new filmkritik

Sonntag, 13.01.2008

The City of the Future

Die Urgeschichte der Zukunft der Stadt sucht Patrick Keiller in den Bildern ihrer Vergangenheit. Das ist sein Projekt an der Londoner Royal Academy of Arts, ein Zwischenergebnis seiner Archivarbeit präsentiert er seit Ende November als Installation im vormaligen NFT (neuerdings BFI Southbank). Angelehnt ist das an einen Gedanken von Bergson, der als Motto fungiert: Wenn die naturgesetzliche Kausalität irgendeine Gültigigkeit habe, müsse doch in der physikalischen Gegenwart eines Abgebildeten das Kommende schon enthalten sein. Mit dieser deterministischen Sottise, die an Laurie Andersons drollige Schallarchäologie in geschlossenen Räumen erinnert, macht Keiller Ernst.

Auf fünf frei hängenden Leinwänden laufen Filme aus der Frühzeit, Newsreel-Material, actualités, hauptsächlich ihrerseits bewegte Bewegtbilder, oft aus Verkehrsmitteln aufgenommen und fast alle ungeschnitten. Großstädtische Straßenszenen, Flüsse, Ausflügler in Dampfbooten, Liverpool, Manchester, Jerusalem, London. Zuschauer können, wenn sie denn endlich an der Reihe sind, die Projektionen von Pulten aus wie eine DVD steuern. Stadtpläne und Landkarten erleichtern die Navigation. Zwischen einer und drei Minuten lang sind die Filme, wie um 1900 eben üblich.

So filmen heute nur noch unbedarfte Amateure oder unverzagte Avantgardisten: die Kamera aus einem fahrenden Vehikel unverdrossen in die Gegend halten. Vor hundert Jahren war es noch eine Attraktion und Stoff genug für Newsreel-Streifen der Marken Biograph, Lumière & Co, von denen Patrick Keiller unzählige gesichtet und 68 ausgewählt hat: “phantom rides”, aufgenommen von fahrenden Bahnen, Wagen, Schiffen; führerlos, kommentarlos; ein Repertoire urbaner Achsen und Adern, ein Panorama der Panoramen. Die Sammlung reizt zum Listenbilden.

Es ergibt sich ein Inventar der Bewegungsvektoren: Ankünfte, Abstiege, raumgreifende Diagonalen und Kreisbeschreibungen, zweigleisige Tracking-Feedbacks beim Filmen eines fahrenden Zugs aus einem parallel fahrenden. Kino und Verkehr überkreuzen sich in einem Blickpassagenprojekt. Menschen kommen auch vor und schauen dann frenetisch winkend zurück. An der Dauer der unmontierten Aufnahmen interessiert Keiller laut Begleittext der prekäre Moment an der Schwelle einer Revolution im Raumbewußtsein des modernen Menschen, dessen Blick dabei aber noch der linearen ganzheitlichen Logik einer vergehenden Epoche verhaftet bleibt, die Sichtweise des Menschen, der des Umbruchs von Undustriezeitalter und Montage noch nicht inne geworden ist.

Solche Spekulationen bleiben leider Rudiment, wie die ganze Installation eher Zwischenstandsbericht als fertiges Werk ist. Einen erklärenden oder komplizierenden Kommentar behält sich Keiller für eine angekündigte Filmfassung vor, von der er live bei einer Begehung der Ausstellung letzte Woche aber schon wieder Abstand genommen hat: Er habe ein fiktionales Format ausprobiert, dann jedoch unbefriedigend gefunden. Das ist tatsächlich unbefriedigend, aber andererseits auch wieder gut. Denn das alles klingt eh weniger originell, als es aussieht – jedenfalls nach ein, zwei Stunden hypnotischer Versenkung. Ohne robinsonesken Überbau kann man sich um so unbeschwerter im Urfilm der vorbeirauschenden Stadtschaft verlieren und auf eigene Faust Zukunft interpolieren. Kann man noch bis 3. Februar 2008, sollte sich jedoch beeilen, die Tasten der unpraktischen Bedienpulte hakeln schon.

