TV-Tipp: „Wolfsburg“, arte, 20.45h
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Bald, demnächst, irgendwann (wenn der Kopf freier ist und die Augen offener als jetzt), vielleicht nie, möchte ich etwas über dieses Bild schreiben und über den Film, aus dem es kommt:
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Vorher wäre herauszufinden, was genau mich daran anspricht. Es wird mit der Art und Weise zu tun haben, wie der Mann hier an einem Tisch sitzt und schreibt. Ein Brief entsteht, seine Hand bewegt sich erst flüssig, dann zögerlich, die Zeilen werden von einem kurzen Innehalten und Zur-Seite-blicken unterbrochen. Ein Augenblick der Sammlung, dann wieder Sätze. Aus dem Text, den er schreibt, genauer: aus der Schrift (wird man später erfahren), versucht der potentielle Arbeitgeber, an den sich sein Schreiben richtet, den Menschen herauszulesen. Er will das, was hier als Erzählung ins Bild gebracht ist, zurückübersetzen, als könne aus der Art der Linienführung, dem Druck, mit dem der Stift auf das Papier aufsetzt, der Enge oder Weite der Bögen, das Abbild vom Menschen rekonstruiert werden.
So klar dieses Bild erscheint und so einfach, habe ich doch den Eindruck, dass darin mehr steckt, dass es eine Diagnose enthält und man in ihm das Interesse eines Forschers erkennen kann. Aber was wird untersucht, auf wen bezieht sich die Diagnose? Arbeitsverhältnisse an der Schwelle zwischen den Siebziger und den Achtziger Jahren, damals, als man ein Bewerbungsschreiben noch mit der Hand verfasste? Verzweifeltes Ineinanderdenken von Existenz und Schrift, wie es im Jahrzehnt nach 68 Konjunktur hatte (wie man nachlesen kann)?
In diesem Bild etwas auszumachen, das auch schon den selbstgewählten Tod des Regisseurs ahnen lässt, der es ausgedacht und inszeniert hat, würde zu weit gehen. Trotzdem ist es für mich ein melancholisches Bild.
Vor ein paar Tagen, beim Schnelltippversuch, hier zu landen, stattdessen hier gelandet. One letter less that makes all the difference. Fast gleiche Adresse, deutlich andere Bewohner. Welcher Glauben da wohin umgelenkt werden soll. Grabtuch und Leinwand. Ans Kino glauben. Meine Lieblingskategorie: „Spiritual Warfare“. „Unsaved look like saved“ und „Voice of Satan“ klingen allerdings auch nicht schlecht. Zutiefst unklar, was das ganze mit Filmkritik zu tun haben könnte; der einzige Satz, den ich bislang in der Richtung ausfindig machen konnte: „Since it has been said that a picture is worth a thousand words, perhaps the best way to reflect a portion of the ministry is through pictures. See Ministry photos.“
Irgendwo in den unten angeführten Blogs war vor Tagen vom ‚Schanelec-Kameramann Reinhold Vorschneider‘ die Rede. Dazu:
Als Mick Jagger bei der Vorstellung der Bandmitglieder der Stones den Drummer mit den Worten einführte: – und das ist mein Drummer – hat der Drummer ihm sofort einen vor den Latz gehauen.
![]() R. Avedon, Luchino Visconti (hastig aus einem Band mit 60er-Jahre-Arbeiten herausphotographiert, die Spiegelungen bitte wegdenken) |
![]() In Salzburg (Photo: A.v.Schönburg; Cinetext; respektvoller Artikel in der Süddeutschen von heute) |
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Werkschau Louis de Funes – im Filmclub 813 in Köln
Zu entdecken: Gesicht und Körper eines Mannes, der in komplexester wie dümmster Situation stets ein – und zwar genau ein einziges – Gefühl ausdrückt, in unnatürlich kurzem Abstand aber dann das nächste, ganz andere, ebenso scharf akzentuiert. Und zwischen den Attacken seines pur artifiziellen Spiels – das Wunderbarste: die Pausen, um deren Bedeutung er weiß, und die er deshalb mit reiner Leere füllt.
Informationen unter Filmclub813.de
Ein Zitat:
„Es ist unsinnig, eine vorgeformte Mythologie, fertige Vorstellungen von den Dingen zu haben und das abzumalen statt der Wirklichkeit, Einbildungen statt dieser Erde.
Die falschen Maler sehen nicht diesen Baum, Ihr Gesicht, diesen Hund, sondern den Baum, das Gesicht, den Hund. Sie sehen nichts.
Nichts ist jemals dasselbe.
Ihnen schwebt immer ein eine Art feststehender, nebelhafter Typus, den sie einer den anderen weitergeben zwischen ihren Augen – haben sie denn Augen? – und ihrem Modell.
Es ist wie mit den Leuten, die sich für anständig halten, weil sie dem Gesetz gehorchen. Der anständige Mensch hat kein Gesetzbuch im Blut.“
PAUL CÉZANNE, „Gespräche mit Gasquet“.
Zitate entnommen aus „Cézanne“ von Jean Marie Straub/Danielle Huillet (1989).
„Möglicherweise nämlich ist der Kinofilm die einzige gesellschaftliche Technologie, die es erlaubt, 100 Millionen Dollar, einen äußerst laborierten Maschinenpark und die arbeitsteilige Aktivität mehrer tausend Beteiligter in einem einzigen Text von 90 Minuten Länge zu komprimieren; einem Text, der auf dieser Basis so attraktiv ist, dass er ein Massenpublikum anzieht, das ihn refinanziert. Der Film selbst ist, so betrachtet, das Nadelöhr, durch das die gesamte Anstrengung hindurch muss; die genannten Ressourcen werden im Produkt kondensiert, um sich dann – technisch reproduziert – an die Massen zu verteilen.“ (Hartmut Winkler: Diskursökonomie. Versuch über die innere Ökonomie der Medien, Frankfurt / Main: Suhrkamp 2004, S. 35)
zu ästhetischen Verfahren der Filme
Elephant / Gus van Sant
La fille seule / Benoit Jacquot
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie:
Schwebung
Schwebung bezeichnet die Resultierende der additiven Überlagerung zweier sinusförmiger Schwingungen, die sich in ihrer Frequenz nur wenig voneinander unterscheiden.
Empirie
Die Schwebung beschreibt den Eindruck, statt zweier zusammenklingender Töne einen Ton zu hören, dessen Frequenz der mittleren der beiden Töne entspricht und dessen Lautstärke durch die Differenz der Frequenzen der beiden Obertöne moduliert wird. Übersteigt der Frequenzunterschied ca 20 Hz, vernimmt man einen Ton rauer Klangfärbung, der sich bei weiterer Vergrößerung der Frequenzdifferenz in zwei Einzeltöne aufspaltet.
Wäre das Ohr ein idealer Frequenz-Zerleger, sollte diese Modulation gar nicht auftreten. Eine lineare Überlagerung zweier Frequenzen erzeugt keine neuen Töne (s.a. akustische Täuschung. Nichtlinearitäten des Gehörs erzeugen Differenz-Töne, die objektiv nicht vorhanden sind. Akustische Täuschung).