new filmkritik

Mittwoch, 28.04.2021

gun crazy

gun crazy. Ein Videoessay zu Johnny Guitar (Nicholas Ray, USA 1954)
Von Alina Litau, Judith Stobbe, Adnan Zecevic

Entstanden im Seminar Praktische Filmkritik, geleitet von Michael Baute. Wintersemester 2020/21, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Freitag, 23.04.2021

Radiohinweis

Tränen im Kino
Die Lange Nacht der Melodramen von Douglas Sirk
Von Martina Müller
Regie: die Autorin

Deutschlandfunk, Samstag, 24.4., 23.05 bis 2.00 Uhr (*)

Deutschlandfunk Kultur, Samstag, 24.4., 00.05 bis 3.00 Uhr (*)

„Douglas, I want 500 handkerchiefs to come out right here!“ (Ross Hunter)

Taschentücher bereithalten.

Mittwoch, 24.03.2021

Irena Vrkljan, 21.8.1930 – 23.3.2021

* Volker Pantenburg: Ich habe gelernt. Hingeschaut. Notiz zu Irena Vrkljan

Ich habe gelernt. Hingeschaut.

Notiz zu Irena Vrkljan (1930–2021)

Irena Vrkljan ist gestern gestorben, sie war 90 Jahre alt. Leon Rizmaul, der einen – eher sind es zwei – schöne Kurzfilme mit ihr gemacht hat, schickte eine Mail mit der traurigen Nachricht. Vrkljan gehörte zum ersten Jahrgang der DFFB, und ich verzichte darauf, nun die Namen aufzuzählen, die auf die Erwähnung dieses „ersten Jahrgangs der DFFB“ üblicherweise folgen. Stattdessen erwähne ich, dass sie 1966 eine von nur drei Frauen unter den 35 angenommenen Filmstudierenden war. Helke Sander war die zweite, Gerda Kramer die dritte. Und ich erwähne doch noch einen der übrigen Studenten dieses Jahrgangs, Johannes Beringer, denn durch ihn habe ich zwei Filme von Irena Vrkljan kennengelernt. Ungefähr 2004 hatte er Widmung für ein Haus (1966) und Berlin unverkäuflich (1967) gemeinsam mit seinen eigenen beiden DFFB-Filmen digitalisieren lassen und auf eine DVD gebrannt.

Wenn ich an diese Filme denke, ärgert es mich, dass die Bezeichnung „poetisch“ inzwischen so fad und abgestanden klingt. Es kommt mir vor, als wäre das Wort zu oft für die falschen Dinge verwendet worden und dadurch unbrauchbar geworden. Ich möchte diese Begriffsverwendungen gern für die Dauer dieses Texts einklammern und das Wort „poetisch“ für Widmung für ein Haus und Berlin unverkäuflich so benutzen, als wäre es ganz frisch und neu – zumindest zur Charakterisierung von Filmen. Es würde dann, so stelle ich mir vor, die besondere Erfahrung benennen, dass die Wirklichkeit und ihre Zweitfassungen (im Bild, im Wort) auf innige und unvergleichliche Weise miteinander verbunden sind, aber zugleich ein radikaler, fast schmerzhafter Riss zwischen ihnen verläuft.

Da sind die Zusammenhänge, die zu sehen sind: zum Beispiel eine Hausruine in der Potsdamer Straße, die bald abgerissen wird und wie eine Wunderkammer die erstaunlichsten Dinge beherbergt, aber nur für diejenigen, die genau hinsehen. Architektonische Details, ein Mosaik, zwei Schubkarren, vieles andere. Und wenn wir Glück haben, haben sie (die genau Hinsehenden) eine Kamera dabei wie Irena Vrkljan und finden dann noch in der Sprachruine die erstaunlichsten Wörter dafür; beides übrigens, die Dinge und die Wörter, sind ganz gewöhnliche Dinge und Wörter und genau darin erstaunlich. „Das Haus kann alles sein. Dieses, in der Potsdamer Straße 24, bietet mir ziemlich laut eine Geschichte, Zeitläufe, und trockenen Schutt. Es lässt sich lesen durch seine hohen Mauern, Reste seiner Verzierung, alte, unbrauchbare Gegenstände. Aneinandergereiht, baue ich aus diesen Steinen ein Bild.“ – Man muss sich diese Sätze von Vrkljan gesprochen vorstellen, in ihrer Stimme mit einem sanften, angenehmen Akzent. Diese Wörter, diese Dinge, sind einerseits durch die Kamera hindurchgegangen und andererseits durch diese Person, Irena Vrkljan, und dabei ist ihre Gewöhnlichkeit abgebürstet worden und nur noch das Besondere an ihnen übriggeblieben. Wenn man den Film gesehen hat, denkt man: Die Leute müssen völlig verrückt sein, eine solche Ruine abzureißen. Haben sie denn nichts Besseres zu tun? Der Film Widmung für ein Haus ist ein Denkmal, oder er wäre es, wenn es bescheidene, zurückhaltende, diskrete Denkmäler gäbe. Fast noch schöner als Widmung für ein Haus ist Berlin unverkäuflich, über den ich hier nicht schreiben werde. Nur soviel, dass mir einmal der Atem stockte, als ich ihn zum ersten Mal sah, und das kommt nicht andauernd vor.

