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Donnerstag, 24.07.2003
Montag, 21.07.2003
TV-Hinweis
Heute, 22:25 Uhr – 23:00 Uhr, 3satEin Bauer der Photographie. Der französische Kameramann Raoul Coutard
Regie: Jürgen Heiter und Hans-Heinz Schwarz
BRD1982/99, OmU
Samstag, 12.07.2003
TV-Hinweis:
Heute Nacht (13.7.), 1.20 – 2.00 Uhr im WDR:Das Land (The Land)
Regie: Robert Flaherty
„Flaherty, gewohnt Filme über Individuen und Gruppen in einem begrenzten Bereich zu drehen, reiste Tausende von Meilen durch die USA und belichtete Tausende von Metern. Was er festhielt, waren Bilder eines fruchtbaren Landes, das durch den Zugriff des Menschen zu einer Wüste zu werden drohte. Wie Bilder eines Körpers, der zu einer einzigen Wunde wird. Dazu die Zerstörungen, die die Technisierung der Landwirtschaft im Leben der Farmer und Landarbeiter angerichtet hatte, die Arbeitslosigkeit und die Landflucht. Noch während der Produktion änderte sich die politische Lage radikal. Der schrittweise Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg, der nach dem Überfall auf Pearl Harbour im Dezember 1941 endgültig war, änderte die Perspektive auf die Landwirtschaft. Es galt jetzt, aus naheliegenden Gründen die Produktion auf Hochtouren zu bringen. So erklärt sich, dass Flahertys bedrückendes Panorama ziemlich unvermittelt in einen positiven und pathetischen Schluss einmündet. Dieses Ende dementiert den Film nicht, es macht die Situation eher noch verzweifelter. Das müssen auch die Auftraggeber so gesehen haben: der Film wurde öffentlich nicht verbreitet. Das kam einem Verbot gleich, das bis heute nachgewirkt hat. Kaum Jemand kennt den Film.“ (Von den WDR-Seiten im Netz)
Samstag, 05.07.2003
Zeitschrifts-Hinweis
shomingeki Filmzeitschrift, Nr. 13/14, Frühling/Sommer 2003
Inhaltsverzeichnis
Stefan Flach – Empörung, Kontaktaufnahme, etwas stellt sich ein
Helmut Färber – Drei Minuten in einem Film von Ozu
Rüdiger Tomczak – Die Ozu-Berlinale
Johannes Beringer – Varia – Notiertes zu Film und Kinematographie
Bettina Klix – Film, Farbe, Verdrängung – über Frieda Grafe
Rüdiger Tomczak – Über vier Filme von Dang Nhat Minh
Dang Nhat Minh – Im Reich der Dunkelheit und des Lichts
Johannes Beringer – Der Autodidakt: Maurice Pialat
Rüdiger Tomczak – Das geschlagene Kind – über Hou Hsiao Hsien
Bettina Klix – Zensur
Stefan Flach – Eine Geste (Wilde Erdbeeren)
Claude R. Blouin – Spielen oder Leben – Eine Interview mit Makiko Esumi und Etsushi Toyokawa
Johannes Beringer – Ein Kabel, eine Mauer – Filme von Chantal Akerman und Rithy Panh
Christian Hanussek – what you lose on the swings you gain on the roundabouts von Anette Rose
Der Autodidakt: Maurice Pialat, von Johannes Beringer ist auch auf unserer Langtextseite zu lesen, der Rest der Texte im Heft. Bezugsadressen entweder hier, oder via e-mail.
Samstag, 28.06.2003
Fernseh-Hinweis
Heute Nacht, Samstag/Sonntag 29.6., 1:40 – 3:30, ZDF
DIE ABENTEURER
Frankreich/Italien 1966
Regie: Robert Enrico
Mit: Alain Delon, Lino Ventura, Joanna Shimkus
Freitag, 27.06.2003
Klagenfurt, Blicke
Beim morgendlichen Kontrollblick, ob der Recorder den Spätfilm auf einem der Dritten vollständig mitgeschnitten hat, kann es passieren, daß man plötzlich („kurz mal durchschalten“) irritiert hängenbleibt bei jemandem, der liest und einer soundsovielköpfigen Jury, die zuhört und danach darüber richtet.
Klagenfurt, Bachmann-Preis, schon wieder ein Jahr vorbei.
Dass es das noch gibt, wundere ich mich dann, und bin zugleich abgestossen und fasziniert von den Mechanismen, die da alle Jahre wieder am Werk sind. Auf mich wirkt die Veranstaltung immer obszön, auf eine irgendwie perfidere Art als die Nachmittags-Talkshows, wo die gespielte Erregung zumindest immer wieder zu lustigen Entgleisungen führt und die Leute auf eine interessantere Art uninteressant sind.
„Literatur im Fernsehen.“ Eigenes Thema, das überleben die besten Texte nicht. Ist mir ohnehin noch nie passiert, daß ich im Fernsehen (oder überhaupt: bei einer „Lesung“) einen Text kennengelernt hätte, von dem ich dachte: wow, das ist es, mehr davon.
Die größte Überraschung in diesem Jahr war für mich, daß Thomas Steinfeld so aussieht wie Wolfgang Niedecken. Ich hatte ihn mir eher so vorgestellt wie Klaus Meine.
