Einträge von Rainer Knepperges

Samstag, 05.05.2012

Sternstunden des Hörfunks (3)

Gestern morgen holte Xaver Frühbeis im WDR3 Arturo Toscaninis legendäres letztes Konzert aus ferner Historie in den ewig nahen Zusammenhang von Widerstand und Ohnmacht. Die spannende Erzählung vom rätselhaften “Black Out” des Dirigenten – die kostbare Ungewissheit, ob Versagen oder Verweigerung – machte zwei unvergleichbare Situationen in einer Doppelbelichtung lebendig: Ein kommerzieller Rundfunksender, der die Entlassung eines Symphonieorchesters beschließt (NBC im Jahr 1954), und eine öffentlich-rechtliche Sendeanstalt, die den Protest gegen ihre fortschreitende Kommerzialisierung nur noch, entsprechend der Gepflogenheit in Diktaturen, verschlüsselt in die Welt hinaus dringen lässt.

Vor Wochen drang von außen durch eine Kommentarspalte kurz etwas ein, Empörung und Erinnerung, in Minutenschnelle wurde die Einfallschneise erkannt und geschlossen. Wer die Meinung seiner Hörer fürchtet, ist natürlich zu jeder Reform bereit, und gefällt sich in der Ansicht, um “näher dran an den Menschen” zu sein, müsse man sich tief herabbeugen.

Was Kurzes zu Toscanini gibt es beim BR. Das grandiose Konzert bei archive.org.

Sonntag, 29.04.2012

Was ist das? Malerei


Beach Red (1967 Cornel Wilde) Der Filmtitel von Hand auf einen schmalen Zettel geschrieben, so könnte ein Film von Lemke beginnen.

Raus aus den Booten, durchs flache Wasser, über den Strand, ins hohe Gras und rein in den Dschungel, nur ein paar hundert Meter zu Fuß, das ist die Handlung des Films. Das Sujet: Was den Männern im Krieg durch Leib und Seele geht. Der Titelsong, der von der Gleichheit der Gegner im Krieg handelt, wird gesungen von Jean Wallace (Cornel Wildes Ehefrau – in den Rückblenden des Films und im Leben).

“Und manchmal ist Frühlingsstimmung in der Luft, als ob Veilchen u. Liebe dazu gehörten – fast rauscherregend, – O Dionys, wie leicht bist du zu erwecken, schon mit einem blauen Streifen in der Luft!” (Gottfried Benn, 1945 in einem Brief, nicht an seine Frau)

Was ist das? Der Soldat erschrickt. Vor einer Spinne, die einen Falter frisst? Oder vor dem, was aussieht wie ein Brautkleid? Eine Ballerina?

Oliver Stone präsentierte den Film 1997 als Lieblingsfilm auf dem Festival von Locarno; Platoon (1986) sei von Beach Red inspiriert. Hat man Beach Red gesehen, ist Terrence Malicks Thin Red Line (1998) nur noch halb so originell. Malick ist verschwiegen. Stone hat weniger Fans. Ein Vorbild verraten; das ist doppelt zu verstehen. Preisgabe, Verrat. Kriegsvokabeln.

Ein Soldat, bewaffnet mit einer Kamera. Er duckt sich nicht, sondern beschimpft die Japaner, ob sie verrückt seien, auf ihn zu schießen, und beschimpft die Amerikaner, die ihre Verzweiflung nicht filmen lassen wollen.

Der japanische Scharfschütze, den die amerikanischen Soldaten aus der Baumspitze geschossen haben, ist nur eine Puppe. Die Täuschung hat Leben gekostet. Im leeren Gesicht der Attrappe findet der Zoom einen Ausdruck! Aber welchen?

Das Kino mag Menschen, die sich Bilder machen von ihrer Welt. Forscher, Kinder, Besessene.
Künstler, die an die belebende Wirkung ihrer Kunst glauben, gelten als “naiv”.

Eine der tollsten Wendungen in Cornel Wildes Lebenslauf ist seine Abkehr vom Studium der Chirurgie – hin zur Meisterschaft in der Fechtkunst. Dann, statt mit dem US-Fencing-Team 1936 zur Olympiade nach Berlin zu fahren, zog er die Broadwaybühne vor.

Der Soldat, der die Kokosnusshälften in den Dreck gedrückt hat, ist zufrieden mit seinem Werk. Es erinnert ihn an ein bestimmtes Mädchen.

Ob Georg Tressler Beach Red kannte? Wer kennt Sukkubus (1989 Georg Tressler)?

