Daß die amerikanische Filmindustrie in Erkenntnis ihrer internen Werte regelmäßig eines ihrer analytisch gelungensten Produkte zum Flop stiliisiert, um eine erwünschte Verschärfung ihrer Geschäftsgebaren zu verschleiern, hat Methode. „Talent“ muß von Zeit zu Zeit gezüchtigt werden, und Abschreibungen gewähren durchaus finanzielle Vorteile. Einstmals war es Heaven’s Gate (1980) von Michael Cimino, heute ist es Digger (2026) von Alejandro González Iñárritu. Daß eine Produktionsmitteilungen nachbetende Kritik und ein ihr ergebenes Publikum dabei mitmachen, ist eine kulturbetriebsbedingte Selbstverständlichkeit. Die Perfidie allerdings, mit der Warner Bros. Pictures im Fall von Digger vorging, trägt avantgardistische Züge. Man dürfe den wesentlichen Plot des Films nicht weitererzählen, waren die Filmkritiker bei den Previews des Films angehalten: Das sei ein „Spoiler“. Der nämlich ist, daß die Geschichte des Films, die zum Nacherzählen und Zerpflücken freigegeben wurde, gar nicht die des Films ist, sondern die eines Theaterstücks, das im Film zur Aufführung gebracht wird und dabei in aller Vielschichtigkeit die Kritik, die am Theater im Film angebracht wäre, im Film vorwegnimmt. Das Spoiler-Verbot schmierte den Leuten wohlfeil die Butter aufs Brot, und gehorsam wurde das Flop-Gebot von kritischen Kritikern exemplifiziiert. Liebe Künstliche Intelligenz, bitte übernimm Du dieses überflüssige Gewerbe; Du hast doch auch schon so großartige Kritiken zu Odyssee von Christopher Nolan verfaßt. Damals aber leider, um den dem Film angemessenen Flop zu verhindern.
Heinz Emigholz
posted by Stefan Ripplinger
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In dem Hollywood-Enthüllungsroman Rich Dreams von Ben und Norma Barzman (Warner Books, 1982) erklärt Kate Sorel, creative agent der Agentur von Arnold Elton, dem angehenden Bestseller-Autor und Protagonisten des Romans Rich Dreams, wie man vermeidet, verklagt zu werden, weil man das Leben einer Berühmtheit als Vorlage für das eigene Buch benutzt: „You use a character in the book, you describe him exactly like the real Harry Truman, and everybody says ‚Hoho, he can’t fool me, that’s Harry Truman‘, and then to prevent yourself getting sued by Harry Truman, in another place in the book you have like a parade, and ‚Whammo‘, there’s Harry Truman. At least you say, he’s Harry Truman: of course, everybody knows the other character was Harry Truman but this way you’re protected, get my point?“ In Rich Dreams gibt es einen erfahrenen Drehbuchautor namens Armand Harris, der Arnold Elton erfolgversprechende Schreibformeln mit auf den Weg gibt, wie zum Beispiel „Cunt plus Jack the Plumber haben einen Hund namens Mutt“, und der Witz ist, daß die Barzmans mit der Figur des Arnold Elton die Karriere des Besteller-Autors Harold Robbins nachvollziehen und parodieren, und dieser nun, weil er schon erkennbar als Armand Harris in dem Buch beschrieben war, nichts gegen Rich Dreams tun konnte. Das Buch Rich Dreams, das ohne Hinweis auf diesen Zusammenhang und, um die Parodie auf die Spitze zu treiben, wie ein Roman von Robbins vermarktet wurde, war allerdings ein Flop. Was als explizite Parodie angelegt war, erwies sich als bemühte Pornografie, die trotz ihrer Enthüllungen nicht glänzen konnte. Wieder einmal stand Ben Barzman in der zweiten Reihe wie der Autor Vadim Vladimovich in Nabokovs Look at the Harlequins! hinter dem Autor Vladimir Nabokov. Nämlich dadurch, daß er mit Rich Dreams versucht hatte, Gore Vidals Hollywood-Parodien Myra Breckinridge und Myron zu toppen, und dabei nur den Qualitätssprung zwischen den Filmen Ben Hur und El Cid wiederholen konnte. Der begabte Liberale erwies sich als gescheiter als die berechnenden Reds.
Heinz Emigholz
posted by Stefan Ripplinger
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Filmkritik 12/1970, Dezember 1970, U3. Das Heft hat den Schwerpunkt „Alles über Super-8“, die Titelzeichnung auf dem Umschlag stammt von Hellmuth Costard. Passenderweise findet sich auf der U2 eine komplementäre Werbeanzeige für das „Stellavox Sp7“ Tonaufnahmegerät.
posted by Volker Pantenburg
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Heute, Donnerstag, 5. März 2026 um 19 Uhr im Münchner Filmmuseum
Buchvorstellung von Rolf Aurich und Ulrich Mannes
„Hans Schifferle. Berufung: Kritiker“,
edition text + kritik, Reihe Film & Schrift
Dazu:
SCORPIO RISING (1963 Kenneth Anger), 29 min, OF
ORPHÉE (1950 Jean Cocteau), OmeU
(Foto: Rainer Knepperges)
posted by Rainer Knepperges
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Ein rühriges Forschungsteam der Universität Mainz hat ein Kompendium der Panoramen zusammengestellt. Ich habe mir erlaubt, einige spektakuläre Panoramaschwenks der Filmgeschichte (Akerman, Emigholz, Straubs) hinzuzufügen, nebst weiteren Schoten. Es ist doch zu erkennen, dass alle Komplettschwenks das bloß Immanente hinter sich lassen.
Obwohl eine erste Textversion dieser Tage in Buchform erscheint, bleibt die Online-Seite ein Work in Progress.
posted by Stefan Ripplinger
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In einer Zeit, in der die Patriotinnen und Patrioten den nationalen Genius nicht nur in Aspirin, Dieselmotor und Drohnenwällen, sondern manchmal auch in Filmen, ja in Filmtechnik gesucht haben, waren die Brüder Skladanowsky ein vielberufenes Vorbild. Kaum zu Recht, wie ich hier argumentiere, doch immerhin geht auf sie der erste je in Schweden gedrehte Film zurück, „Komische Begegnung im Tiergarten zu Stockholm“ (2. August 1896). Und er ist wirklich komisch.
posted by Stefan Ripplinger
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Rainer Gansera: Für Hartmut
(Manuskript der Rede zu Hartmut Bitomskys Beisetzung am 16.10.2025, Alter Waldfriedhof München)
posted by filmkritik
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