Mittwoch, 18.06.2003
Weerasethakul
Kinotipp Berlin, Donnerstag, 19.6., Arsenal, 19:00
Reihe Text und Film, Mike Holboom kombiniert Marguerite Duras („La Pute de la côte normande“) und Apichatpong Weerasethakuls „Mysterious Object at Noon“, über den Jonathan Rosenbaum schreibt:
The entire film is a heady mix of fiction and nonfiction, with fantasy and actuality rubbing shoulders at every stage, and what emerges from the collective unconscious of the participants is surprising and fascinating. Weerasethakul packages his findings in diverse and inventive ways: as an improvised outdoor musical performance, as a game played by school children, as a collaborative description in sign by two teenage deaf-mutes. I can’t think of another film remotely like it. (hier)
Weerasethakuls zweiter Film – „Blissfully yours“ – war einer der schönsten des letzten Jahres (mehr dazu, von mir, hier)
Jaal, Guru Dutt, 1952
Jaal, Guru Dutt, Indien 1952
Eine Stunde fehlt mir, am Anfang (Dank an die taz, die das Kleingedruckte im Arsenal-Programm nicht zu lesen versteht) und als ich ins Kino komme, badet Dev Anand in einem kleinen Trog im Freien, bedrängt von zwei Scheichs, von denen nicht klar ist, wie sie da hin kommen, und einem kleinen Mann mit vielen spanischen Namen, der zwischen Hindi und Arabisch übersetzt. Es geht um Gold. Und es geht um Maria, die Frau, die Tony, den Dev Anand spielt, sich kurz darauf mit einem Seil, das er zum Lasso schlingt, auf den Baum zieht, in dem er sitzt. Sie singen. (In Sangam – von 1964 – sitzt Raj Kapoor, neben Guru Dutt der zweite große Schauspieler&Regisseur des klassischen Bollywood, im Baum, mit einem Dudelsack, und singt. Die Frau, die er begehrt, auch eine Dreiecksgeschichte, schwimmt im Fluß.) Hier nun, in Jaal, brandet das Meer an den Strand, Palmen überall, Fischernetze, Jaal heißt Netz. Die Kamera umspielt den Baum, rückt Maria ins Bild, rückt Tony ins Bild und erklärt ohne Worte, dass es um die beiden geht und gehen wird, nach der Vorgeschichte, die ich verpasst habe. Die Vorgeschichte, von der ich naturgemäß nicht weiß, wie ausführlich der Film sie verhandelt hat, bringt das gestohlene Gold ins Spiel, Gier und Lisa, eine andere Frau, die Tony zugrunde gerichtet hat. Tony ist der romantische Held des Films, gespielt von Dev Anand, den Guru Dutts erster Film, Baazi, im Jahr zuvor zum Star gemacht hat. Eine zwielichtige Figur, um das mindeste zu sagen. Zwanzig Jahre später erst wird dieser Heldentypus Amithabh Bachchan, in Deewar oder Sholay, zur Legende machen, Jaal war kein Erfolg beim indischen Publikum. Danach spielte Dutt seine Hauptrollen meist selbst, bis zum Desaster, das Kagaaz Ke Phool war, sein 8 1/2, das schwerblütige Melodram um den auf ganzer Linie gescheiterten Bollywood-Regisseur.
Das Gold, der Mann, die Frau, die ihm verfallen ist, ihr blinder Bruder Carlo, Simon, der Maria liebt mit der Hoffnungslosigkeit der Aufrechten (die Namen wie der Schauplatz bleiben mir ein Rätsel). Große pathetische Szene: der Lockgesang Tonys, die Gitarre in der Hand, der Wind stößt die Tür des Balkons auf, zum Zimmer, in dem Maria widerstehen will und widerstehen will und, natürlich, zuletzt, nicht widerstehen kann. Er singt, sie singt, sie stürmt hinunter, hinaus ins Freie (des Studios, die Palmen an die Wand gemalt), zu ihm, sie küssen sich. Sie will dann zum Meer, eine letzte, verzweifelte Bewegung, Versuch einer Flucht, sie verfängt sich im Netz, das den Titel gibt und hier, in schöner Überdeutlichkeit, für den Sex steht, den sie haben werden, das Verfallensein, das in lieblicher Musik Ausdruck findet und Bilder braucht (einmal filmt Dutt den Beginn einer Einstellung durch ein Fischernetz, kriecht mit der Kamera darunter hervor). Der Knoten, der sich zum Ende hin schürzt: Sie will mit Tony fliehen, übers Meer – an Hemingway muss ich denken, eigentlich schon die ganze Zeit -, der Bruder aber und Simon, mit dem sie verlobt ist, notverlobt, muss man sagen, eilen hinterher, Schüsse von Boot zu Boot, Schüsse an Land und Maria wirft sich dazwischen, hindert Tony, der nun sich entscheidet, fürs Gute, am Töten. Sie wird auf ihn warten. Auf uns wartet, als letzte Einstellung, ein Kreuz auf Uferfelsen, denn dies ist, noch ein Rätsel, ein durch die gesamte katholische Ikonografie gespieltes Melodram. Vielleicht klärt sich manches in der ersten Stunde, die ich nicht gesehen habe. Schöner wäre es, wenn nicht.
Fernseh-Hinweis
„So there would not be another film by Barbara Loden.“
WANDA, von Barbara Loden, USA 1970
Donnerstagnacht, 20.6.03 um 0:45 Uhr, ARD