Vrkljan – ein Name mit sechs Konsonanten und nur einem Vokal. Ich weiß nicht genau, wie man ihn aussprechen soll, das gefällt mir. Man kann gar nicht anders, als über Sprache nachzudenken, wenn man diesen Namen liest und sich fragt, was die Stimmbänder, der Mund, die Zunge damit anstellen sollen.

Es gibt zwei weitere Filme von ihr, die an der DFFB entstanden sind. Einer davon heißt Faroqhi dreht (1967), der Untertitel ist „Ein Filmbericht von Irena Vrkljan“. Zu Beginn sitzt Farocki an der Schreibmaschine. Er tippt in Großbuchstaben die Worte „IRENA, FILM DOCH EINFACH, WIE ICH EINER IDIOTISCHEN EINZELHEIT HINTERHER JAGE“. Und er spricht aus dem Off: „Irena, film doch einfach, wie ich einer idiotischen Einzelheit nachjage.“ Wieder eine schöne kleine Abweichung zwischen Bild und Ton, die aufmerken lässt. Dazu burleske Musik. Farocki und sein kleines Team aus anderen DFFB-Studenten bei der Arbeit am Film Der Wahlhelfer. Sie jagen gemeinsam einigen idiotischen Einzelheiten nach (oder hinterher). Farocki sagt einmal ironisch zu einem aus dem Team (Thomas Hartwig): „Ich nehme dich nicht mit, weil ich einen Autorenfilm machen will, da will ich ganz allein sein.“ – „Du willst ein zweiter Kluge werden, ja?“ fragt Hartwig. „Nee, ich will einen richtigen Autorenfilm machen, nicht mit Edgar Reitz und Bundesjugendfilmpreis, sondern ich bin der Auffassung, dass man nur dann einen Film machen kann, wenn man sich der Mittel bedient, die auch ein Facharbeiter bedienen und haben kann.“ – „Das heißt?“ – „Das heißt: Kameras, so billig, dass man sie in jedem Laden kaufen kann; Tonband, so billig, dass man es in jedem Laden kaufen kann; Ideen, so billig, dass man sie in jedem Laden kaufen kann.“ – „Also 8 mm.“ Der Tonmann, Hans-Rüdiger Minow, ergänzt: „Super-8“. Farocki: „Nein, 4 mm möglichst. Einmal in der Mitte durchgeschnitten.“

Lange Zeit existierte von Faroqhi dreht nur das Negativ, aus Anlass der Farocki-Retrospektive im Herbst 2017 digitalisierten wir den Film und zeigten ihn im Eröffnungsprogramm. Wir schickten ein File nach Zagreb, wo Leon Rizmaul den Film gemeinsam mit Vrkljan am Computer anschaute und dann einen kurzen Videogruß von ihr zurückschickte. Sie spricht wenig über den Film, mehr über Farocki. An einer Stelle sagt sie: „Wir haben uns da sehr gut verstanden. Ich kam auch aus einem Filmland, und er kam praktisch auch aus einem Filmland, Ägypten, und so waren wir einfach Freunde geworden.“ Farocki als Ägypter: Ich mag diese Fehlzuschreibung und lese sie als Poetisierung der Welt (oder der Erinnerung), die dazu einlädt, die Kinolandkarte neu und anders zu lesen und das Verhältnis von Zentrum und Peripherie etwas durchzuschütteln. Wie sähe die Filmgeschichte aus, wenn wir sie von den Zentren Jugoslawien (wie es damals hieß) und Ägypten aus denken? Ein bisschen so, wie mit dem Stadtplan von London durch den Harz wandern.

Irena Vrkljan war 36, als sie mit dem Studium an der DFFB begann. Vor und begleitend zu ihrem Filmstudium in Berlin, zwischen 1962 und 1968, hatte sie als Drehbuchautorin für den Fernsehsender RT Zagreb gearbeitet und 21 Folgen der Reihe „Porträts und Begegnungen“ über Bildhauer, Schriftsteller, Maler geschrieben. In Rizmauls Kurzfilm Irena’s Mirror (2018) sieht man Ausschnitte aus einigen Folgen. Von vielen ist der Ton verloren, die über 80-Jährige spricht die Texte dieser Folgen in einem Tonstudio neu ein. Bei den Ausschnitten – Köpfe von Skulpturen, modernistische Musik, ein sorgfältig komponierter literarischer Text aus dem Off – fühlt man sich an die Art und Weise erinnert, wie in den Filmen von Alain Resnais oder Chris Marker in den 1950er Jahren über Kultur und Malerei filmisch nachgedacht wurde. Aber ich glaube, man muss dieser Assoziation und ihrem wohlmeinenden Chauvinismus misstrauen. Was ist damit gewonnen, die Filme nicht als das zu sehen, was sie sind? Sollte man ihnen nicht zugestehen, vielleicht mit ganz anderen Traditionen zu tun zu haben, die mir nicht vertraut sind? Sie könnten ja anderswo herkommen und sich auf anderes beziehen als auf den weich gepolsterten, hoch und runter deklinierten Geschichtsraum französischer Cinéphilie.