Mittwoch, 09.01.2008

La question humaine

Die unverwüstliche Jungenhaftigkeit des Mathieu Amalric. Hier als Erschöpfungszustand gespielt, als Durchlässigkeit gegenüber einer Gegenwart, an der nur noch zu leiden ist. Amalric ist Simon Kessler, leitender Psychologe der Abteilung Human Resources eines französisch-deutschen Chemie-Konzerns, der, damit fängt es an, „SCFarb“ heißt und vor kurzem aus den üblichen Gründen die halbe Belegschaft wegrationalisiert hat. Personalpolitik als effizienter Kurzschluss zwischen individuellen und kollektiven psychischen Systemen, ein Wettlauf zwischen Produktionserwartung und vorab diagnostiziertem Bewerberdefekt. Das dazugehörige Individuum gilt es hinsichtlich seiner Leistungsdaten auch als Privatperson transparent zu machen. Der Netzwerk-Geist des neuen Kapitalismus geistert durch diesen Film bis in die Szenen seiner unmöglichen Verdrängung hinein: der nächtliche Exklusiv-Rave, die grobe Intimität, die keine nicht-öffentlichen Räume mehr findet. Das vermeintlich „Faschistoide“ neoliberaler Verhältnisse verleitet Emmanuel/Klotz/Perceval zu verwirrten Analogiebildungen. Lou Castel gibt dem anhängigen Geschichtsverständnis den (Fremd-)Körper eines Exkludierten, der Sprachkritik übt. Wie der Film sich diese Position Schubert-umwölkt auch figurativ zu Eigen macht – die Fabrikschlote, die Gleise – ist das eine. Wie er ein Dokument aus Lanzmanns Shoah (den von Lanzmann selbst vorgelesenen „Vermerk: Betrifft: Technische Abänderungen an den im Betrieb eingesetzten und an den sich in Herstellung befindlichen Spezialwagen“) inkorporiert und ästhetisch reformatiert, ist unannehmbar. Nicht nur Amalric verliert in diesem fantasierten Kontinuum, das sich, gespeist aus den „Nachwehen der Geschichte“ (Elisabeth Perceval), angeblich immer weiter in die sprachlichen Erfassungstechniken des Globalkapitalismus fortschreibt, bedenklich die Orientierung.

La question humaine F 2007. Regie: Nicolas Klotz, Drehbuch: Elisabeth Perceval, Romanvorlage: Emmanuel Francois, mit Mathieu Amalric, Michael Lonsdale, Lou Castel

Montag, 07.01.2008

Das Leben selbst

„Mit einer von Ironie erfüllten Bewunderung erzählte Stéphane Mallarmé, er habe in einer Londoner Music Hall eine Vorstellung gesehen, die jeden Abend massenhaft Menschen anzog: Die Direktion begnügte sich damit, gegen eine angemessene Vergütung ein Ehepaar auf die Bühne zu bringen, das seinen Abend vor einem Publikum genau so verbrachte, als säße es zu Hause. Man trank Tee, plauderte darüber, was man tagsüber gemacht hatte, besprach Haushaltsfragen, man verbreitete sich vielleicht noch über die Zeitungslektüre: es war das Leben selbst. Und am Ende gingen alle ganz zufrieden zum Schlafen nach Hause. Warum nicht? Ich bin ganz sicher, daß ein Film, dessen Drehbuch sich auf das beschränkte, was die farbloseste gewöhnliche Person der Welt an einem ganz ähnlichen Tag erlebt, und in dem diese Person ganz einfach so gezeigt würde, wie sie den Tag verbringt, durchaus Anklang finden könnte.“

[Paul Valéry: „Meine Theater“ [1942], in: Ders.: Werke. Frankfurter Ausgabe, Band 2: Dialoge und Theater, hg. von Karl Alfred Blüher, Frankfurt/Main: Insel 1990, S. 434-439: 434f.]

Samstag, 05.01.2008

Langtexthinweis

* Michael Baute: Die Retrospektive mit Filmen von Hou Hsiao-Hsien im Sommer 2007 in Berlin im Babylon Mitte

Die Retrospektive mit Filmen von Hou Hsiao-Hsien im Sommer 2007 in Berlin im Babylon Mitte

Die Retrospektive mit Filmen von Hou Hsiao-Hsien im Sommer 2007 in Berlin im Babylon Mitte. Oft im kleinen Studiokino mit der defekten Lüftung, und die rückseitigen Fenster waren geöffnet. Daher kamen dann die Stadtsounds, die sich auf die der Filme legten. Der eine Lieblingsfilm, PUPPETMASTER, ist voller traditioneller Melodien im Dienste des Rhythmus. Von Streichinstrumenten, die wie verstimmte Flöten klingen. Halbtonlastigkeit. Für Momente, drei- oder viermal, ein eigens komponierter Score: etwas Ambientiges mit dominanten Saiteninstrumenten. Das wird dann auch als Tonbrücke genutzt, Bilder miteinander zu kombinieren. Die einzelne Sequenzen werden durchweg durch langsame Aufblenden eingeführt und ausgeleitet durch langsame Abblenden. Manchmal hörst du den Berliner Sommernachtregen als Parallelgeräusch aus den geöffneten Fenstern, das ist schön, das passt irgendwie.

