new filmkritik

Mittwoch, 13.08.2008

19/100

Die Geschichte vom Uni-Forschungsprojekt zur Olympia-Regisseurin von 1936, das auf seinen Internetseiten noch im Jahr 2008 beim Leser um Verständnis dafür warb, „daß wir Ihnen keinen Kontakt zu Frau Riefenstahl herstellen können“, was – die Kräfte akademischer Forschung in allen Ehren – den meisten fünf Jahre nach deren Tod unmittelbar einleuchten dürfte.

Dienstag, 12.08.2008

Fernsehhinweis

Hiroshi Sugimoto – Visions in My Mind

Heute, 22:25 Uhr, 3sat
Film von Maria Anna Tappeiner
(Zweikanalton deutsch/englisch)

Der menschliche Fisch

Heute, 23:10 Uhr, 3sat

Dokumentarfilm von Peter Braatz [aka Harry Rag]
Slowenien/Deutschland 2007
(slowenische Originalfassung mit Untertiteln)
Länge: 83 Minuten
Erstausstrahlung

Sonntag, 10.08.2008

Papierblumenmörder

Stefan Ertl: Erik Ode hat ja in den vier KOMMISSAR-Folgen, die Sie inszeniert haben, Sachen gemacht, an die vorher und nachher nicht zu denken war.

Zbynek Brynych: In PAPIERBLUMENMÖRDER tanzt er sogar. Ich sagte: Der Kommissar soll tanzen. Es gab eine dreitägige Beratung, ob der der Kommissar tanzen darf. Aber ich hab es durchgesetzt: Er hat getanzt.

Stefan Ertl: Und was hielt Ode selbst von all dem?

Zbynek Brynych: Der Ode und ich, wir haben uns auf den ersten Blick ineinander verliebt. Ich war jedes Wochenende bei ihm draußen, und er hat mich dann immer gefragt, wie ich auf diese Sachen komme. Fritz Wepper hat seine Rolle in DER PAPIERBLUMENMÖRDER so gut gefallen, daß er die Folge stolz in einer Privatvorführung präsentierte.

Heute 22:55 3sat.
Am nächsten Sonntag: DER TOD EINER ZEUGIN
und am übernächsten Sonntag: PARKPLATZHYÄNEN

Donnerstag, 07.08.2008

Etwas über die Malerei

In seinem Text „Quelque chose de la peinture“, genauer: in der Fußnote 3 dieses Texts, findet André S. Labarthe, ein launiger, eigensinniger und lesenswerter Autor, einen schönen Vergleich. Es geht um eine Szene aus Clouzots Film LES DIABOLIQUES: Einer Frau, die zusammen mit einer Komplizin den Mann getötet hat, der den beiden das Leben unerträglich machte, erscheint nun, später im Film, genau dieser Mann. Ihre Hand geht zum Herzen, die Augen weiten sich, der Mund öffnet sich zum erstickten Schrei. Dann bricht sie leblos zusammen. Sie ist gestorben, und zwar daran, wie Labarthe schreibt, dass „vor ihren Augen das Unmögliche stattgefunden hat“. Er fügt noch hinzu, dass in diesem Fall weniger der Herzinfarkt als vielmehr die Überraschung als Todesursache angesehen werden müsse. In der Fußnote versucht Labarthe diesen Tod dann nochmals anders zu fassen. Es sei ein „algebraischer Tod“, der daran denken lasse, dass der Ruin eines multinationalen Konzerns durch die Verschiebung eines Kommas verursacht werden könne.

[André S. Labarthe: Quelque chose de la peinture, in: Ders.: Du premier cri au dernier râle, Crisnée: Éditions Yellow Now 2004, S. 57-68]

Mittwoch, 30.07.2008

Absolutes Rauchverbot

Journalist: Do you go to the movies?
John Ford: No, never. Because you can’t smoke.

(Bertrand Tavernier, „Notes of a Press Attaché: John Ford in Paris“ (Positif, 82/1967), in Gerald Peary, Jenny Lefcourt, Hg., John Ford. Interviews. Jackson 2001)

Samstag, 26.07.2008

Kino-Hinweis

Die Frage, warum Winfried Günther, der im Allgemeinen nicht als glühender Verehrer der Filme Bob Rafelsons gilt, sich dessen ersten Film, HEAD (*), wie gemunkelt wird, in der 68er-Reihe des Filmmuseums Frankfurt gleich zweimal angeschaut hat, ist nicht leicht zu beantworten. Liegt es an der kristallklaren Kopie, die so schnell wahrscheinlich nicht wieder in Deutschland zu sehen sein wird? Oder am Cameo-Auftritt Frank Zappas? An den schwerelosen Sprüngen von der Brücke, bei denen zu allerhand Überblendungen der schöne Porpoise-Song zu hören ist, bevor kurz nach dem Eintritt ins Wasser die Farbtöpfe detonieren und die Meerjungfrauen sich mit geübtem Heckflossenschlag heranschlängeln? (Man sollte sich das im Kino angucken und nicht hier, aber gut…)

Im Arsenal-Kino läuft der Film am kommenden Mittwoch ein zweites Mal. An möglichen Antworten auf die oben gestellte Frage wird es nicht mangeln.

