new filmkritik

Dienstag, 19.12.2006

1968

„Ernst Schmidt plant eine DRACULA-Verfilmung. Der Film soll 60 Minuten Länge haben. Ist die Geschichte in dieser Zeit noch nicht zu Ende erzählt, wird sie abgebrochen.
Ernst Schmidt sucht DRACULA-Darsteller. Die Rolle soll nicht von einer, sondern von möglichst vielen Personen verkörpert werden.
Darsteller, die sich für geeignet halten und eine 16-mm-Kamera zur Verfügung haben, mögen sich bei Ernst Schmidt melden. Er stellt 1 Rolle 16-mm-Negativ zur Verfügung. Die Darsteller filmen sich selbst in der Dracula-Kostümierung, schicken dem Regisseur das belichtete Material rekommandiert zurück und finden sich dann in dem sehr freien, aber filmischen Remake dieses Stoffes verewigt.
Zuschriften an: Ernst Schmidt, A/1180 Wien, Gentzgasse 130/3, Österreich.
PS. Weibliche Cinéasten können auf Wunsch auch die Rollen der Mina oder Lucy verkörpern. Auch Kritiker sind herzlichst eingeladen sich zu beteiligen. Sie können so günstig die Praxis des Filmens kennenlernen.
Wien, im Mai 1968“

[film, Juli 1968, S. 6, Rubrik „Nachrichten“]

„It was finally released on DVD this year to little fanfare – so little that Norton didn’t know of the release until I contacted him. In a final indignity, the packaging was adorned with this supremely backhanded compliment from critic Leonard Maltin: ‚Suprisingly good‘.“

Über Bill Nortons „Cisko Pike“ (USA 1972). Sean Howe: The Celluloid Time Capsule, in: Los Angeles Times, 28. Mai 2006.

Kinohinweis, Konzerthinweis

Passt zum vorherigen Posting: Im Arsenal in Berlin werden in den nächsten Tagen drei Programme mit Filmen von Ken Jacobs gezeigt, darunter sein in der Endfassung 440 Minuten langes Epos „Star Spangled to Death“ (USA 1956-60/2003-04; Samstag, 23.12., 16.00 Uhr). Ausserdem der Klassiker des filmanalytischen Forschungsfilms, „Tom, Tom, the Piper’s Son“ (USA, 1969; Donnerstag, 21.12., 19.00 Uhr im Kino 1) und morgen (Mittwoch, 20.12., 19.30 Uhr) ein Programm, aus dem ich lediglich „The Doctor’s Dream“ von 1978 kenne. Darin wird ein US-Fernsehfilm um einen Landarzt von der Mitte ausgehend nach mathematischen Gesichtpunkten hin Richtung Anfang und Ende neu montiert (wenn ich mich richtig erinnere). Was dabei entsteht (mit dem Film, gegen den Film) ist ziemlich erstaunlich und spricht nicht für den Arzt. „So sind die Leute in meiner Gegend. Immer das Unmögliche vom Arzt verlangen. Den alten Glauben haben sie verloren; der Pfarrer sitzt zu Hause und zerzupft die Meßgewänder, eines nach dem andern; aber der Arzt soll alles leisten mit seiner zarten chirurgischen Hand.“ (Kafka)

Nochwas: Heute abend spielen „The Red Krayola“ in Berlin. Widersprüchliche Angaben, wann und wo, die verläßlichste scheint mir die folgende zu sein: 21.00 Uhr, Roter Salon.

Montag, 18.12.2006

obama/santos

What’s next?

fernsehhinweis

BUDDY – DER WEIHNACHTSELF
(Elf, 2003, mit Will Ferrell, Regie: Jon Favreau)
auf Sat1
Mo 20:15

Sonntag, 17.12.2006

Veranstaltungs- und Texthinweis

Pirate Cinema
Second Season
First Episode

Sunday, December 17, 8 pm
Tucholskystr 6, 2nd Floor
Main feature begins at 9 pm

Zidane, a 21st Century Portrait
Douglas Gordon, Philippe Parreno
2006, 91 min, 700 MB

One Minute Psycho
Douglas Gordon
2006, 1 min, 10 MB

24 Hour Psycho
Douglas Gordon
1993, 1440 min, 2 GB

Free entry
Cheap drinks
Copies to go

Und wo wir schonmal bei Kunst und Kino sind: Hier steht etwas zu Matthew Barney, großen Säugetieren und anderen Schwellkörpern.

Freitag, 15.12.2006

fernsehhinweis

Heute Nacht läuft im WDR um 0:40
der Kölner-Gruppe-Klassiker
TOUR EIFEL
von Christian Mrasek und Rainer Knepperges
aus dem Jahr 2000.

