new filmkritik

Freitag, 04.06.2010

Hinweis

* Spuren eines dritten Kinos – Filmreihe, Zeughauskino Berlin, Juni 2010
* The Canine Condition – Projekte, Netzseite, Weblog

Donnerstag, 03.06.2010

Fronleichnam


Constance Dowling und June Vincent, Black Angel, Roy William Neills letzter Film, 1946

Joe Dante: „I’ve been a Roy William Neill fan ever since I saw Frankenstein Meets the Wolf Man, with its long swooping takes and striking use of foreground compositions. Then I discovered his Sherlock Holmes movies, The Black Room and the rest. I even named a character after him in The Howling. Definitely an underrated filmmaker, well worth the critical reappraisal he never got!“ *

The Black Room, 1935. Es geht um Zwillinge, denen ein blutiges Schicksal prophezeit ist.
Boris Karloff in einer Doppelrolle. Ein Film voll von Spiegeln.
Katherine DeMille singt: „Sweet music from nowhere / you never know where / love will start.“
Karloff sagt daraufhin, während er eine Birne isst: „A pear is the best fruit. Lots of juice in a pear. Adam should have chosen a pear.“


Es gibt viel zu staunen: „The black room. It is black.“


Frankenstein Meets the Wolf Man, 1943

Der Tod wird kommen, und er wird deine Augen haben.
Das wird sein wie das Aufgeben eines Lasters,
als erschiene im Spiegel
ein totes Gesicht
(Cesare Pavese, 1950; geschrieben für Constance Dowling)


The Spider Woman, 1944, Gale Sondergaard und Basil Rathbone, ebenbürtige Gegner.
Toller Film, sehr sexy…

Ein flüchtiger Blick auf die 108 Titel umfassende Filmographie von Roy William Neill (1887-1946) macht auf einige Titel besonders neugierig: The Man From M.A.R.S. (ein 3-D Film von 1922), The Menace (1932; Horrorfilm, der auf einer Halloweenparty endet), Black Moon (1934; Voodoo-Film mit Menschenopfern), Mills of the Gods (1934; sensationell kämpferischer Depressionsfilm), Doctor Syn (1937; der nachtaktive Schurke ist am Tage Vikar), und so weiter…

Mittwoch, 02.06.2010

Filmroman

„Was heißt das denn, wenn sich eine Gruppe Leute am allermeisten für Film interessiert – mehr als für die Mitmenschen, mehr als für Essen und Schlafen? Wir, dachte ich damals, als das alles losging, sind eigentlich kaputt, verdreht. Wenn man uns eine Weile zuschaut, wie wir uns so als Zuschauer mit nachtwandlerischer Eleganz jedem Versuch entziehen, uns in die Welt außerhalb des Films zu verstricken, kommt man zu dem bedrückenden Ergebnis, wir könnten überhaupt nur Aufmerksamkeit spenden, etwas wahrnehmen, einfach: hingucken, wenn wir durch eine Kamera, auf eine Leinwand oder einen Bildschirm schauen.“

Wer noch nicht auf Ekkehard Knörers Empfehlung (für CARGO) gehört hat: Dietmar Daths Filmroman„Sie schläft“ hält einige unbequeme Zerrspiegel bereit, für dich und mich.

Edition Phantasia, 253 Seiten, 20 €

Dienstag, 01.06.2010

CP65 SRD Surround Verzögerung / Popcornkessel hängt nicht gerade

Leuten, die mit technischen oder mondäneren Problemen des Kinobetriebs konfrontiert sind, werden im Forum von filmvorfuehrer.de Wege gewiesen, Abhilfe zu schaffen. Darüber hinaus findet das produktionsästhetisch interessierte Publikum dort allerlei Aufschlussreiches: von Nachrichten aus der Kino-Ökonomie und -Technik zu so kenntnisreich wie erbittert geführten Diskussionen über digitale Restaurierungen, oder aber der ausführlichen Erörterung der Pausenfrage bei Avatar.

Montag, 31.05.2010

Samstag, 29.05.2010

John Ford – ganz weit vorne

In CHEYENNE AUTUMN (John Ford, 1964) gibt es eine frühe mediale Kommunikation, die das iPad gewissermaßen vorweg nimmt. Richard Widmark schreibt auf die Schultafel die Zeile: WILL YOU MARRY ME? – Diese Nachricht ist an die blonde Quäkerin, gespielt von Deborah Wright, gerichtet, die den Cheyennekindern die lateinischen Buchstaben zu vermitteln sucht. Später wird sie ihm an gleicher Stelle eine Botschaft hinterlassen, die besagt, dass sie ihren Platz bei den Indianern sieht.