Dass der besoffene Abend – (Tall Girl Flashback) – nicht ganz in seinem Gedächtnis blieb, ärgert ihn. Die Erinnerung könnte er jetzt gut gebrauchen.

Beach Red ist ein Kriegsfilm, der mit seinen Gedanken oft woanders ist. So wie die Soldaten.

Andrew Tracys Artikel “Beyond Brut: The Art of Cornel Wilde” richtet sich gegen die “hyper-sophisticated critics who brand and celebrate Wilde as a cinematic brute”. Aber auch Tracy attestiert ihm “naïveté”, insofern das Schaffen des Regisseurs seinen Zweck offenbart, das lebende Bild seiner Frau und leading lady Jean Wallace auf die Kinoleinwand zu bringen.

Cornel Wilde in Saadia (1953 Albert Lewin) und das Bild, das er da malt von Rita Gam.

Ein kurzer Blick in die Filmografie des Schauspielers Cornel Wilde ist ein Blick in die Schatztruhe Hollywoods: Juwelen funkeln zwischen Plunder. Filme vom John M. Stahl (Leave Her to Heaven), De Mille und Dwan, Preminger und Negulesco, Sirk und Dieterle, Delmer Daves, Robert Wise, Nicolas Ray, Lewis Allen (At Sword’s Point, mit Wilde als D’Artagnan jr.), Joseph H. Lewis (The Big Combo, mit Jean Wallace, von Wilde produziert) und Albert Lewin.

Albert Lewin war wie kein anderer Filmemacher fixiert auf die magischen Wirkungen der Malerei, die Schocks, Übertragungen, Belebungen.

Zurück zum Anfang. Einen ganz ähnlichen Vorspann wie Beach Red hat auch Cornel Wildes The Naked Prey (1967): Schrift auf Papier – auf Gemälden.

Dazu ein Hinweis: Die Galerie Susanne Zander in Köln zeigt (noch bis zum 16.Juni) Bilder von Dietrich Orth.

“Beim Beschauen dieses Bildes im Geiste vorn rechts und Schwingen des rechten Arms mit Faust verschwindet nach dem Aufstehen Restmüdigkeit.”

Orth malt “Anwendungsbilder”. In einem Lebenslauf schrieb er vor zwanzig Jahren über sich, er habe 1977 das Abitur “nachgeworfen bekommen. – Ich fühle mich als Zwerg. – Ich studiere und genieße die Vollkommenheit einer Sache, in die ich verwickelt bin, oft stundenlang. (…) – Mein Credo: Das Beobachten und Bearbeiten des kleinsten Teilchens der Zufriedenheit ist die stärkste Waffe gegen Chaos.”

Im Kleeblatt meiner Lieblingsmaler – Bosch, Rops, Wölfli – ist Orth mein D’Artagnan.

“Rosemary, die Rockerbraut, wie sie bei Dämmrigkeit über Musikgenuß und Visualisierung dieses Bildes durch Andere sich diesen zugänglich macht.”


Rip Torn in Beach Red

Nietzsche fand, nur als ästhetische Phänomene hätten wir unsere höchste Würde – “während freilich unser Bewusstsein über diese unsere Bedeutung kaum ein anderes ist, als es die auf Leinwand gemalten Krieger von der auf ihr dargestellten Schlacht haben.”

Nach rechts schwenkt die Kamera über ein Schlachtengemälde… auf den Nacken von Rip Torn, der sich aus dem Gemalten, wie aus einer Tarnung heraus, umwendet und Kautabak abbeißt, …und weiter schwenkt die Kamera nach rechts aufs graue Meer… (so was geht nur in 2D). Eine seltsame Idee für den Anfang eines Kriegsfilms. Wie aus einer Komödie der Zucker-Brüder.

Airplane! (1980 David Zucker, Jim Abrahams & Jerry Zucker) Die Malerei, wird hier gesagt, sei Therapie eines Kriegstraumas. Ein Schwenk geht von der Staffelei auf den, der da tatsächlich vor einem zertrümmerten Jeep, sein Bein hinterm Kopf, in der Linken eine Babypuppe, starr Modell steht.

Georges Sanders in The Private Affairs of Bel Ami (1947 Albert Lewin), und das Bild, das Max Ernst im Auftrag für diesen Film gemalt hat.

Zu dem Nietzschezitat will ich noch verraten, daß ich mit Vorliebe aus Büchern zitiere, deren Lektüre für mich nicht zur Gänze vergebens gewesen sein soll.