Doch, wirklich.

Montag, 04.12.2006

Weerasethakul

Destroy Dirty Things
Syndromes and a Century /Sang sattawat (Apichatpong Weerasethakul) TH/F/AU 2006

Autonom kreisende Kamerabewegungen, sanft, musikalisierend, weit weg vom neuen sensomotorischen Klischee des Weltkinos, der Plansequenz. Überhaupt: die Arbeit an Bildtypen der Immanenz und wie sich Deleuze als Stichwortgeber aufdrängt: „die absichtlich schwachen Verbindungen, die Form der balade„, die hier primärer Artikulationsmodus des Bildes ist und nicht mehr an Figurenbewegungen der Desorientierung zurückgebunden werden kann. Weerasethakul ist auch deshalb Primus inter pares des Weltkinos, weil seine Filme Vorzeigeprodukte einer sich mittlerweile formiert habenden neuen politischen Ökonomie sind: Anna Sanders meets New Crowned Hope, Marco Müller gibt den vanishing mediator; Sellars: „Wenn Mozart heute leben würde, wäre er gewiss ein Filmemacher.“ Die Mischung aus perversem Kunstthemenparkgeld, neokolonialer Subvention (Fonds Sud Cinéma: „au service de la diversité culturelle“) und international gut vernetzten Arthouse-Playern (Fortissimo) ist hierfür paradigmatisch. Beispielhaft auch der an Edelprojekten dieser Art freilich nicht beteiligte World Cinema Fund – eine Kooperation der Kulturstiftung des Bundes und der Berlinale („…Filme, die mit einer ungewöhnlichen Ästhetik überraschen, die starke Geschichten erzählen und ein authentisches Bild ihrer kulturellen Herkunft vermitteln.“). Man müsste über die Schnittstellen der diese Kapitalflüsse ermöglichenden und kontrollierenden Agenden nachdenken. Die letzten zehn Minuten von Syndromes and a Century sind irrsinnig gut. Da gibt es plötzlich ein schwarzes, nebelabsorbierendes Loch im Bild; ein radikales Nichts – nicht Off – im On. Korrespondierend dazu: die namenlosen, in vorsichtig-gleitenden Bewegungen umkreisten Statuen offizieller Staatskultur, ihrer geschichtspolitischen Funktion prekär entkleidet. Es gibt eine Verbindung, vielleicht, zwischen den oral history-Fabulationen aus Mysterious Object at Noon und der entrückten Geschichtsrepräsentation und eingerasteten Gegenwart in Syndromes and a Century. Irgendwann wäre auch darüber zu sprechen, inwiefern Weerasethakul letztlich das Barney-Projekt invertiert, indem er trotz aller Rhetorik des Skulpturalen, des Installierbaren, des narrationsfrei Genießbaren genuine Formtraditionen des Kinos komplex tradiert, sie vor anbiedernder Verfransung/Entgrenzung bewahrt und falsche Eingemeindungen – Kunstkontext my ass – auf Dauer erschweren wird.

Dienstag, 28.11.2006

hinweise

* Minutentexte. The Night of the Hunter > Veranstaltungen in Berlin (Freitag, 1.12.2006 im Arsenal) und Hamburg (Dienstag, 5.12.2006 im Metropolis)

Montag, 20.11.2006

Children of Men (Alfonso Cuarón) UK/USA 2006

Das Amalgamieren pessimistischer Lesarten der Gegenwart fügt sich in diesem Film nicht zu erwartbaren zeitdiagnostischen Rhetoriken. BSE, Klimakatastrophe, Homeland Security, Abu Ghraib tauchen in Emmanuel Lubezkis transparentem Handkamera-Gewebe auf und gleich wieder ab – als träumte jemand die schlechtesten Meldungen der letzten Jahre und verstünde nicht. Dennoch raunt der Film kaum; das Vordiskursive der visuellen Kultur ist ihm Material genug. Found-Footage-Paraphrasen dieser Art sind eine Option des Kinos, das benachbarte mediale Feld einer sortierenden Lektüre zu unterziehen. Wie abwesend die Plotmaschine da ist, wie ostentativ leer der religiöse Überbau, wie präsent Clive Owen Müdigkeit spielen kann. Der Tod Michael Caines, die brutalste Totale seit langem. Das Schlussbild: ein Triptychon aus drei verwirrten Lichtern. Je vous salue, Marie – ein Boot im Nebel und Josef ist verblutet.


atasehir escort atasehir escort kadikoy escort kartal escort bostanci escort