BETEN – DIE FLATRATE ZU GOTT.
Werbezeile an der Hausfassade einer freikirchlichen Gemeinde. Zu sehen war sie vor ca. 2 Jahren aus der S-Bahn heraus in der Nähe der Bahnhöfe Holstenstraße/Sternschanze, Hamburg.

Als ich heute Nachmittag beim Aufräumen eine Freikarte vom fsk fand, erinnerte ich mich zum Glück an Simons Cargo-Eintrag nebenan. Auch ich schreibe gerne vom Soundtrack, wiewohl der das Geringste ist an »Le père de mes enfants«. Jedoch: Ein Film, der mit Musik von Jonathan Richman beginnt! [Hier: »Egyptian Reggae« (youtube); zuletzt: »There’s Something About Mary« (USA 1998) (youtube).] Vor ein paar Tagen hatte ich etwas gelesen zum Unterschied der Todesauffassungen bei Montaigne und Pascal. Für Pascal bleibe der Tod eine außerordentliche Ungeheuerlichkeit. Bei Montaigne sei er das integrative Ein und Alles der Lebenslehre (»Philosophieren heißt, Sterben lernen«). Mia Hansen-Løves Film «Le père de mes enfants» folgt deutlich – und manchmal fast widerwillig – Montaigne. Ich muss deshalb Gerhard Middings Text im tip freundlich widersprechen, denn dieses montaignische Grundempfinden unterscheidet den Film von Claude Sautets großem pascalschen Firmen- und Moralitätszusammenbruchsfilm »Mado« (Frankreich 1976). Das Unausweichliche ist dort immer schon da und ein Skandal. Beim »Vater meiner Kinder« ist das anders, weil der sich von Beginn an dem Fluiden, Wechselhaften verschreibt. Sein szenisch wohlgesetzter Impressionismus ent-skandalisiert das andauernde Weitermachen, ohne dies vitalistisch zu verkitschen. Wie die Kinder dem Liquidator die Hand geben, »au revoir, Monsieur Liquidator«, schien mir in dem Moment ein kluges Wort zum katatonischen Ökonomie-Terror der Texte und Reden der letzten Monate. Und überhaupt diese luftige Skizzenhaftigkeit die ganze Zeit, die ich zuletzt so schön (wohl leuchtend, aber ein Leuchten ohne Pathos, weil in Dynamik, Beweglichkeit, Alltagsbezüglichkeit gedacht) wirklich bei Assayas (»L’heure d’été« (Frankreich 2008), »Fin août, début septembre« (Frankreich 1998)) gesehen hatte. Kamera: Pascal Auffray. Schnitt: Marion Monnier. Auf dem Rückweg über die Oranienstraße kamen mir unheimlich viele Jugendliche mit neonfarbenen Strumpfhosen entgegen.

Freitag, 28.05.2010

Langtexthinweis

* Johannes Beringer: Filme von Pierre Zucca

Filme von Pierre Zucca

Von Johannes Beringer

Ein ‚coffret’ mit 4 DVDs ist erschienen – womit ein Teil des Werks von Pierre Zucca (1943 – 1995) vorgestellt wird. Zucca war ‚photographe de plateau’ – also Standfotograf am Filmset (zuerst 1963 bei Judex von Franju, dann bei Rivette, Truffaut, Chabrol, Malle, Eustache und anderen) –, aber erst jetzt wird so richtig klar, welcher Cineast aus eigenem Recht Pierre Zucca war. Auch in Frankreich scheint diese Ansicht sich erst in letzter Zeit durchgesetzt zu haben (der ‚coffret’ ist 2007 erschienen) – nun setzt man seinen Namen, was die Regisseure der ‚Post-nouvelle-vague’ betrifft, etwa neben den von Eustache. Einige Cineasten scheinen jedoch Zuccas Können und Zugehörigkeit zum Metier schon länger geschätzt zu haben – so vor allem Eric Rohmer, der bei Zuccas Beerdigung das Wort ergriffen und auf das Unterschätzte seiner Filme hingewiesen hat. (In einem englisch geführten Interview vom 26. Juni 2009 spricht Rohmer auch davon, dass sein Film Les amours d’Astrée et de Céladon, nach Honoré d’Urfé, 1568 – 1625, auf einen Vorschlag von Zucca zurückgehe, der diesen Stoff den ‚Films du Losange’ angeboten habe. Zucca habe jedoch auf die Realisation verzichten müssen, weil der Produzentin Margaret Menegoz das Projekt als zu kostspielig erschien.)