Viele Szenen in Innenräumen. Ist ein bestimmter Aufnahmewinkel einmal etabliert, wird er meist auch in späteren Szenen innerhalb eines Settings wiederverwendet. Selten Gegenschüsse, die eine Orientierung über die Raumverhältnisse ermöglichen würden. Lichtquellen unterschiedlicher Intensität. Im Bildhintergrund meist eine Art Öffnung, ein definiertes Off, aus dem häufig Leute aus diffusem Licht in die Szene treten. Ein meist schwaches Oberlicht. Es beleuchtet einen kleinen Kegel in der Bildmitte. Dazu schwaches Seitenlicht, häufig von rechts. Im Bildvordergrund befinden sich Vorhänge, Mauervorsprünge, halb geöffnete Türen, Tücher. Die behindern den Blick und verbinden sich mit den Schatten im Bildmittelpunkt zu einer besonderen Flächigkeit. Sie staffeln. Keine repräsentative Perspektive. Aufgrund dieser Staffelungen und Bewegungen im Bild dessen Tiefe. Die Theater- und Puppenspielaufführungen sind ganz anders strukturiert. Das Puppenspiel in einer schön aufwändigen, tragbaren Bühne. Die gibt zunächst den Rahmen. Später langes Zuschauen in Seitenblicken, angeschnitten, hinter die Szene.

Der Puppenspieler in PUPPETMASTER häufig aus dem Off zu hören, erst nach einer ganzen Weile sieht man ihn dann, am Ort des gerade gesehenen Geschehens. In unterschiedlichen Jetzt-Kleidungen tritt der dann noch 5 oder 6 mal in den Film, immer aus der eben noch die Vorher-Fiktion erfassenden Perspektive an den gerade noch aufgeladenen Schauplätzen gefilmt. Eine erschreckende Gelassenheit kommt daher.

Landschaftstotalen mit transistorischen Funktionen. Ihr Bewegungsinhalt handelt von Reisen, Passagen, Bewegungen von einem Ort zum anderen. Selten wird dabei klargemacht, wohin es geht. Über eine schmale Hängebrücke wandert eine japanische Militärkapelle, gerade noch kann man sie anhand ihrer weißen Uniformen und einer kleinen Standarte mit der japanischen Flagge erkennen.

Oft ist Rauch oder Staub im Bild, sei es von den offenen Feuerstellen in den Häusern, aus den langen Pfeifen mit den kleinen Köpfen, oder es ist vom Wind aufgewirbelte Erde vom Rand der Wege.Die Landschafts- und Außentotalen gerne am frühen Morgen oder am späten Abend. Lange Schatten, eine Art Lichtfilmeindruck. Ein Licht aus starken Strahlen, geschichtet. Die Umrisse der Berge am Horizont.

Gewaltigkeit, Ausbrüche.

Die Zigarettensequenz. Er nimmt eine Zigarette und steckt sie quer zwischen seine Lippen. Sie entzündet einen Streichholz und bewegt ihr Gesicht neben seines. Wange an Wange mit ihm entzündet sie nun das eine Ende der Zigarette und inhaliert am anderen, ihm ganz nah. Das ist eine von ihnen eingeübte Routine, ein Stunt, den sie hier, unbeteiligt routiniert, einem Zuschauer, der mit am Tisch sitzt, vorführen. Ich erinnere mich daran, dass diese Szene eine Sequenz aus Shanghai darstellt.