Vrkljan hat, soweit ich weiß, später keine Filme mehr gemacht, sondern in Berlin und Zagreb als Dichterin, Autorin und Übersetzerin gearbeitet. An der DFFB hatte sie Benno Meyer-Wehlack kennengelernt, mit dem sie bis zu seinem Tod 2014 verheiratet war. Leon schreibt in seiner Mail von gestern: „She always talked that everybody (especially Benno) that she loved are dead for so long time. And that for her living is an agony.“

Ich möchte zum Schluss den Anfang eines autobiographischen Texts von ihr abdrucken. Er ist entstanden für das zweibändige, von Ute Aurand und Maria Lang zusammengestellte Kompendium FRAUEN MACHEN GESCHICHTE. 25 JAHRE STUDENTINNEN AN DER DFFB von 1991. Hier ist die erste Seite:

Ich drucke den Rest des Texts hier nicht ab, damit keiner auf die Idee kommt, es gäbe das, was in Bibliotheken zu finden ist, ohnehin auch „im Netz“. So bequem ist es nicht. Nur noch drei Sätze aus dem weiteren Text: „Die Schönheit und Unwichtigkeit der Provinz. Was in der Kunst geschieht, bestimmen die Metropolen des Geldes. Abneigung gegen die Zeichen der Zeit.“ Alle, die sich für Irena Vrkljans Text interessieren, sind hiermit aufgefordert, in die Filmbibliothek am Potsdamer Platz zu gehen, sobald das wieder möglich ist, und im Buch von Ute Aurand und Maria Lang zu lesen.

Ich drucke den Rest des Texts hier nicht ab, um mich und andere daran zu erinnern, dass es Bibliotheken gibt und dass es Kinos gibt, und dass man sie eines Tages wieder gemeinsam mit anderen besuchen kann.

Montag, 08.03.2021

Paratexte der FILMKRITIK (17): Index 1957–1961

Von Anfang an ist die Filmkritik mit dem Selbstbewusstsein aufgetreten, dass ihre Texte über die Tagesaktualität hinaus relevant sein würden: jahrgangsweise durchgehende Seitenzählung, später Sammelordner und regelmäßig erstellte Register, die aus der Monatszeitschrift ein Kompendium machten, dessen Beiträge nach Filmtiteln und Autorennamen durchsuchbar waren.

Im meines Wissens ersten dieser Register sind die ersten 5 Jahrgänge von 1957 bis 1961 erfasst.

Als PDF findet sich das 32-seitige Heft hier.

Bei dieser Gelegenheit auch erneut der Hinweis auf die späteren Register, die Franz-Josef Knape erstellt hat:

Filmkritik: Register der Jahrgänge 1957–1974 (1975) (pdf)
Filmkritik: Register der Jahrgänge 1975–1984 (2018) (pdf)

Montag, 22.02.2021

Petition

Offener Brief an den Kölnischen Kunstverein für den Erhalt des „Kino 813 in der BRÜCKE“

Dienstag, 19.01.2021


Sonntag, 17.01.2021

Arbeiten mit Straub

Schon seit mehr als drei Jahren auf YouTube zu sehen: Viele Stunden Textprobenarbeit mit Jean-Marie Straub von 2010, gefilmt von Barbara Olszewska.

Die erste Folge hier, dazu dieser erläuternde Text:

STRAUB Un Heritier N°1 by BO
09/02/2010_1 // 16/04/2017

You will find here, week after week, the fragments of my videos and a complete serie of 70 videos about the work of the film-maker Jean-Marie Straub, that I filmed in 2010, several months, hour by hour, trying to conserve the continuity of his work with the actors (Joseph Rottner, Andrea Bacci, Giovana Daddi). I followed the preparation of two of his films : „Un héritier“ after the book of Maurice Barrès and „L’inconsolable“ after the dialogue „Orpheo“ from „Dialogues with Leuco“ of Cesare Pavese (see: http://www.straub-huillet.com/work/un-heritier/ and http://www.straub-huillet.com/work/linconsolable/)

I hope you can learn from these videos about the details of Jean-Marie Straub practice.

I also describe my experience of filming him on my blog-book „Je video“, you can ask me about my papers at : barbaraolszewskawordpress.com
http://wp.me/p7jf6g-8m
or by email : barbara2olszewska@gmail.com

[die Links zur Website scheinen nicht zu funktionieren; der YouTube-Kanal enthält auch sonst viele interessante Dokumente]

Sonntag, 03.01.2021

Hurwitz

In der aktuellen konkret habe ich einen Artikel zum dreißigsten Todestag (am 18.) von Leo T. Hurwitz. Zu spät (nämlich vor einer Viertelstunde) habe ich gesehen, dass es dessen Filme neuerdings alle online gibt, auf dieser wunderbaren Seite. Nun sind die Winterferien ja schon fast vorbei, aber Zeit für Hurwitz sollte immer sein. Noch ein gutes neues Jahr in die Runde, friends and foes alike.

