Einträge von Volker Pantenburg

Samstag, 25.05.2019

Gideon Bachmann hören (und sehen)

* Trial and Error, Regie: Marie Falke

Am 30. Mai um 15.00 Uhr beim Dokumentarfilmfestival Karlsruhe. Gideon Bachmann (1927–2016) in seinen letzten Jahren und Monaten. Falke lernt ihn kennen, macht einen Film über ihn und sein Leben. Seit den 1950er Jahren hat Bachmann über das Kino geschrieben und vor allem lange Radiogespräche geführt. Im Alter – in Falkes Film – will er davon wenig oder nichts mehr wissen. Die Filmwelt, deren Chronist er war, ist weit weg. Zum Glück akzeptiert er, wenn auch widerwillig, Falke und ihre Kamera, die ihm ziemlich nah kommen.

„Er trug mir die Inventur seiner Wohnung auf und ich bat um die Erlaubnis, einen Film über ihn drehen zu dürfen. Mein ursprünglicher Gedanke, seine Biografie in Bildern zu erzählen, stellte sich aber von Besuch zu Besuch als immer schwieriger heraus.
Gideon war müde und bitter geworden, sein innerer Kampf hatte schon lange bevor wir uns begegneten waren begonnen. Und so wurde der Film zu einem Dokument der Begegnung eines alternden Kosmopoliten, der mit dem Tode ringt, und einer jungen Filmstudentin, die nach Geschichten sucht.“ (Marie Falke)

* Lettere aperte, Ausgabe 5/2018. Die ganze Ausgabe ist Bachmann gewidmet, in einige Beiträgen sind ausführliche Gespräche Bachmanns eingebettet. Ein immenses Audio-Archiv mit z.B. Jean Renoir, Carl Theodor Dreyer, Maya Deren, Lilian Gish …

Mittelfristig wird Bachmanns Nachlass vom ZKM Karlsruhe (Audio) und dem Filmarchiv des Kulturvereins Cinemazero in Pordenone (Filme) erschlossen und zugänglich gemacht.

Man sollte versuchen, sich einen Kopfhörer und paar Wochen Urlaub zu nehmen. Guter Einstieg:

Víctor Fancelli Capdevila, Christian Haardt: Eine akustografische Geschichte des Kinos. Gideon Bachmann als Stimmensammler von Filmemachern

Freitag, 01.03.2019

Paratexte der FILMKRITIK (12): Straub/Huillet


[Filmkritik Nr. 288, Dezember 1980, S. 562–563 – die letzten Seiten des zweiten Hefts zu DALLA NUBE ALLA RESISTENZA]

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Zugleich Anlass, auf die umfassende Retrospektive der Filme von Huillet und Straub hinzuweisen, die durch den Einsatz und Enthusiasmus von Ricardo Matos Cabo heute an verschiedenen Orten in London beginnt:

* ICA London
* Goethe Institut London
* BFI Southbank

Weitere Spielorte: King’s College London, Ciné Lumière, Close-Up, Whitechapel Gallery.

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Zum Auftakt: 1. März, 18:30 Uhr im ICA:

The Knife Sharpener (L’arrotino), Dirs. Danièle Huillet and Jean-Marie Straub, Germany 2001, 7 min., Italian with English subtitles

From Today Until Tomorrow (Von Heute auf Morgen), Dirs. Danièle Huillet and Jean-Marie Straub, Germany, 1997, 62 min., German with English subtitles

Samstag, 12.01.2019

Paratexte der FILMKRITIK (11): KINO 81

KINO 81: Sendung vom 14. Mai 1981 (Themenübersicht)

Neben dem „projizierten“ Heft (*) gibt es auch ein „gesendetes“ Heft: Die Maisendung des WDR-Magazins „KINO 81“ mit Beiträgen von Wolf-Bühler (Irving Lerner), Harun Farocki (Gespräch mit Heiner Müller), Hartmut Bitomsky (James Agee), Manfred Blank (Eric Rohmer), Helmut Färber (Mizoguchi) und Hanns Zischler (Roland Barthes).

„Ein weiterer Vorschlag zur Geldbeschaffung: die FK macht einen Fernsehfilm „Kino 81″ mit vielleicht 6 Beiträgen über Kinoereignisse des kommenden Jahres. MB [Manfred Blank] könnte das machen und Dütsch vorschlagen.“ (Protokoll VV 9./10. August 1980).
Bei der schließlich produzierten Sendung wird Helmut Merker als Redakteur genannt.