Zum Schluss die Frage: Liegt vielleicht “unsere höchste Würde” in der Ohnmacht?

Das von den Indianern farbig in den Sand gemalte Bild in A Distant Trumpet (1964 Raoul Walsh).

“Im Hintergrund immer ein breiter, lehmiger Wasserfall”
(Helmut Färber: Filmbeschreibung in Filmkritik 10′/1969)

Freitag, 30.03.2012

Bye Bye Mockingbird


Ann-Margret wird am Telefon etwas los und bringt es in Umlauf. ***

Bye Bye Birdie (1963 George Sidney), ein Drei-Sterne-Film in den Cahiers du Cinema im März ’64, gleichauf mit Franjus Judex, zumindest in Jacques Rivettes Augen.

Satirische Filme sind herzlos und langweilig. Erlösung vom Fluch der Verächtlichkeit finden sie nur dann, wenn das, was ihnen verachtenswert erscheint, durch die Sorgfalt der Abbildung plötzlich und dauerhaft beworben wird. Das soziale Netzwerk beispielsweise.

Auf solche Erlösung hat kaum Aussicht, wer über Religiöses spottet. Es gibt natürlich Ausnahmen.

Patrick Bouchitey in La vie est un long fleuve tranquille (1988 Étienne Chatiliez).
Inmitten des 90minütigen Glücksfalls einer beseelten Satire: die konvulsivische Schönheit einer Musikperformance im höheren Auftrag. Allez!

Frank Apunkt Schneider, in dessen Kurzbiografie mir zum ersten Mal die intelligente Formulierung “unfreier Autor, unfreier Künstler” begegnete, lockte letzte Woche im Kölner a-musik-Laden in die fremde und seltsame Welt des Sakropop. Der extrem kurzweilige Vortrag führte, angetrieben von Neugier, hin zu wirklich faszinierenden Erscheinungen, hin zu Vergnügen und Verständnis.

Der hart umkämpfte Friedenspakt zwischen Kirche und populären Klängen hat eine auf selten gehörten Konzeptalben dokumentierte Musik hervorgebracht, deren textliche Überfrachtung und gesangliche Akkuratesse jeden Aufstieg aus der Subkultur der Gläubigen gründlich verbaute. Musik, der Ekstase tabu ist.

“Wir dürsten im Beton unserer Geistlosigkeiten. Unsere Wüste findet sich auf keinem Atlas.” Sakropop-Verse, wie diese von Alois Albrecht, sind nicht immer leicht zu singen. Ihre schleichende Wirkung ist, ungewollt, so etwas wie verschmitzte Euphorie.

Lässig und nebenbei eröffnete Frank Apunkt Schneider eine helle Einsicht: Die ökumenisch gestimmte Praktik, beim Alle-Umarmen Selbsterniedrigung zu üben, ist eng verwandt mit dem, was aussieht wie das Gegenteil: Auch wer im Alle-Verspotten Selbststärkung sucht, strauchelt… man könnte singen: …wir straucheln ins Gestrüpp unserer verleugneten Vergeblichkeiten. Der Sakropop ist der Vater von Harald Schmidt.

(Ich möchte nicht unerwähnt lassen, dass George Sidney viel bessere Filme als Bye Bye Birdie gemacht hat: The Three Musketeers (1948) mit Lana Turner, und Jeanne Eagles (1957) mit Kim Novak. Gerne sehen würde ich Show Boat (1951), und The Swinger (1966) mit Ann-Margret! Come on along!)

Jeff Daniels und Tobey Maguire in Pleasantville (1998)

Derzeit im Kino sehr zu empfehlen: Die Tribute von Panem (The Hunger Games 2012 Gary Ross), ein Blockbuster gegen die Gesellschaft des Spektakels – für Teenager – gegen die Welt als Casting, wohlbedacht jede romantische Ironie vermeidend, nicht im Geringsten amüsant. Ein entschieden dunkler Film, der den Radar des Feuilletons unterflogen hat, wegen Einspielergebnissen und Fortsetzungen aber noch Beachtung finden wird. Gary Ross hat viel bessere Filme gemacht: Pleasantville (1998) und Seabiscuit (2003), aber The Hunger Games ist wahrscheinlich bedeutender, historischer: Das Ende der Satire. Letzter Aufruf zur Solidarität.

Dienstag, 20.03.2012

Bakelitperücke und hölzerner Umhängebart (Teil 2)

Jede dieser Masken – “zauberhaft und einmalig” – hat eine Seele, sagt der Sammler und Karnevalist (im überbordend schönen DVD-Bonusmaterial zu Anja Dreschkes Die Stämme von Köln). Dass es seiner Frau unheimlich ist, wenn er so etwas sagt, das kann der “Poller Böschräuber” verstehen.