*

SUMMER AT GRANDPAS

Gewaltige Bilder des Offiziellen, militärisch anmutende Formationen, Chorgesang aus hunderten von Kehlen. Die offizielle Verabschiedung aus der Grundschule. Eine Art Rede eines kleinen Mädchens: Erinnerung an die Einschulung und die Größe der zurückgelegten Schulzeit. Emphatischer Dank an die aufoperungsvollen Lehrer. Schule des Lebens.Der Junge, von dieser Verabschiedung vom Vater abgeholt. Die Mutter im Krankenhaus. Eine schwere Operation steht an, die Mutter ist schwach. Erinnerung an die Pflichten des Aufenthalts beim Großvater. Szenisches Diktat der Auflösung. Die Inszenierung in Einheiten. Die alten Grammatiken. Totalen, Halbtotalen, Halbnahe. Die beiden Kinder, das Mädchen ist vielleicht 5, der Sohn vielleicht 10, sollen den Sommer über beim Großvater verbringen auf dem Land. Fahrt mit dem Bruder der Mutter und dessen Freundin im Zug aufs Land. Das rhythmische Geräusch der Passage über die Schienen. Bahnhöfe, Transiträume. Deren Weite und Funktionalität. Deren Durchlässigkeit. Die Szenen sind hier wichtiger als die einzelnen Bilder. Die Einzelbilder sind der Kitt, die Zwischenfälle der Werkstoff. Das Mädchen macht sich in die Hose. Der Onkel verpasst den Anschlusszug. Warten der beiden Kinder auf dem ländlichen Bahnhofsvorplatz. Er spielt mit seinem fernsteuerbaren Modellauto und tauscht es gegen eine Schildkröte der zuschauenden Dorfjugend. Der Film ist eine Romanverfilmung. Viel Licht, wenig Dunkel, was an der Wahrnehmung und den Wachzeiten der Kinder liegen wird. Der Großvater ist ein stiller und autoritärer Arzt. Die Großmutter umsorgend. Patienten. Spiel im Inneren des Haus. Spiel im Äußeren, als die anderen Kinder ihre Schildkröten gegen weitere Spielzeuge eintauschen wollen. Episoden, Anekdoten, lockere Verknüpfungen. Die Milde des Sommers ist kaum von einer eingebauten Vergänglichkeitsanmutung unterspült (wie in The Boys…). Stattdessen formative Ereignisse. Deren Formbildung wird jeweils szenisch registriert. Es ist, als ob die Szenen am Ende jeweils einen Vollzug annoncieren: Wir haben hier gesehen, wie der Junge dies oder jenes gelernt hat. Beispiel: Mit seinen neuen Freunden macht sich der Junge auf zum Spiel in der Gegend. Die kleine Schwester will mit. Die anderen wollen es nicht. Sie beschließen, ihr zu enteilen. Sie rennt hinter den Davoneilenden her. Sie verfängt sich in den Schienen. Das sieht der Junge von weitem. Die Verrückte aus dem Dorf rettet das Mädchen. Sie schleppt sie huckepack die Schienen entlang laufend zurück und die Jungen folgen ihr und wollen das Mädchen herausgegeben wissen. Aber die Verrückte hört nicht auf sie. Rumpelige 16mm-Kopie, ausgebleichte Untertitel. Kleine Aufmerksamkeiten, Zwischenschnitte auf Details. Sie müssen im vorliegenden Roman eine Besonderheit bedeutet haben. Wie der Onkel verstoßen wird vom Großvater und sich versteckt in der kleinen Stadt in einer kleinen Wohnung. Dort beherbergt er fliehende Kleinverbrecher. Die kennt er noch aus seiner Jugend. Der Junge erkennt sie bei einem Besuch. Die Polizei befragt ihn. Er denunziert den Onkel.

*

MILLENIUM MAMBO

Erinnerung an die Marktvorführung des Films während der Berlinale 2002. Wir hatten ein paar der Filme von HHH in den Berliner Kinos gesehen, die Geschichtsfilme. Eine Video-CD mit schlechter Bildqualität von GOODBYE SOUTH, GOODBYE war im Umlauf. Das Porträt von Assayas. Im überfüllten Studiokino des Babylon. Dichte Luft. Leute mussten an den Wänden stehen. Nebenan im großen Saal wurde vor wenigen Zuschauern ein Bergmannfilm gezeigt, weil Bergman tot war. Wieder gab es eine Panne bei einem Aktwechsel. Jack Kao in der Sauna, man sah nur die untere Hälfte des Bildes. Der Vorführer hatte den Bildstand nicht korrigiert, es dauerte diese ganze Szene, bis man die Sache richtig anschauen konnte. Jack Kao spielt in vielen Filmen HHHs. Die Frau spielt in einigen, zuletzt in 3 TIMES. Die Erzählzeit, die Filmzeit, deren Auswirkungen auf die Realzeit. In MILLENIUM MAMBO unterspülen sich die Verhältnisse. Eine heimelige Irritation. Der Off-Text der Erzählerin, die nicht identisch ist mit der Frau. Drei Figuren im heutigen Taiwan. Taipei, das sind Innenräume, eine kleine Wohnung, in der sie mit Hao-Hao wohnt, eine Disco, eine Sauna, die Wohnung Jacks. Es gibt wenig Außen, eine Brücke, Jacks Auto. Die strömende Musik, ambientiger Techno. Hao-Hao steht oft vor den Plattenspielern und versorgt den Film damit. Dann aber verselbständigt sich diese Musik. Sie bildet den Kitt. Jemand nannte diese Filme HHHs (Millenium Mambo, Goodbye South Goodbye) seine „Zeitgeistfilme“. Die Musik versorgt die Bilder mit einer sanft pulsierenden Wärme. Die Kamera in den Innenräumen. Meist steht sie zu Beginn fix, arretiert. Doch innerhalb der Szene bewegen sich die Akteure. Die Akteure scheinen sich der Kamera nicht bewusst. Oft sind sie angeschnitten gezeigt, ein relatives Off entsteht aufgrund ihrer Bewegungen aus der fixen Kadrierung heraus. Nach einer Weile des Verharrens beginnt die Kamera anscheinend neugierig zu werden. Sie verharrt nicht mehr. Sie sucht sich Sachen aus dem Bild, die sie neukadriert. Die Kamera ist aber schnell wieder gelangweilt, sieht stumm, resignierend, die Beharrlichkeit, mit der sich die Figuren ohne ausreichende Mittel bekriegen.