Mittwoch, 23.12.2020

Auge und Umkreis (IX)


Johnny Reno (1966 R.G. Springsteen)

„Sun‘s going down. That‘ll be a long night,“ sagt einer, der aus dem Gefängnisfenster auf diesen Abendhimmel schaut.

Wir waren im Sommer nach Deauville geraten. Der neue Film von Claude Lelouch hatte uns dort hin getragen. Vom Balkon konnten wir nachts die Fischerbote aufs Meer fahren sehen, und nah bei den Hafenlichtern von Trouville war das Casino mit seiner Leuchtschrift.


Charade (1963 Stanley Donen)

In Le Havre, im „Studio“, in einer Nachmittagsvorstellung sahen wir dann wieder einmal Charade, dieses dunkle rätselhafte Filmgedicht. Über die Ungewissheit, die dauernde. Und über die Kurzfristigkeit – und ihren Triumph.
„For a few minutes they were mine. That is enough.“


Mädchen am Kreuz (1929 Jacob und Luise Fleck)

Gerne sähe ich mehr von der Regisseurin Luise Fleck und ihrer Produzentin Liddy Hegewald. Die „Hegewaldfime“ waren Exploitation-Kino, kostengünstige „Problemfilme“, von der Kritik verspottet. Aber was die Filme erfolgreich machte, wirkt heute noch. Ein klarer Blick auf die Schräglage, die das Leben früher oder später aus dem Gleis geraten lässt. Die Unwucht der Ordnung.


Maman Colibri (1929 Julien Duvivier)

Der Vater kommt zur Tür herein, während Mutter und Sohn miteinander tanzen. Als würden sie von ihm erwischt, so rahmt der Spiegel sie als Paar und ihn allein.

Die Einsamkeit ist überall im unerschöpflich reichen Werk von Duvivier. Genau betrachtet war auch Don Camillo einsam.


Darling, How Could You! (1951 Mitchell Leisen)

Eine Komödie des Peter-Pan-Autors J.M. Barrie, in dessen Welt sich die Lebenszeit um ein Schwerkraftzentrum krümmt: um die Eltern herum. Da ist ein Ort – „where we never grow old,“ sang Aretha Franklin (in Sydney Pollacks Doku) in Griffweite des Vaters, schrie sie gleichsam aus dem Abgrund der Familie heraus.


A Walk In The Spring Rain (1970 Guy Green)

Ich sah wieder Guy Greens Light in the Piazza und war wieder begeistert, beglückt. Wie damals in Wien.


St.Ives (1975 J. Lee Thompson)

In den 1860er Jahren wohnten Arthur Schnitzlers Großeltern im Carltheatergebäude. Die Operetten Offenbachs und der Komiker Knaack befeuerten die Nachahmungsfreude des kleinen Jungen. Also, erinnert er sich, „unternahm ich es einmal, mit dem undisziplinierten Ehrgeiz meiner sechs oder sieben Jahre, das Couplet ‘Als ich noch Prinz war von Arkadien‘ ganz in Knaack‘scher Manier, mit einem Kehrbesen manövrierend, im Beisein einer mir völlig unbekannten Dame vorzutragen, die eben bei meiner Mama zu Besuch anwesend war. Noch heute ist mir der ungerührte, kalte, geradezu vernichtende Blick gegenwärtig, mit dem mich die Dame nach geendeter Produktion von oben herab maß.“


Orphée (1950 Jean Cocteau)

„Was ich im Theater immer am schönsten fand, in meiner Kindheit und auch heute noch, das war der Kronleuchter – ein schöner, leuchtender, kristallener, reichverzierter, kreisförmiger und regelmäßiger Gegenstand.“ (Baudelaire: „Mein entblößtes Herz“)


Frédérique Franchini in Noviciat (1965 Noël Burch)

Eine Komödie frei nach Sacher-Masoch. Ein Mann, der nur schauen will, wird im Nahkampf zum Gefangenen, dann zum Diener und zuletzt zur Ware, wechselt gegen seinen Wunsch seine Besitzerin.


Gloria Swanson in Stage Struck (1925 Allan Dwan)

Gloria Swanson wechselte unbeschwert von ernsten zu komischen Rollen, hin und her, wie es ihr gefiel.
Curtis Harrington, mit dem sie beim Dreh von Killer Bees (1974) Freundschaft schloss, betonte (in: Video Watchdog, Nov/Dez 1992), dass Norma Desmond in Sunset Boulevard und Gloria Swanson von einander so verschieden waren, wie man nur sein kann.


Baron Eugen Ransonnet-Villez, erster Unterwasserzeichner, Selbstportrait mit Taucherglocke, 1867


Journey To The Center Of The Earth (1959 Henry Levin)

In einem ungewöhnlich schweren Brocken Lava ist ein Senkblei verborgen. Darauf ist etwas geschrieben, mit Blut.

Agatha Christie mochte Jules Vernes Bücher. Besonders Die Reise zum Mittelpunkt der Erde. „Mir gefiel der Gegensatz zwischen dem besonnenen Neffen und dem übertrieben selbstsicheren Onkel.”

