Lemke in Zürich

GESCHÄFTSFREUNDE (1969 Martin Müller)
Fr 20.00 Uhr
ZEIGEN WAS MAN LIEBT (2016 Frank Göhre, Borwin Richter & Torsten Stegmann)
mit Iris Berben, May Spils, Werner Enke, Klaus Lemke, Martin Müller, Dominik Graf, Olaf Möller
Sa 20.00 Uhr
PAUL (1974 Klaus Lemke)
Paul ist Paul Lyss. Eine Frisur wie ein Handfeger, als wäre er fast erwürgt worden und hätte sich soeben erst wieder erholt. Im Glencheck-Anzug, sein Hab und Gut in einer Plastiktüte, stumm auf der Hut vor falschen Freunden, randalierend auf der Suche nach was Schönem. Ein trauriges Raubtier, ein besoffener Heiliger.
Sa 22.00 Uhr
ROCKER (1971 Klaus Lemke)
Dieser gröbste und zärtlichste Film übt einen wilden Zauber aus. Sein Erzählstrang ist virtuos verschlungen wie ein Schifferknoten und löst sich genau so leicht. Zuweilen glaubt man zu begreifen, dass es gar nicht Lemke war, der die Rocker und den kleinen Hans-Jürgen Modschiedler inszenierte; man ahnt, dass vielleicht Van Morrison die „Schatzinsel“ oder die Rolling Stones das „Dschungelbuch“ verfilmten. Bei jedem Sehen aber spürt man, wie einzigartig, ja isoliert Klaus Lemke dasteht, umgeben vom Geheimnis des Genies.
So 16.00 Uhr
SILVIE (1973 Klaus Lemke)
Das Model und der Matrose. Sylvie Winter im Hotel in New York und Paul Lyss im Postamt in München. Sie hält, damit er hört, wie die große Stadt klingt, den Telefonhörer zum Fenster raus. Das Gespräch, das keines ist, kostet ihn ordentlich was. Aber es gibt kein schöneres Telefonat in irgendeinem anderen Film. Überrascht, verwirrt, verliebt zu sein, das gab es nie und nirgends so zu sehen und zu hören wie in SYLVIE. „Mit Film“, sagt Lemke, „kann man länger verrückt sein als mit Drogen oder Alkohohl.“
So 18.00 Uhr
KLEINE FRONT (1966 Klaus Lemke)
GESCHÄFTSFREUNDE (1969 Martin Müller)
mit Klaus Lemke und Peter Berling
ANATAHAN ANATAHAN (1969 Martin Müller)
mit Klaus Lemke als Montgomery Hathaway
FLIPPER (1966 Klaus Lemke)
So 20.00 Uhr
AMORE (1977 Klaus Lemke)
Eine hochkomplizierte Geschichte, eigentlich Ozu plus Rohmer, aber so unglaublich gut erzählt, dass man nur eines wahrnimmt: Cleo Kretschmer! „Bei ihr wechselte der Look ständig, einmal war sie unfassbar glamourös und im nächsten Moment wieder total trutschig. Sie musste nur andeuten, was sie sagen wollte und schon hatte ich die Geschichte im Kopf, sie wusste sofort, worauf ich anspringen würde. Ich war unfassbar in Cleo verliebt.“ (Klaus Lemke)
präsentiert von Torsten Stegmann und Martin Müller
5. Mai – 7. Mai 2023, Rote Fabrik, Zürich
Willy Birgel war aus dem Film der Nazizeit unbeschadet in den Film der Bundesrepublik hinübergeglitten – immer noch Gutsbesitzer und Rittmeister – ganz alte Schule. Gutsbesitzer Finke (Birgel) präsentiert Michael (Hans Holt), dem jungen Studenten der Musik und Sohn des Schulmeisters (Paul Hörbiger), sein Anwesen „So dicke Mauern für die Ewigkeit. Da braucht man eine Ecke, in der man sich wohlfühlt“, geht in einen Billardraum und zeigt „lauter Erinnerungen an Turniere – jetzt soll ich mal endlich wieder in den Sattel steigen“. Er wendet sich zum Billardtisch. “Spielen Sie? Außer Pferden mein einziger Spass.“ Aber Michael spielt nicht Billard, er trinkt auch keinen Schnaps mit. Er gehört einer anderen Generation an.
Der Film ist wie ein Friedhof, aus dessen Gräbern die Geister der Vergangenheit sich der Gegenwart bemächtigen wollen. Aribert Wäscher warnt als Musikproduzent seine Tochter vor Michael: „Der Junge ist in Gefahr“ , Otto Gebühr spukt als Küster in der Kirche herum und Hilde Körber ist das ewige Kindermädchen. Wer fegt die Spinnweben aus diesem Geistergewölbe? Natürlich niemand anderes als Willy Birgel. Sein Arzt untersucht die Lage eines Granatsplitters in seinem Körper, warnt Birgel vor weiteren Reit-Eskapaden und Birgel antwortet starr und falsch: „Ave Caesare“ und fügt hinzu: „Soldaten, die da sterben wollen, muß man geben, was sie wollen.“ Zu den Klängen von „Ich hatt’ einen Kameraden“ sollen alle, alle bei seinem Begräbnis innerlich strammstehen. Nun können Johanna und Michael zusammenkommen. Die Schuld bleibt. „Ich glaubte“, sagt Johanna, „die Schuld würde uns voneinander trennen – aber jetzt weiß ich, wie sehr sie uns aneinander bindet.“ Welche Schuld denn eigentlich? Egal – Hauptsache
Schuld. Johanna bittet Michael, sie zu heiraten und ihr gemeinsamer Blick – der letzte des Films – wendet sich zur Kirche, jenseits des Mühlbaches.














