new filmkritik

Sonntag, 18.01.2004

pitching

Ein Beitrag zum Verständnis deutscher Fernsehredaktionen und Filmförderungsgremien

pitch 1. tr errichten, aufstellen; (Zelt) aufschlagen; werfen, schleudern, stoßen; aufladen; festsetzen, -legen; (e-n Trumpf) machen, bestimmen; mus (Ton) angeben; (Instrument) stimmen; fig. (Erwartungen) hochschrauben; Am sl auf der Straße verhökern, anpreisen; (e-e Party) geben; itr ein Lager aufschlagen, Stellung beziehen; der Länge nach hinfallen, hinschlagen; verfallen (on, upon auf); (aus)wählen (on, upon s.th. etw); sich festlegen (on, upon auf), sich entscheiden (on, upon für); vornüberneigen, -kippen; (to – down) aero abkippen; (Schiff) stampfen, fam herfallen, sich hermachen (into über); (mit Worten) fertigmachen (into s.o. jdn); Am sl als Straßenverkäufer tätig sein, sich ins beste Licht setzen, übertreiben, aufschneiden; to – in (fam) sich schwer ins Zeug legen, sich tüchtig ‚ran, an die Arbeit machen; loslegen, zupacken; to – out hinauswerfen; to – upon sich entscheiden für; …
2. s Pech n; tr verpichen; mar teeren; who touches – shall be defiled (prov) wer Pech angreift, besudelt sich; as dark as – schwarz wie die Nacht; mineral – Erdpech n; –black pechschwarz; –blende Pechblende f; –dark stockfinster; – pine bot Pechkiefer f; -y mit Pech beschmiert; pechartig; pechschwarz.

Samstag, 17.01.2004

langtexthinweis

Auf der Langtextseite-
Ekkehard Knörer: Philippe Garrel, Elle a passée tant d’heures sous les sunlights, 1984

Freitag, 16.01.2004

Back from the dead

Ab heute zurück in der Berliner Kinolandschaft: Zeughauskino im Deutschen Historischen Museum, Unter den Linden. Bis März ist dort vieles aus dem hauseigenen Archiv zu sehen und unter dem Titel „Dreh in diesem Dorf. Geh nicht nach Paris“ stehen Filme von und nach Harun Farocki auf dem Programm. Darunter vor allem The Artists sometimes filed under „Berliner Schule“ und solche, die hier schrieben oder schreiben bzw. dafür gesorgt haben, dass hier geschrieben werden kann.

Donnerstag, 15.01.2004

Die populärste Kunst

„Seitdem hat sich mein Leben etwas vom Kino entfernt, abgesehen von den wertvollen Momenten, wo es nachwievor die Rolle der reinen Emotion des Ausweichens spielt. Wenn ich in New York oder Californien bin, sehe ich unzählige amerikanische Filme, oft wahllos aber auch die Filme, von denen man spricht, (car je suis tres bon public). Das ist der Moment, wo ich die Freiheit und die Möglichkeit habe, diesen mir so wichtigen populären Bezug zum Kino zu finden.“

Gespräch der Cahiers mit Derrida von 2001, in deutscher Übersetzung auf Peter Krapps Derrida-Site.

[via filmforen]

Mittwoch, 14.01.2004

Karinas Flaum

WIR„, Martin Gypkens, D 2003, 100 min.

MonGay Preview in München. Die Kinolüftung packt die Parfümmenge nicht. Sogar das einzelne Werbefilmchen zuvor kompatibel: Regenbogenkampagne für Schwulensport.
Daß sie keinen Dialekt hatten, z.B. die Aachener, daß im Callcenter die Schalldämmwände zu niedrig sind, als daß die großen Kinder, die dort jobben, sich nicht drüberweg angucken und unterhalten könnten – beim Sehen hab ich mich gefragt, ob sowas der Erinnerungsstoff sein würde, den ich ein Zeitlein vom Film behalte.

wir.jpg

Eine Frau (Karina Plachetka) hat eine Zahnlücke und ruft mir einen Film von Les Blank (Gap-Toothed Women,1987) ins Gedächtnis, der sich im Nachweis versucht, daß die Lückenhaften besonders lustvoll seien. Diese hier ist die Pechmarie, weil sie nicht loskommt vom Bi-Freund, der nie zurückruft. Auf ihr liegt ein Schatten, wie der dunkle Flaum auf ihrer Oberlippe. Sie täte ich gerne öfter sehen.
Ein Blondschopf, der zum Glück nach Indien abhaut und erst gegen Ende wieder auftaucht, kaut expressiv auf seinem Mundwinkel. Sounddesign aus Weckernölen, Telefonklingeln, Clubmucke. Ambitionen der Filmleute, des tapetenversessenen Ausstatters und der Absolventen der Ernst-Busch-Schauspielschule. Gelegenheit zwangsläufig, die Gesichter anzugucken und nach vorne gewuschelte Haarschnitte, auch das Öffnen einer Olivenplastikschale und die kauende Stoppelbacke in einer Nahen.
Eine regiegeschulte Situationsverwicklung ist es, als eine der WG-Frauen, die gelegentlich einen Vögelfreier holt, diesen nach getaner Arbeit entlassen, er aber bleiben möchte, es zur Ohrfeige kommt, der Sich-mißbraucht-vorkommende sogar weiterprügelt; dann stoßen der Bi-Mann und sein Schwulfreund dazu, und der Bi prügelt den Prügler.
Vor der Wende wurden die Wägen auf dem Avus ausgefahren, hieß es einst. Jetzt passieren tödliche Unfälle auf der Strecke Potsdam-Berlin. Was ich nicht vermisste, ist der sinnvolle Gesamtzusammenhang.