Gene Wilder in Silver Streak (1976 Arthur Hiller)

In manchen Filmen ist die Maskerade letzte Rettung in der Not, hilfreich auf der Flucht, heilsam in totaler Verzweiflung, dem Wahnsinn nahe und furchtbar zum Lachen.


Disneyland in 40 Pounds of Trouble (1962 Norman Jewison)

Auch das kommt vor: Eine Komödie, die nicht komisch ist.


Maskenball in Kiss Of The Vampire (1963 Don Sharp) via

Ein Gruselfilm, den ich noch gar nicht kenne.

Es gibt diese Partyfotos mit Ferres und Maschmeyer und dem alten Pastor, der “die Nähe zu Menschen, die Ja sagen zur Verantwortung” zu seiner “Aufgabe” erklärt hat. Ein Karnevalsrefrain reimt sich auf “Präsident” / “ich bin berühmt, auch wenn mich keiner kennt”. Immerhin möglich, dass die Hundert, die sich am Sonntag bei der Wahl enthielten, den Unbekannten kennen, und deshalb Nein sagten zu der Verantwortung.

Montag, 05.03.2012

Von Bedeutung

WDR 5 meldete heute den Drehbeginn des ersten “Dortmund-Tatorts” und sendete dazu einen Korrespondentenbericht in den 11-Uhr-Nachrichten. Ein Experiment in doppelter Hinsicht: Wie selbstbezüglich soll ein öffentlich-rechtlicher Sender den Kulturauftrag interpretieren? Wie viel Eigenwerbung kann als Nachricht gelten?

Ist der WDR noch zu retten?

Donnerstag, 23.02.2012

Kinohinweis (München)

Einen Film von ihm erkennt man, bevor sein Name im Vorspann erscheint.

Seit Zbyněk Brynych vor nun schon fast zwei Jahrzehnten von Stefan Ertl “entdeckt” wurde, hat Dominik Graf unermüdlich und, wie man inzwischen hier und da und dort lesen kann, mit einigem Erfolg auf diese Entdeckung hingewiesen. Brynychs unglaubliche Filme im Kino sehen zu können, ist dennoch ein sehr seltenes Vergnügen.

Werner Kließ schrieb in FILM über Brynychs Oberhausenbeitrag von 1964, den 40 minütigen Misto: „Jungen von etwa sechzehn Jahren haben die Brutalität und die Unschuld von Bestien. Ihre Grausamkeit ist ursprünglich, direkt, unverhüllt. Der Film ist genau, insofern er den Vorgang der Rollenwahl in einer Gruppe präzis zum Ausdruck bringt. Der Film ist unauffällig in seinen Kunstmitteln. Der Film ist schön. Das unverbrauchte Spiel der Jugendlichen offenbart Unschuld. Nicht die Unschuld der Frommen, sondern die des unreflektierten Daseins.“

Morgen und am Samstag zeigt das Werkstattkino Der Kommissar – Papierblumenmörder (1970) und dazu als Vorfilm: Misto / Der Platz (1964); am Sonntag dann Die Nacht von Lissabon (1971), 35mm; am Montag, Dienstag und Mittwoch Oh Happy Day (1970), 35mm; jeweils um 22:30.

Donnerstag, 09.02.2012

Fernsehhinweis

Heute, 23.15 – 00.45 Uhr im WDR: Die Stämme von Köln (2011 Anja Dreschke)

Mittwoch, 08.02.2012

Bakelitperücke und hölzerner Umhängebart

über Masken, Brillen, Schleier und Helme (Teil 1)

Welche Erwartungen, Wünsche und Träumereien ein einzelnes Bild auslösen kann, davon erzählt Scorsese am Anfang seiner Reise durch den amerikanischen Film. Mit einer gewissen Nostalgie sprach auch Michael Althen von der Zeit, in der das einzige, was man von einem Film besitzen konnte, ein einziges Standfoto aus dem Reclam-Filmführer war. Ein einzelnes Bild, zu dem man sich Gott-weiß-was vorgestellt hat.