„Als Kind schon spürte ich in meinem Herzen zwei sich widerstreitende Empfindungen: Lebensangst und Lebensüberschwang. Dies entspricht durchaus dem Charakter eines nervösen Faulenzers.” (Baudelaire: „Mein entblößtes Herz“)


The Unholy Wife (1957 John Farrow)

Der Junge wird gefragt, ob er „manchmal einsam“ sei. „Immer!“ antwortet er zornig. Darauf bekommt er, zur Beschwichtigung, eine Muschel geschenkt, aus der jederzeit die See zu ihm spräche.
Wir kennen die simple Erklärung: Man höre das eigene Blut rauschen. Nein, wir sind der Ozean, sagt John Cage.


Saraband For Dead Lovers (1948 Basil Dearden)

„Vertrauen wir dreist allen Zeugnissen der Sinne. Da ist nichts Falsches vom Echten zu sondern. (…) Wenn bei erregtem Blute oder äußerlichem Drucke das Auge zuckende Blitze oder leuchtende Kreise sieht, sind das sowenig Irrtümer, als wenn es irgendandere Erscheinungen der Außenwelt wahrnimmt. (…) Die Welt des Geistes oder der Wissenschaft findet in der Sinnlichkeit ihr Material, ihre Voraussetzung, ihre Begründung, ihren Anfang, ihre Grenze.“(Josef Dietzgen: „Das Wesen der menschlichen Kopfarbeit. Dargestellt von einem Handarbeiter“, 1869)


The Unvisible Man Returns (1940 Joe May)

Was glaubt der Unsichtbare, im Spiegel sehen zu können?
Von seiner Liebsten wird er dabei erwischt, wie er sich entpackt. Ihr Entsetzen ist das vor der Hohlheit, vor dem fehlenden Inneren, ein Schrecken, den der Film mit vorzüglichen Tricks zelebriert.


3 Women (1977 Robert Altman)

„Manchmal stand sie mitten in der Nacht auf, um sich Notizen zu machen,“
(Anne Hart: „Live and Times of Miss Jane Marple“)


Maskerade (1934 Willi Forst)

Sie kommt nachts besoffen heim, singt im Treppenhaus, weckt den Hausmeister, und erzählt ihm, sie habe eine Eroberung gemacht. Paula Wessely schwankt nur ganz sanft, artikuliert dabei feinstens. Und Hans Moser, aus dem Schlaf gerissen, total verhuscht, begreift nichts. Seine Nüchternheit ist hilfloser als ihre süße Betrunkenheit. Das gibt ein hübsches Bild dafür, wie klar man sieht, wenn man betrunken ist, denn ohne die Wirkung des Schaumweins glaubt sie die Wahrheit nicht, dass ein schöner Mann sie lieben könnte.


Moonstruck (1987 Norman Jewison)

„The past and the future are a joke for me now. I see that they are nothing. I see that they ain‘t here. The only thing that‘s here is you… and me“, sagt Nicolas Cage zu Cher, in Moonstruck. Und: „Love don‘t make things nice, it ruins everything. It breaks your heart. It makes things a mess. We aren‘t here to make things perfect. Snowflakes are perfect, stars are perfect, not us. We are here to ruin ourselves. And break our hearts. And love the wrong people. And die!“


Romanze in Moll (1943 Helmut Käutner)

„Die größte Torheit ist, anzunehmen, dass wir auf festem Grund gehen.“ (E.M. Cioran: Ansätze zum Taumel)


Jigsaw (1963 Val Guest)

Der Spiegel als Werkzeug der Selbstverachtung. Weil das eine Rückblende ist, ist ihr Tod schon gewiss, ihre Leiche liegt schon zerstückelt im Keller.

Jean Cocteau: „Ich verrate Ihnen das Geheimnis aller Geheimnisse. Spiegel sind die Türen, durch die der Tod kommt und geht. Wenn Sie sich selbst ihr Leben lang im Spiegel anschauen, sehen sie den Tod bei der Arbeit. Wie Bienen in einer gläsernen Bienenwabe.“


Games (1968 Curtis Harrington)

„Die Nautilus war in eine Strömung von phosphoreszierenden Infusorien geraten, sie schwamm inmitten von Myriaden leuchtender Tierchen, deren glänzender Funke noch stärker aufglühte, wenn sie mit dem Rumpf der Nautilus in Berührung kamen. Dieser leuchtende Strom blendete zuerst wie Bleiguss im Schmelzofen oder weißglühendes Metall beim Abstich. Aber nach und nach konnte ich in dieser Lichtquelle noch verschiedene Helligkeiten und Schattenbildungen unterscheiden, die sich unaufhörlich gegeneinander verschoben: lebendiges Licht.“ (Jules Verne: 20.000 Meilen unter den Meeren, 1869-1870)

Sie ist „die verschwindende Meerjungfrau“, Entfesselungskünstlerin auf der kleinen Kirmesbühne einer Hafenstadt. Vor dem Spiegel verwandelt sich die falsche Prinzessin in die Fischerstochter, die sie wirklich ist.