Zwei Filme (mindestens) gibt es in diesem ‚coffret’, die absolut bizarr sind: einmal Roberte von 1978 (Farbe, 100 Minuten) nach dem Buch von Pierre Klossowksi und mit Klossowksi selbst in der Hauptrolle, dann auch Le secret de Monsieur L von 1985 (Farbe, 59 Minuten) mit Michel Bouquet, Pierre Arditi und Irina Brook (der Tochter von Peter Brook). Letztere ist ‚Agathe’, ein ‚optisches Phantom’, denn das Ganze spielt sich in der Villa eines Erfinders ab, der Bilder dreidimensional von aussen (zum Beispiel von der Strasse vor dem Haus) nach innen projizieren kann. Der Film, der Plot ist ein optisch-akkustisches Verwirrspiel, das sich aber Gerätschaften bedient, die real sind oder real da gewesen sein müssen … denn sie werden ja vom Hausherrn Bouquet alias Victor Lumen vorgeführt. (Eine Phantastik, die nichts mit Kopierwerktricks und dergleichen zu tun hat, sondern ganz auf die Materie Film und auf die reale Augentäuschung abstellt.) Das Besondere ist, dass das Phantom Agathe, in das sich der von Arditi gespielte Journalist und TV-Moderator natürlich verliebt, nicht ‚erlöst’ werden kann – obwohl es selbst Zeichen gibt, dass es aus dieser ‚Parallelwelt’ herauswill. (Keineswegs ein weibliches ‚Doppelwesen’ wie in dem sehr altdeutschen, aber technisch avancierten Phantom von Murnau von 1922.)

Und Roberte, mit diesen klossowskischen Fetischen und Ritualen und dem durchaus anwesenden politischen Subtext, ist wieder ein ganz anderer Fall – ein Film, der, wie gesagt worden ist, der Vorlage nichts von ihrem Befremdlichen und ihrem Hermetismus nimmt. (Ich kann hier noch anfügen, dass die Übersetzung von „Die Gesetze der Gastfreundschaft“, 1966, in den besten deutschen Intellektuellenköpfen ein durchaus produktives Rumoren provozierte. Das Buch beruht auf der klossowskischen Trilogie: „Les Lois de l’hospitalité – La Révocation de l’Édit de Nantes / Roberte ce soir / Le Souffleur“, 1959, 1953, 1960.) Dann soll noch erwähnt sein, dass neben Klossowski und seiner Frau, Denise Morin-Sinclaire (= Roberte), ein ganz jung und studentisch aussehender Frédéric Mitterand hier einen Auftritt als ‚Bankangestellter’ hat, ebenso sind zu sehen Barbet Schroeder, Michel Berto, Juliet Berto, Max Berto, Jean-François Stévénin, Daniel Schmid u.a. (Ein früherer Film von Pierre Zucca nach Klossowski, La Cage de Pierre, 1968, 35 Minuten, auch bekannt als La Gouvernante abusive, ist in dem ‚coffret’ nicht mitenthalten.)

Nach der Ansicht von Vincent mit l’âne dans un pré (et s’en vint dans l’autre) von 1975 (Farbe, 102 Minuten) ist mir plötzlich klar geworden, woher Fabrice Luchini seine doch ziemlich outrierte Art des Spiels haben könnte – nämlich von Michel Bouquet, der hier seine schauspielerischen Exzentritäten oder Verschrobenheiten zelebriert und zudem Luchinis Filmvater ist. Der Plot arbeitet Bouquet natürlich zu: er spielt, mit dunkler Sonnenbrille, einen angeblich blinden Kopisten von Statuen und lebt mit seinem Sohn in einem Haus in der Banlieue, Wohnung und Atelier, in dem Kunden erscheinen, gehören zusammen … Erst als dem Filmsohn Luchini klar wird, dass sein Vater ihn täuscht – nächtliche Besuche einer distinguierten Dame (Bernadette Lafont) lassen den Schluss zu, dass er eine Maitresse hat, die auch noch Auktionarin ist –, beginnt er sich Gedanken über seine Abhängigkeit zu machen. Aber ebensowenig wie das väterliche ‚Geheimnis’ sich ganz aufdecken lässt, kann er von dieser Abhängigkeit ganz lassen … Was ohne weiteres den Schluss zulässt (vom Film aufs Leben), dass Luchini nach dieser allerersten Rolle auch fürderhin auf den Spuren seines Filmvaters wandelt – bis fast ununterscheidbar ist, ob er das (irgendeine Filmfigur) jetzt nur spielt oder ob er so ist.

