zeit hab ich genutzt.
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Es hatte davor zur Arbeit des Jugendhofes einen parlamentarischen Untersuchungs-ausschuss gegeben. Den hatte die NPD im Hessischen Landtag beantragt und die CDU hat zugestimmt. Das ist für die Betroffenen eine recht unangenehme Prozedur. Wir hatten dabei viel Unterstützung von den Medien („Zeit“, „Spiegel“ …). Am Ende ging das für das Dörnberg-Team sehr positiv aus. Wir sollten mehr Stellen bekommen. – Das hatte mit meinem Abgang von Dörnberg absolut nichts zu tun. (22.08.2019)

„LAGADO“
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Ich bin auf Werners website gestoßen, weil ich nach seinem Film LAGADO gesucht habe. Zu den Arbeiten für diesen Film sind wir nämlich im Sommer 1976 nochmal auf dem Dörnberg zusammengekommen.
Werner Nekes und Dore O. mit ihrem Team sowie Dr. Christian Rittelmeyer und ich. […] Rittelmeyer war inzwischen Prof. an der Uni Göttingen und ich an der HBK Braunschweig. Er brachte Studenten aus Göttingen mit und ich Leute aus der Filmklasse. Auf dem Dörnberg trafen wir uns alle mit Werner Nekes und seinem Team, und Nekes drehte in der großen Halle den Episodenfilm LAGADO (lose assoziiert an The Grand Academy of Lagado from Gulliver’s Travels by Jonathan Swift) mit den Studenten als Darstellern. Es ist ein wunderschöner Film geworden! Der ‚letzte der Dörnberg-Filme’ – vielleicht für Sie ein Tip ‚für später mal’. (03.09.2015)

G.B.

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Die zitierten Filme:

Jüm-Jüm – Werner Nekes und Dore O., BRD 1967, 10 Min., 16mm, Farbe
Das Seminar – Bazon Brock, Werner Nekes, BRD 1967, 32 Min., 16mm, s/w
K/örper – Werner Nekes, BRD 1967, 10 Min., 16mm, Farbe
Vis-à-vis – Werner Nekes, BRD 1968, 11 Min., 16mm, s/w
Der Staat gegen Fritz Bauer – Lars Kraume, D 2015, 105 Min., digital
31 Sprünge – Adolf Winkelmann, BRD 1967, 4 min., 16mm, s/w, stumm
Adolf Winkelmann, Kassel 9.12.67, 11h54 – Adolf Winkelmann, BRD 1968, 8 Min., 16mm, s/w
Die Fresse – Adolf Winkelmann, BRD 1969, 15 Min., 16mm, s/w
Die Abfahrer – Adolf Winkelmann, BRD 1978, 97 Min., 35mm
Heinrich Viel – Jutta Winkelmann u. Gisela Büttenbender (Kasseler Filmkollektiv), BRD 1969, 36 Min., 16mm, s/w
Sleep – Andy Warhol, USA 1964, 311 Min., 16mm
Haircut – Andy Warhol, USA 1964, 33 Min., 16mm
Im Lohre 9 – Hartmut und Ulrike Grün, BRD 1968/69 (?), 10 Min., 16mm s/w
Die Kamera ist auf Passanten gerichtet – Kasseler Filmkollektiv, BRD 1968/69 (?), 14 Min., 16mm, s/w (verschollen)
Der Höcherl – Kasseler Filmkollektiv, BRD 1969, 15 Min., 16mm, s/w
Vertrauende Liebe – Glühender Hass – Kasseler Filmkollektiv, BRD 1969, 29/36 Min., 16mm, Farbe u. s/w
Worin unsere Stärke besteht – Adolf Winkelmann und Gerhard Büttenbender, BRD 1971, 53 Min., 16mm, s/w
Streik bei Piper & Silz – Adolf Winkelmann und Gerhard Büttenbender, BRD 1972, 31 Min., 16mm, Farbe
Das Rote Frauenbataillon (Red Detachment of Women) – Hsieh Tsin, VR China 1960, 92 Min., 35mm
Die heile Welt und ihre Märchenhelden – Gerhard Büttenbender u. Wolfgang Richter, BRD 1973, 35 Min., 16mm (TV-Film)
Kinder lesen Comics – Gerhard Büttenbender, Hans Giffhorn, Adolf Winkelmann, BRD 1974, 45 Min., 16mm (TV-Film)
Der Schrei der schwarzen Wölfe – Harald Reinl, BRD 1972, 89 Min., 35mm
Grün ist die Heide – Harald Reinl, BRD 1972, 86 Min., 35mm
Die blutigen Geier von Alaska – Harald Reinl, BRD 1973, 97 Min., 35 mm
Die Teilung aller Tage – Harun Farocki und Hartmut Bitomsky, BRD 1970, 33 Min. (Langfassung 67 Min.)
Schneeweißrosenrot – Christa Ritter und Rainer Langhans, D 1992, 16mm, 84 Min.
Das andere Kino (1-3) – Christian Rittelmeyer und Adolf Winkelmann, BRD 1969 BRD 1969, 3 x 30 Min., 16mm, s/w (TV-Serie)
Lagado – Werner Nekes, BRD 1977, 35/16mm, 79 Min., Farbe


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