Sonntag, 11.01.2004

kino hinweis – godard sagt irgendwo, das universum des kinos könne man sich auch als eine linie vorstellen. an deren einem ende fände man die filme von straub/huillet. sie seien wie einatmen. am anderen ende der linie seien die filme von philippe garrel. sie seien wie ausatmen.

Arsenal/Berlin – Dienstag 13.1.04 – 16:00 Uhr
Elle a passé tant d’heures sous les sunlights (Frankreich 1984)

Samstag, 10.01.2004

* GreenCine Daily

Freitag, 09.01.2004

Selbstbeobachtung

Je mehr ich über „Lost in Translation“ lese, desto ärgerlicher finde ich den Film. Allerdings ist kaum entscheidbar, ob sich die Verärgerung tatsächlich auf den Film bezieht oder auf die schleimig-anbiedernde Art, in der darüber überall geschrieben wird. Beides lässt sich nicht voneinander trennen, und selten ist mir das so deutlich gewesen wie in diesem Fall. Der Tonfall, dieses Devot-Verzückte darin, legt sich rückwirkend über die Bilder und meine Erinnerung daran. Das ist – unterschätzte Banalität – ein üblicher Mechanismus: dass sich Geschriebenes und Gesagtes in bestimmten Mischungsverhältnissen mit dem Film verbinden und Kino / Erinnerung / Text schnell zu einem schwer bestimmbaren Amalgam werden. Vielleicht sind die Polaritäten hier nur stärker ausgeprägt. Bei „Lost in Translation“ jedenfalls weckt die hymnische Einhelligkeit auch Zweifel am eigenen Blick: mir hat einiges in dem Film gefallen, aber das wird durch die Soße, in die es jetzt diskursiv getaucht wird, regelrecht entwertet. Und Filme, die allerorten solchen Enthusiasmus entzünden, sind mir ohnehin suspekt. Am meisten nervt die „gelungene-Komoedie“-Leier, denn genau davon habe ich – wie es mir schien: um den Film gegen sich selbst zu verteidigen – schon im Kino versucht soweit es ging abzusehen. Oder jedenfalls das Komödienhafte doch wohl bitte nicht in Coppolas how-low-can-you-go klischeehaftem Japanbild finden zu wollen, aus dem sie ein paar drittklassig-stereotype Voraussagbarkeiten herausschlägt. Sehr angenehm daher Urs Richters Gegenangriff gegen „Sofia Coppolas dummen Zweitling ‚Lost in Translation'“, der einen Teil der Aggression über dem Film ausgießt, die sich bei mir eher als stiller Unmut angesammelt hat. Das heisst nicht, dass ich mit allem übereinstimmte (vielleicht bin ich inhaltlich sogar an ein paar Stellen grundsätzlich dagegen), aber als Geste finde ich es genau richtig – so wie Dieter Roth in einem Gespräch mit dem Schweizer Fernsehen einmal plötzlich völlig out-of-context gegen Wittgenstein („weil der sonst immer so gelobt wird von allen“) zu schimpfen beginnt: „das perfideste Arschloch, das je auf der Erde herumgelaufen ist“ (oder so ähnlich). Dann wendet er sich, sichtbar alkoholisiert, aber mit einer schönen Kinderfreude im Blick, an die Interviewerin und fragt: „Können Sie das senden?“

request We’ve been disheartened by the number of film critics who are putting Abbas Kiarostami’s Ten on their Best of 2003 lists. Kiarostami’s remake pales in comparison to Blake Edwards‘ 1979 original. Recasting the Dudley Moore character as a child and making him the son of the leading lady drastically alters the plot of the movie, and while we understand Kiarostami’s need to deal with his nation’s censors, shifting the location from the beaches of Acapulco to the automobile interiors of Iran gives the movie an entirely different tone. The only thing the remake manages to do that the original did not is provide a snapshot of contemporary Iranian life, which is irrelevant. As a sexy romantic comedy, it fails nearly every metric. We therefore would like to encourage film critics to review the source material before once again heaping unjust praise on an unfocused film from Iran.

* aus: Errata: Archive of Regret (siehe auch das lesenswerte weblog: errata: commentary track)

Donnerstag, 08.01.2004

Movie Mutations
„Some of the early chapters, such as the dialogues with Abbas Kiarostami in Chicago in 1998 and with Shigehiko Hasumi in Tokyo in 1999, followed by various email exchanges between others over the next three years, were generated specifically for the book, while some others – such as Kent’s essay on Tsai Ming-liang, pieces of mine about the Rotterdam Film Festival and The Circle, and your own reflections about international musicals – were initiated independently of the book, but then became integral parts of it by suggesting new yet related avenues to follow.“

Jonathan Rosenbaum und Adrian Martin im Gespräch, das den ersten Teil eines gemeinsamen Buches über das internationale Kino oder genauer: die neue Wahrnehmung des internationalen Kinos ausmacht.


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