Simone Simon in Temptation Harbor (1947 Lance Comfort)

Lance Comfort hat dunkle und finstere und grimmige und rabenschwarze Filme gemacht. Geschichten, in denen alles schief läuft. Hatter’s Castle (1942), Great Day (1945), Bedelia (1946), Temptation Harbour (1947), Daughter of Darkness (1948), Silent Dust (1949). Ein halbes Dutzend grandioser Filme, alle in den 40ern. Und danach noch: Tomorrow at Ten (1962).


Night Tide (1961 Curtis Harrington)

„In meiner frühesten Jugend erschienen mir alle Schatten und Lichter auf Bildern als unmotivierte Flecke. Als ich in früher Jugend zu zeichnen begann, hielt ich das Schattieren für eine bloße Manier. Ich porträtierte einmal den Herrn Pfarrer, einen Freund des Hauses, und schraffierte nicht aus Bedürfnis, sondern weil ich es an anderen Bildern so gesehen hatte, die Hälfte seines Gesichts ganz schwarz. Darob hatte ich eine harte Kritik von meiner Mutter zu bestehen, und mein tief verletzter Künstlerstolz ist wohl der Grund, dass mir diese Tatsachen so im Gedächtnis geblieben sind.“
(Ernst Mach: „Wozu hat der Mensch zwei Augen“, 1867)


Vynález zkázy (Die Erfindung des Verderbens 1957 Karel Zeman)

An Projektilen erforschte Ernst Mach den Überschallknall. Er tat dies mit Hilfe von Fotografien.
Für Egon Friedell war Mach “der klassische Philosoph des Impressionismus”. Sein Name ist vielfach verewigt, auch in der Zahl zur Benennung von Fluggeschwindigkeiten, die allerdings seit der Epoche der (abstürzenden) Starfighter hörbar aus der Mode gekommen sind.

„Ein Düsenflugzeug durchbrach einmal die Schallmauer und zerstörte gleich zwei Scheiben von Miss Marples Gewächshaus.“ (Anne Hart: „The Life and Times of Miss Jane Marple“)


Wing and a Prayer (1944 Henry Hathaway)

„Boy, I got to knock that moon right out of the sky.“
„Leave it alone. I‘ll need that moon, when I get home.“

In Jules Vernes “Von der Erde zum Mond” lobt ein Ballistiker die Projektile: “In meinen Augen nämlich ist die Kugel die hervorragende Offenbarung menschlicher Macht. Gott hat das All, die Gestirne und Planeten geschaffen: was sind sie denn anderes als Geschosse. Gott gehört die Geschwindigkeit der Elektrizität, des Lichts, der Sterne und Kometen, sein ist die Geschwindigkeit des Schalls und der Winde. Dem Menschen aber gehört die Geschwindigkeit der Kugel.”


The Sound Barrier (1952 David Lean)

Ernst Mach (1838 – 1916) und Jules Verne (1828 – 1905) waren Zeitgenossen von Josef Dietzgen (1828 – 1888), Sir William Crookes (1834 – 1919) und Sacher-Masoch (1836 – 1895). Dass auch eine Peitsche den Überschallknall erzeugt, war mir gar nicht klar. Wie so manches.


The Net (1953 Anthony Asquith)

Werfen wir mal einen Blick auf die 60er Jahre des vorletzten Jahrhunderts.
1860: Die Erfindung der Rotationsschnellpresse; Wilkie Collins: „Die Frau in Weiß“.
1861: der amerikanische Bürgerkrieg; William H. Mumler erfindet die Geisterfotografie; Reis: das Telefon; Dickens: „Große Erwartungen“,
1862: Eastman Johnson: „A Ride for Liberty“; Victor Hugo: „Die Elenden“.
1863: Lincoln: „The Gettysburg Adress“; Manet: „Das Frühstück im Grünen“; die Farbenfabrik Bayer in Barmen.
1864: Jacques Offenbach: Barcarole; Jules Verne: „Reise zum Mittelpunkt der Erde“; Richard Dadd „The Fairy Feller’s Master-Stroke“.
1865: Lewis Carroll: „Alice im Wunderland“; Wilhelm Busch: „Max und Moritz“; Wagner: „Liebestod“.


Busch: Max und Moritz

Erfunden wurde also damals neben vielem auch der Detektivroman. Fotografiert wurden Geister, gemalt das Licht.


During One Night (1960 Sidney J. Furie)

Schaut man von oben auf die Wolken und sieht den Schatten des Flugzeugs, in dem man sitzt, dann kann man um den Flugzeugschatten herum einen kleinen Regenbogen entdecken, vollständig kreisrund. Das ist die Glorie.


During One Night (1960 Sidney J. Furie)

Ein Kriegsfilm, der den ersten Sex eines amerikanischen Piloten und einer englischen Kellnerin zum bedeutendsten Ereignis macht.

“Eine Katastrophe lässt sich nicht denken, ohne dass man gleichzeitig an ein höchst unbedeutendes Ereignis denkt.”
(Paul Feyerabend: Wider den Methodenzwang)


Harun Farocki zeichnet hier ein Kriegsszenario plus Dame mit Perlenkette. Bei der Gelegenheit erinnert er sich, dass es Storyboard-Vordrucke beim WDR gab, mit hässlichen runden Ecken.