Kino 81, Sendung vom 14. Mai 1981, Realisation: Manfred Blank, Redaktion Helmut Merker, eine Harun Farocki Filmproduktion für die FILMKRITIK, 43 min. (*)

Donnerstag, 10.01.2019

Paratexte der FILMKRITIK (10): Register 1975

Ständige Redaktion, 5. September 1974, 17, 19.00 bis 23.00

„eine sehr hitzige Sitzung, bei der […]“

Letzter Punkt des Protokolls:

„F. J. Knape macht den Vorschlag, – ähnlich wie es die Cahiers haben – ein Gesamtregister der bisherigen 18 Jahrgänge der FK zu machen. Er soll einen Kostenvoranschlag machen.“

Ständige Redaktion, 10. September 1974:

„Gesamtregister:
soll für Subskribenten ca. 12.-DM kosten. Knape soll ein Ausführungsbeispiel vorlegen, dann sollen alle entscheiden. Mittels Selbstanzeige werden Subskribenten geworben.“

Filmkritik. Register der Jahrgänge 1957–1975
erstellt von Franz Josef Knape, München: Filmkritiker Kooperative 1975.

seit 2018 hier als durchsuchbares PDF verfügbar.

Sonntag, 16.12.2018

Zwei Texte von Susanne Röckel

Susanne Röckel, deren Roman DER VOGELGOTT nicht nur mich in diesem Frühjahr sehr verblüfft hat, schrieb zwischen 1980 und 1984 bei der FILMKRITIK. Für die aktuelle Ausgabe der CARGO hat Bert Rebhandl ein Gespräch mit ihr geführt.

Wir veröffentlichen begleitend zum CARGO-Gespräch zwei FILMKRITIK-Texte erneut:

* Was ist zu sehen? (aus FK 299/300, November/Dezember 1981)
* Eric Rohmer: La Femme de l’aviateur (aus FK 308, August 1982)

Weitere FILMKRITIK-Texte Röckels sind leicht zu recherchieren in den durchsuchbaren Inhaltsverzeichnissen der FK-Jahrgänge 1975 bis 1984.

Mit herzlichem Dank an Susanne Röckel.

Freitag, 07.12.2018

Werner Dütsch, 1939 – 2018

Aus einem Text Werner Dütschs über die WDR Filmredaktion, bei der er von 1970 bis 2004 arbeitete:

„Redaktionsalltag. Lange Arbeitstage, Reisen zu Autoren und Produzenten. Für keine private Company hätten wir so viele Stunden arbeiten wollen. Zu Tagen unterwegs und in Köln gehörten ausdauernde Gespräche mit Kollegen und Autoren. Redend wurde aktuelle Arbeit ausdauernd umkreist. Das konnte in produktive Disziplinlosigkeit ausarten, mit ersten Ideen für neue Projekte. Geistige Getränke gehörten dazu, Pausen gab es für Runden am Flipper; ein Autor hatte einen zu Hause.“

Ein Brief an Harun Farocki von 1970 und ein paar Worte zu Werner Dütschs plötzlichem Tod in der Nacht vom 4. auf den 5. Dezember 2018 sind nebenan beim Harun Farocki Institut zu lesen.

Hier eine schöne Sendung über Fritz Lang aus seiner Feder, im Dialog gesprochen von Martina Müller und ihm.

Freitag, 30.11.2018

Paratexte der Filmkritik (9): Ein projiziertes Heft

Die erste Seite eines vierseitigen, auf sehr schönem Papier gedruckten Faltblatts, das – wahrscheinlich – in den Jahren 1979 verschiedenen Heften beilag. Einer von mehreren Versuchen, die Zeitschrift über das Heft hinaus zu tragen. In diesem Fall: „ein projiziertes Heft“; wenig später: „ein gesendetes Heft“ (= eine FK-Sendung im WDR).

Die Filme: ZWISCHEN ZWEI KRIEGEN (Farocki); FORTINI/CANI (Straub/Huillet); FLUCHTWEG NACH MARSEILLE (Engström/Theuring); AUSLÄNDER TEIL 3 und 4 (IRANIER) (Nestler); AMERIKA VOR AUGEN – ODER KAFKA IN 43 MIN 30 SEC (Zischler).

Offenbar ein wenig erfolgreicher Vorstoß. FK-Sitzung vom 5.1.80: „3. Das Paket ‚Die FK geht ins Kino‘ war bisher ein Reinfall. Es ist nur 5 mal gezeigt worden.“

Das Faltblatt als PDF hier.

Freitag, 23.11.2018

Herbert Achternbusch, * 23. November 1938


Herbert, warum gibst Du eigentlich niemals – oder sehr ungern – Interviews? Gibt’s denn Interviews mit Dir?

Kaum.

Warum nicht?

Phhhhhhhhhh. Weil jeder Interviewer verlangt, dass man auf kleine Fragen groß antwortet. Und ich bin ein Mensch, der will reagieren. Und wenn nix da ist zum reagieren… […] Ich find‘, Interviews gehör’n per Gesetz verboten.

[Kino ’78, WDR, Redaktion: Wilfried Reichart, Erstausstrahlung 7. Dezember 1978.]