Dainah la metisse (1931 Jean Gremillon), der an Bord eines Schiffes spielt, das zwischen Marseille und der Ile Rousse verkehrt, ist einer jener Filme, die in der Literatur womöglich nur deshalb abgetan werden, weil die betreffenden Autoren keine Gelegenheit mehr hatten, sie zu sehen. (Peter Nau: Auf den Spuren von Gremillon, Filmkritik, Juni 1982). Aber es gibt da dieses Szenenfoto: Eine Frau im Abendkleid, mit vier maskierten Männern an einem Tisch, starrt durch einen merkwürdigen metallenen Schleier, der einer Fechtmaske ähnelt, auf etwas, das ihren Blick leuchten lässt.

The Woman Who Came Back (1945 Walter Colmes) schaute ich mir nur wegen dieses Bildes* an und wurde nicht enttäuscht. Obwohl die maskierten Kinder keine sonderlich große Rolle spielen, durchzieht den Film im ganzen, was mich aus dem Bild heraus anlachte: eine gewitzte Finsternis. Mittels beherzter Perspektivwechsel wird das Sujet, der Verlust der vertrauten Gewissheiten, zum schaurigen Effekt der Erzählung. Was Nancy Kelly, die Hauptrollen bei Henry King, Allan Dwan und Mervyn LeRoy gespielt hat, hier in diesem feinen kleinen B-Film wiederfährt, das ist, verwandt mit den Stoffen des genialen Val Lewton, eine dunkle Vorwegnahme von Carnival of Souls.


Judex (1963 Franju)*

Der Maskenball ist ein filmischer Topos. Aber Filme können sich nicht wirklich für das Bad in der Menge erwärmen, ihre Helden oder Bösewichter müssen doch immer zumindest uns Zuschauern kenntlich bleiben. Ohnehin kündigt die Musik von Maurice Jarre unmissverständlich an, dass hier nicht mit fröhlicher Ausgelassenheit, sondern mit dem Tod zu rechnen ist.


Lady in a Cage (1964 Walter Graumann)

Einbrecher, die bei Tag in ein Haus eindringen, dessen Bewohnerin in einem steckengebliebenen Aufzug, hinter Gitterstäben, wie in einem Käfig gefangen ist. Links, im offenen Hemd, James Caan, in seiner ersten Kinoperformance. Neben ihm, das ist Jennifer Billingsley. Die beiden zusammen sind furchteinflößend sexy, purer Punk.


Fantomas (1964 André Hunebelle)

Zwischen diesen beiden Bildern gibt es, um unbemerkt vom dem einen (Jean Marais) zum anderen Darsteller (Louis de Funes) zu wechseln, eine Überblendung. Als ich den Film als Kind sah, stürzte mich das Offensichtliche, dass nicht Marais, sondern De Funes den als Inspector Juve maskierten Fantomas darstellte, und also etwas Schminke die Maske nur vortäuschte, in eine unauslöschlich komplizierte Verwirrung. Auch etwas Angst war dabei im Spiel. Um so lauter mein Lachen.


Santo y Blue Demon contra Drácula y el Hombre Lobo (1972 Miguel M. Delgado)

Die überaus populären Darsteller Santo und Blue Demon spielen sich selbst. Das mexikanische Publikum kannte ihre Gesichter nicht, nur ihre Masken.

Loki Schmidt testet Aufbauten, so lautet die offizielle Bildunterschrift zu diesem Foto von Engelbert Reineke aus dem Jahr 1980.

Sonntag, 29.01.2012

Karton

Ein Link zu meinem Lieblingsgitarrensolo im letzten Jahr. Und ein Foto (von Erik Goertz) zu meinem Eintrag vom Montag. Passend dazu noch ein Link zu einem Kurzfilm über die Schließung eines sehr alten Ladens in Little Italy: Closing Time (2006 Veronica Diaferia).

Montag, 23.01.2012

Die Kunst des Abschiednehmens

Seit der Laden Ende Dezember schloss, klebt an der Tür ein Text, mit dem sich der Inhaber von seiner Kundschaft verabschiedet. Auch an all die anderen längst verschwundenen, inhabergeführten Geschäfte der Ehrenstraße erinnert Wilhelm Schunk. An die Fischrestaurants, Kneipen, Bars und Spielhallen (im “Old Texas” konnte man für DM 1.00 im Keller eine Stunde Tischtennis spielen!!). Auf bemerkenswerte Weise bestätigt dieser fabelhafte Abschiedsgruß, dass die ehemals attraktive Einkaufs- und Amüsierstraße nun endgültig, mit dem Verschwinden des schönen Sexshops, gestorben ist; doch die Worte sind nicht bitter, sondern voll von lebensbejahendem Stolz auf ein feines Gewerbe. Eine vornehme Aufgabe.