Wesley Willis: Artist of the Streets (1988 Carl Hart)

Wesley Willis war ein virtuoser Meister im Wechsel zwischen Linealzeichnung und beherzter Schraffur. Er zeichnete die Häuser, Autos und Straßen seiner Stadt mit Kugelschreiber auf große Bögen und verkaufte diese an Passanten.
Auch die tristesten Gegenden von Chicago vermitteln dem, der vor Augen hat, wie Willis sie gemalt hat, die Halluzination lebendiger Schönheit.


Frederic Edwin Church: Aurora Borealis, 1865

Der amerikanische Maler Frederic Edwin Church (1826 – 1900) zeigte seine monumentalen Landschaftsgemälde gegen Eintritt, in verdunkelten Sälen. Es gab Stuhlreihen. Ferngläser wurden verteilt. Dem Publikum fiel es 1865 nicht schwer, „Aurora Borealis”, ein Panorama mit Expeditionsschiff, Eismeer und Polarlicht, zu interpretieren: als Parteinahme im Bürgerkrieg.

Im Wallraf-Richartz-Museum in Köln hing im vorigen Jahr eine Landschaft von Church neben einer Orchidee von Martin Johnson Heade (1819 – 1904). 1865 beginnt dieser seine „Gremlins in the Studio“ zu malen.
Im gleichen Jahr malt Gustave Courbet den Strand von Trouville.


Heisser Sand (2020 Bruno Sukrow) ****

„Wenn wir uns in einem Boot auf dem Fluss treiben lassen, wie lange brauchen wir dann ans Meer?“ fragt die Heldin in Bruno Sukrows neuestem Kunststück Heisser Sand. Sie will in ein anderes Land. „Einfach nur raus aus meinem Elternhaus.“


Hibernatus (1969 Eduard Molinaro)

Ein im Polareis eingefrorener junger Mann wird nach 65 Jahren gefunden und aufgetaut. Er lebt, zur Freude der Wissenschaft, und er hält seine längst erwachsene Enkeltochter für seine Mutter. Ihr (Claude Gensac) gefällt‘s, bis ihrem Mann (Louis de Funes) der Kragen platzt, er spricht aufgeregt von Überschall- und Mondflug, und verfällt dabei in Raserei.

Setzen wir von dort aus unseren kleinen Rückblick auf die 1860er Jahre fort.

1866: Louise Otto-Peters „Das Recht der Frau auf Erwerb“; das Telegraphenkabel England-USA; Courbet malt den „Ursprung der Welt“.
1867: Strauss: “An der schönen blauen Donau”, Jules Verne: „Die Kinder des Kapitäns Grant“,
Dostojewski: „Schuld und Sühne“, Marx: „Das Kapital“, Nobel: Dynamit, und in Luckenwalde wird der Pappteller erfunden.


Eugen Ransonnet-Villez: „Gruppe von Alcyonien“, 1867

1868: Collins: „Der Monddiamant“.
1869: Flaubert: „Die Erziehung des Herzens“, Tolstoi: „Krieg und Frieden“, Sacher-Masoch: „Venus im Pelz“, Eröffnung des Suezkanals, Union Pacific trifft Central Pacific, Fahrrad mit Hinterradantrieb, Gründung der SPD.


The China Syndrome (1979 James Bridges)

„Was war das damals für eine anständige und tapfere Partei! Was für eine weitsichtige auch!“ (Sebastian Haffner meint den Protest der Sozialdemokraten im Norddeutschen Reichstag 1870 gegen die Annektion Elsaß-Lothringens, und dass sie stattdessen eine Volksabstimmung in Elsaß und Lothringen verlangten.)

Die Tänze damals waren Walzer, Galopp und Cancan, „der Wahnsinn der Beine“ (Rigolboche). Es ist das Zeitalter von Jacques Offenbach.

Siegfried Kracauer spricht (in: “Jacques Offenbach und das Paris seiner Zeit”) von einem dionysischen Taumel. “Geweckt wird dieser Rausch, der keinem vergangenen gleicht, durch die Geburt der Demokratie, Paris bringt ihn hervor, das große kosmopolitische Paris, in dem sich bereits die Umrisse der kommenden Gesellschaft enthüllen.”
Die Frauen zeigen Dessous und tiefste Dekolletés. Die Männer tragen Voll- und Knebelbärte, dazu neuartige Hüte, sogenannte „Melonen“.


Quatermass 2 (1957 Val Guest)

Klaus Wyborny: „Wenn in unseren Zivilisationen Großbauten entstehen, deren Grundform nicht das Rechteck ist, heißt das häufig, daß hier etwas umhüllt wird, das den Menschen physisch gefährlich ist, und dessen Verhalten sich nicht einmal approximativ zuverlässig vorhersehen läßt. Das gilt für Gasomenter und Kernreaktoren, für Beschleuniger und Fußballstadien (in denen die Angst vor der physischen Energie der Zuschauer mit der Rundform zu beschwichtigen versucht wird).“
(„Neues vom Rechteck“, 1979/80)


The Naked Gun (1988 David Zucker)

„Everywhere I look, something reminds me of her.”