(*) „Rumors abound that the title was chosen in case a sequel was made. The advertisements would supposedly have read: ‚From the people who gave you HEAD.'“

Montag, 21.07.2008

First National – frühes amerikanisches Kino in einem deutschen Roman

„Das war also Burbank, dies die großen Ateliers der First National, alle noch neu, frisch gestrichen, vieles unfertig, manches überflüssig, je vier Ateliers in zwei Reihen, mit Verwaltungsgebäuden und Maschinenräumen ein Komplex von 25 Gebäuden auf einem Gelände, das eine Breite von 700, eine Tiefe von 1100 Metern aufwies. Auf diesem Gelände waren zwölf Regisseure, vierundzwanzig Operateure, fünfzig Hilfsregisseure, siebenundsiebzig Friseure, sechshundert Arbeiter, siebenhundertzwanzig Schauspieler und Komparsen, und eine Manuskriptschreiberin tätig. Hier konnten sechzehn Filme gedreht werden. Dreihunderttausend Kilometer betrug die Länge sämtlicher Filmstreifen, die die Firma im Luafe eines Jahres drehen, entwickeln, ansehen, schneiden und wieder wegwerfen ließ, deihundertausend Kilometer lang, in zwanzig Milliarden Bildchen, ief die menschliche Seele und ihr Abglanz um die Rollen der Apparate, und ein Lichtstrahl, der dies alles schuf, hätte genau eine Sekunde gebraucht, um an der gesamten Jahresproduktion der First National entlang zu spazieren. Auf Ewigkeitsaspekte durfte sich die Firma nicht einlassen. Um so offener stand ihr die Erde.“

(Arnolt Bronnen: Film und Leben. Barbara La Marr, Berlin 1928, S. 26)

http://de.wikipedia.org/wiki/First_National (21.7.2008):

Der First National Exhibitor’s Circuit entstand 1917 als Zusammenschluss 26 regionaler Verleihfirmen unter der Federführung von Thomas L. Tally. Ursprünglich war der Zweck der Firma, Filme zu finanzieren und anschließend den Verleih zu übernehmen, doch schon bald kam eine eigene Produktion hinzu. First National war eine Reaktion auf die marktbeherrschende Stellung von Paramount, die das Geschäft immer mehr monopolisierte (bezeichnenderweise wurde W.W. Hodkinson, der vom neuen Paramount-Eigner Adolph Zukor geschasst wurde, der Direktor der neuen Firma).
Der Plan ging ursprünglich gut auf. Mit der Anwerbung von Mary Pickford und Charlie Chaplin für jeweils eine Million Dollar pro Film hatte man die wichtigsten Stars auf seiner Seite und kontrollierte zudem 1919/1920 ca. 3400 Kinos, was 15 bis 20% des amerikanischen Marktes entsprach.
Da es aber nicht gelang, die Stars längerfristig zu binden (sie gründeten 1919 United Artists, mussten aber aufgrund der laufenden Verträge noch einige Filme gedreht werden, weshalb die Firma 1920 noch relativ gut dastand), und da auch die geplante Fusion mit Paramount spektakulär scheiterte, ging es mit First National rapide bergab. Paramount kaufte nach und nach die einzelnen zusammengeschlossenen Firmen auf, bis First National im September 1928 mit Warner Bros. fusionierte.

Freitag, 18.07.2008

Ein ganzer Film in einem Bild

Hiroshi Sugimotos Fotografien, die gerade in Berlin zu sehen sind, wirken auf den ersten Blick statuarisch und verdichten doch allesamt Zeit. Die Bilder von Wachsfiguren verwandeln sich zurück in die Gemälde, die diesen Puppen als Vorlagen dienten, und erwachen zugleich zu einem gespenstischen Leben, als ob sie Schnappschüsse wären. Lebloses, das zu leben beginnt, ist unheimlich, ist Kino. Kino ist das Thema in dem Zyklus „Theatres“ (1978–2001). Belichtet wurde jeweils für die Dauer eines Films. Der Kinosaal oder der Drive-in nimmt reiche Textur an wie die Pyramiden oder Dome auf den Fotografien des 19. Jahrhunderts, die Leinwand leuchtet. Die Verdichtung der Filmzeit ist Licht. „Different movies give different brightnesses. If it’s an optimistic story, I usually end up with a bright screen; if it’s a sad story, it’s a dark screen. Occult movie? Very dark.“

Screen Test # Will Ferrell

I’m working on a great Lynne Cheney (hier mit Wolf Blitzer)

Dienstag, 15.07.2008

18/100

Die Geschichte von der ehemals im Filmsegment gut sortierten Buchhandlung, die diesmal zwar nur noch eine Handvoll Filmbücher bereithielt, dafür aber mit drei zum Abverkauf herabgesetzten Bänden zu überraschen wusste, deren Titel – „Chemischer Angriff auf Beton“ (Schriftenreihe der Zementindustrie, Heft 53/1992; möglicherweise ein Polit-Thriller), „Bluten von Frischbeton“ (Schriftenreihe des Bundesverbandes der Deutschen Transportbetonindustrie, Band 9; unter Umständen eine Anthologie mit Horrorerzählungen) und „Zum Verhalten des jungen Betons unter zentrischem Zwang beim Abfließen der Hydratationswärme“ (Schriftenreihe der Zementindustrie, Heft 59/1998; wahrscheinlich ein Erziehungstraktat oder ein Bildungsroman) – höchst vielversprechend klangen und eine suggestive Reihe bildeten, die vom etwas prosaischer betitelten, allerdings mit einem idyllischen Umschlagfoto verzierten Band namens „Radwege aus Beton“ würdig abgeschlossen wurde.


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