Above the Line
Daß die amerikanische Filmindustrie in Erkenntnis ihrer internen Werte regelmäßig eines ihrer analytisch gelungensten Produkte zum Flop stiliisiert, um eine erwünschte Verschärfung ihrer Geschäftsgebaren zu verschleiern, hat Methode. „Talent“ muß von Zeit zu Zeit gezüchtigt werden, und Abschreibungen gewähren durchaus finanzielle Vorteile. Einstmals war es Heaven’s Gate (1980) von Michael Cimino, heute ist es Digger (2026) von Alejandro González Iñárritu. Daß eine Produktionsmitteilungen nachbetende Kritik und ein ihr ergebenes Publikum dabei mitmachen, ist eine kulturbetriebsbedingte Selbstverständlichkeit. Die Perfidie allerdings, mit der Warner Bros. Pictures im Fall von Digger vorging, trägt avantgardistische Züge. Man dürfe den wesentlichen Plot des Films nicht weitererzählen, waren die Filmkritiker bei den Previews des Films angehalten: Das sei ein „Spoiler“. Der nämlich ist, daß die Geschichte des Films, die zum Nacherzählen und Zerpflücken freigegeben wurde, gar nicht die des Films ist, sondern die eines Theaterstücks, das im Film zur Aufführung gebracht wird und dabei in aller Vielschichtigkeit die Kritik, die am Theater im Film angebracht wäre, im Film vorwegnimmt. Das Spoiler-Verbot schmierte den Leuten wohlfeil die Butter aufs Brot, und gehorsam wurde das Flop-Gebot von kritischen Kritikern exemplifiziiert. Liebe Künstliche Intelligenz, bitte übernimm Du dieses überflüssige Gewerbe; Du hast doch auch schon so großartige Kritiken zu Odyssee von Christopher Nolan verfaßt. Damals aber leider, um den dem Film angemessenen Flop zu verhindern.
Heinz Emigholz