Little Big Horn (1951 Charles Marquis Warren)

Marie Windsor, von Lloyd Bridges betrachtet

Wenn im Kino kleine Portraits zu sehen sind, deren Rahmung nicht rechteckig ist, heißt das häufig, dass hier eine Erinnerung eingefasst wird, die dem Helden physisch gefährlich werden kann, und deren Auswirkungen sich nicht vorhersehen lassen. Das gilt für Amulette und Taschenuhrdeckel, für Bilder von Frauen und Kindern, insbesondere von Müttern, Töchtern, Ehefrauen (deren Tod / Vergewaltigung / Untreue aus dem Helden einen Ruhelosen macht).


Dreamscape (1984 Joseph Ruben)

Die oben erwähnte Glorie (um den Flugzeugschatten herum) ist verwandt mit einem anderen optischen Effekt. Einem Schockeffekt, der Bergsteigern begegnet. Schon Goethe hat sich erschreckt vor seinem eigenen Brockengespenst


The Good Bad Man (1916 Allan Dwan)

Der Outlaw zeigt der Liebsten das Bild seiner Mutter. Er meint, er tauge nichts. Weil er seinen Vater nicht kennt.

„Der Vaterlose fühlt sich immer im Blickpunkt, sowohl im Guten wie im Bösen.“ (Peter Handke: „Vor der Baumschattenwand nachts“)

Der Wunsch der Mutter war: Der Sohn solle nicht in Gefahr geraten bei dem Versuch, den Vater zu rächen. Doch sie macht ihn zum Boten ihrer Wünsche. Doublebind en miniature.

Ein Rachedrama, aber trotzdem (weil von Dwan): ein springlebendiger Film, locker aufgebaut, nur lose gestapelt, aus beweglichen Dreiecken. Mittendrin nicht greifbar, just „Passin‘ Through“, Ödipus Fairbanks.


The Good Bad Man (1916 Allan Dwan)

Das Amulett hat die tödliche Kugel aufgefangen.


They Died With Their Boots On (1941 Raoul Walsh)

In The Adventures of Errol Flynn (2005 David Heeley) erzählt Olivia de Havilland von den Dreharbeiten zu The Adventures of Robin Hood (1939 Michael Curtiz). Von ihrem Vergnügen an den sechs, sieben, acht mal wiederholten Takes einer großen Kuss-Szene. Die vielen, vielen Küsse brachten Errol Flynn in Bedrängnis. „He had – if I may say so – a little trouble with his tights.“


King Of The Khyber Rifles (1953 Henry King)

Die Liebe vor dem Hintergrund nicht endender Kriege. In vielen Abenteuerfilmen und Western der 50er Jahre ist „Rassenmischung“ eine große, letzte Hoffnung.

Eigentlich gibt es „Rassen“ überhaupt nur in der Haus- und Nutztierzucht.


Showdown at Abilene (1956 Charles Haas)

Der deutsche Titel: Schüsse peitschen durch die Nacht

“Es versetzt in Erstaunen, dass man selbst als Cinephiler beim Betrachten dieser vielen wieder zugänglichen Filme erkennen muss, dass der gute alte amerikanische Western tatsächlich ein terrain vague ist, eine geradezu unbekannte filmische Gattung.” (Hans Schifferle)

“Das Erstaunliche ist, dass man, wenn man weiß, was die Worte wert sind, sich bemüht, was auch immer zu formulieren, und dass es einem gelingt. Es bedarf dazu freilich einer übernatürlichen Unverfrorenheit.” (E.M. Cioran)

Ich denke, ein Bild könnte die Arbeit mit den Worten überflüssig machen. Das ist natürlich Faulheit.


The Bravados (1958 Henry King)

Guy Endore stellte fest, dass es sicherlich kein bloßer Zufall ist, wenn wir das Wort „Augapfel“ auch gebrauchen, um das Kostbarste zu bezeichnen, das wir besitzen. Im Chinesischen bedeutet das Ideogramm für „Pupille“- „t’ung“ – zugleich „Baby“ oder „Puppe“.


Damals (1943 Rolf Hansen)

Im Griechischen bedeutet das Wort „kore“, das vielleicht in unserem „Kern“ fortlebt, sowohl „Augapfel“ wie „kleines Mädchen“. Warum? Mag es nicht darin liegen, daß ein Kind in dem kleinen Rundspiegel des müttelichen Auges zuerst zur Schule geht, zuerst die Antwort abliest auf seine erste und schrecklichste Frage: Wer bin ich?


Gražuolė (1969 Arūnas Žebriūnas)

Und die tröstliche Antwort, die aus diesem Spiegel widerstrahlt, lautet: „Du bist mein Augapfel. Du bist Mamas kleiner Liebling.“
Warum bedeutet im Hebräischen das Wort für „Pupille“ auch „kleiner Mensch“? Warum haben wir im Lateinischen das Wort pupilla, von dem sowohl das Wort „Pupille“ wie das englische „pupil“ = „Schüler“, „kleiner Gelehrter“ abgeleitet sind?
(Guy Endore, in: „Umweg bei Nacht“, 1958)


Harvey (1950 Henry Koster)

Ende


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