Samstag, 27.10.2018

Fluchtweg nach Marseille

„Die Verbindung zu finden zwischen einer Arbeitssituation (1977) und einem Stoff (1941) war zugleich leicht und schwer. Der Schnittpunkt war schnell hergestellt in Gedanken. Die Recherchen, Überlegungen und Empfindungen, diesem gerecht zu werden, um so mehr stolpernd, wenn auch lustvoll. Den Stoff ernst nehmen hieß zuerst sich von ihm abwenden. Sich selber bewegen, eine eigene Wahl treffen. Lektüre als Zitat kennzeichnen, aber nichts mehr.“ (Ingemo Engström / Gerhard Theuring: Fluchtweg nach Marseille, Filmkritik 2/78, S. 68).

Der Film FLUCHTWEG NACH MARSEILLE von Engström/Theuring, im Untertitel als „Bilder aus einem ARBEITSJOURNAL (1977) zu dem Roman TRANSIT (1941) von Anna Seghers“ charakterisiert, wird morgen im Rahmen des FILM RE:STORED-Festivals der „Deutschen Kinemathek“ gezeigt.

28. Oktober 2018, Kino Arsenal

14.00 Uhr

FLUCHTWEG NACH MARSEILLE, Teil 1
ESCAPE ROUTE TO MARSEILLE, Part 1
BRD | FRG 1977, Regie | directed by: Ingemo Engström, Gerhard Theuring DCP, 90 Min., Farbe und s/w | in color and b/w, OmeU | OV with English subtitles

16.00 Uhr

FLUCHTWEG NACH MARSEILLE, Teil 2
ESCAPE ROUTE TO MARSEILLE, Part 2
BRD | FRG 1977, Regie | directed by: Ingemo Engström, Gerhard Theuring DCP, 120 Min., Farbe und s/w | in color and b/w, OmeU | OV with English subtitles

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Von FLUCHTWEG NACH MARSEILLE handelt auch der erste Text in der Sammlung von „Falter“-Texten Hans Hurchs, die letztes Jahr erschienen ist. Der Artikel ist anlässlich der Vorführung des Films im Österreichischen Filmmuseum am 27. Mai 1978 entstanden. Er beginnt so:

„Dies ist das erste Mal, dass ich versuche, über einen Film zu schreiben, und ich weiß eigentlich nicht so recht, wie ich das machen soll. Eine systematische Filmkritik kann und will ich nicht liefern, denn ich glaube, dass ich so diesem Film nicht gerecht werden kann. Auch nur die Handlung des Films nachzuerzählen wäre zu kompliziert, und eigentlich gibt es auch keine durchgehende Handlung, sondern eher die Rekonstruktion des Fluchtwegs der Vertriebenen aus Nazideutschland in den rettenden Hafen Marseille. Dabei dient das Buch ‚Transit‘ von Anna Seghers als Filmgerüst.“

Und er endet so:

„Und so fing ich an, in diesem Film selbst Bilder zusammenzusetzen und mir meine eigene Geschichte zu erfinden und so meine Produktivität zu befreien. Endlich einmal wurde ich nicht mehr zynisch mit Fertigteilen abgespeist, die mir keine Gelegenheit und Zeit zum Schauen und Denken lassen. Ich fühlte mich einfach auf eine sehr redliche Weise ernstgenommen, als Zuschauer und Mitproduzent des Films, und nicht als Konsument beliebiger Bilder verachtet. Das ist nicht alles von vornherein klar, wie in so vielen anderen (oft auch sogenannten fortschrittlichen) Filmen, wo dem Betrachter jedes Denken im wahrsten Sinne des Wortes abgenommen wird oder wie Engström/Theuring schreiben: ‚Es sind die Blinden, die das Ergebnis im Voraus wissen.‘ Wollte ich anfangen, einzelne Teile zu erzählen, wäre ich schon mitten im Film, aber vielleicht ist jemand neugierig geworden und will das alles selbst sehen.“

[Hans Hurch: Fluchtweg nach Marseille, in : Ders.: Vom Widerschein des Kinos. Texte aus dem Falter 1978–1991, hg. von Claus Philipp, Christian Reder, Armin Thurner, Wien: Falter 2017, S. 13–15: 14f.]

Montag, 08.10.2018

Paratexte der FILMKRITIK (8): Zur Kritik des Politischen Films

[Filmkritik Nr. 270, Juni 1979, vordere Umschlaginnenseite; im Heft: Peter Nau: Die Kunst des Filmesehens – Filme, ausgewählt für Studenten der DFFB von Peter Nau]

Kinohinweis:

9.11.2018, 20:00 Uhr, Kino Arsenal: LA MARSEILLAISE, Regie: Jean Renoir, Einführung: Peter NAU.


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