Die weitere Dimension (aus dem Leben) ist dann die, dass in Pierre Zuccas Filmen tatsächlich sein Vater umgeht: der renommierte Fotograf André Zucca (1897 – 1973) der in den dreissiger Jahren für ‚Paris-March’ oder ‚Paris-Soir’ gearbeitet hat, während der Okkupation aber auch für ‚Signal’, das nazistische Propaganda-Magazin. Sein Sohn, der ja sein Handwerk von ihm gelernt hat, muss sehr intensiv über dieses ‚Doppelspiel’ mit Bildern nachgedacht haben. In der Zeitschrift ‚Obliques’ (Numéro spécial zu „Roberte au cinema“, Paris 1978) diese Stelle (ich übersetze): „Wie man Bilder anschaut, und nicht nur in dem, was sie abbilden, sollte ins eigene Wissen eingehen. Die Frage ist nicht, ob das abgebildete Faktum real ist oder imaginiert und ob man das weiss – wie wenn in dem einen mehr Wahrheit läge als in dem andern! –, sondern die Frage ist, ob man die Moral zutagefördert, die der Stil enthält, mit dem das Bild sich dem Blick darbietet.“ Und an anderer Stelle (Antwort auf eine Umfrage von ‚Libération’, Mai 1987): „Als Antwort auf die Frage ‚Warum filmen Sie?’, gelange ich zu dieser Absurdität: ich filme, um das zu sehen, was ich, wenn ich nicht filmen würde, nicht sehen könnte.“

Ausser dem Kurzfilm Méfiez-vous d’echo (1984, Farbe, 17 Minuten) gibt es in dem ‚coffret’ noch zwei Langfilme:
Rouge-Gorge (1984, 103 Minuten) nach einem Buch von Suzanne Schiffman (der Mitarbeiterin von Truffaut), mit Philippe Léotard und seiner Tochter Laetitia;
Alouette, je te plumerai (1987, 90 Minuten), worin Claude Chabrol (der Film ist ganz auf ihn zugeschnitten) eine ‚diebische Elster’ spielt, die sich – aus dem Krankenhaus entlassen – mit falschen Versprechungen bei einem Pärchen (Luchini als Fahrer einer Ambulanz und Valérie Allain als Krankenschwester) einnistet und von ihm versorgen lässt.

Wer mehr zu Pierre Zucca erfahren will, sollte die Nr. 33 der französischen Filmzeitschrift ‚Vertigo’ zur Hand nehmen (erschienen 2008). Neben Kritiken und Interviews mit Chabrol und Stévénin gibt es darin den aus intimer Kenntnis sprechenden Text ‚Z aux Oiseaux’ von Jean-André Fieschi, denn die beiden waren zusammen auf dem ‚Lycée’ und erlebten auch gemeinsam ihre Anfänge in ‚Cinématophilie’. (Ein früherer Text von Fieschi, ‚Correspondances’, ist nach Zuccas Tod in ‚Limelight’, Strasbourg, November 1995, erschienen.) Die ‚Vaterfrage’ wird von Hervé Aubron in dem Text ‚Le papa est la putain’ gestellt. Von Pierre Zucca selbst werden Auszüge (aus den für die Presse bestimmten Dossiers) zu einzelnen Filmen abgedruckt, sowie Fotos zu Klossowskis Erstveröffentlichung von „La monaie vivante“ (Paris 1970; Neuübersetzung „Die lebende Münze“, Kadmos, Berlin 1998).

Donnerstag, 27.05.2010

Kinostart

„… es war eine seltsame und ergreifende Geschichte, die viel mit uns selbst zu tun hatte… “
(William Hope Hodgson: Die Boote der Glen Carrig, 1907)

Der Mann auf dem Bild hat gerade einem geschulten Philosophen ein sehr gute Frage gestellt.

Zu den schönsten Gefängnisfilmen, zu Jacques Beckers Le Trou und Don Siegels Escape from Alcatraz, gibt es jetzt eine feine Ergänzung: Die Eroberung der Inneren FreiheitSokratische Gespräche unter Gefangenen, von Silvia Kaiser und Aleksandra Kumorek

„Was wir wissen“, sagt Maurice Maeterlinck, „geht uns nichts mehr an.“


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