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DAUGHTER OF THE NILE

Problem der Parallelmontage. Kaum etwas verstehe ich hier. Taipei. Ein junges Mädchen, ohne Mutter, der Vater über weite Strecken des Films nicht anwesend. Später erfährt man, dass er bei einem Wachdienst arbeitet. Kriminelle Vergangenheit. Das Mädchen aber ist die Hauptfigur. Sie kümmert sich um die kleine Schwester. Sie arbeitet bei Kentucky Fried Chicken als Bedienung. Ihr Bruder, kriminelle Machenschaften, nachts begeht er Diebstähle. Die schiefe Bahn. Bodyguard für einen Gangster. Leiter eines Restaurants. Die Unterwelt, die schiefe Bahn. Das Mädchen hat Schwierigkeiten in der Schule. Gewalt. Der Großvater, wohl Vater der toten Mutter, wird vom Puppetmaster gespielt. Auch hier wieder: ein Feuerwerk (wie in Summer at Grandpa’s und Puppetmaster).

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FLOWERS OF SHANGHAI möchte ich gerne wiedersehen.

Montag, 31.12.2007

2007 – 9 Listen

18 Filme, 1 Serie
– Michael Baute –

The Pool (Chris Smith, USA 2006)
Letters From Iwo Jima (Clint Eastwood, USA 2006)
Madonnen (Maria Speth, D 2007)
Shotgun Stories (Jeff Nichols 2007, USA 2007)
Halfmoon Files (Philip Scheffner, D 2007)
Killer of Sheep (Charles Burnett, USA 1977)
Old Joy (Kelly Reichardt, USA 2006)
Toni (Jean Renoir, F 1934)
Talladega Nights: The Ballad of Ricky Bobby (Adam McKay, USA 2006)
Knocked Up (Judd Apatow, USA 2007)
Uppför Donau (Die Donau rauf; Peter Nestler, S 1969)
Jaba (Andreas Bolm, D 2007)
Five Easy Pieces (Bob Rafelson, USA 1970)
Thames Film (William Raban, GB 1986)
Ferien (Thomas Arslan, D 2007)
Het Witte Kasteel (The White Castle; Johann van der Keuken, NL 1973)
Lampa cu caciula (The Tube With A Hat; Radu Jude, R 2006)
Still Life (Jia Zhang-ke, China 2006)
Sopranos, Season 6 (David Chase, USA 2006/7)

*

20 Filme (Kino & TV) & 2 Serien
– Daniel Eschkötter –

The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford (Andrew Dominik; USA 2007)
Bangiku/Late Chrysanthemums (Naruse Mikio; J 1954)
Brick (Rian Johnson; USA 2005)
California Split (Robert Altman; USA 1974)
Detektive (Rudolf Thome; D 1969)
Eastern Promises (David Cronenberg; UK/CAN/USA 2007)
Eine Stadt wird erpresst (Dominik Graf, D 2006)
Ferien (Thomas Arslan; D 2007)
Freaks & Geeks (created by Paul Feig; USA 1999/2000)
I’m Not There (Todd Haynes; USA 2007)
Juventude em Marcha (Pedro Costa; POR/F/CH 2006)
Killer of Sheep (Charles Burnett; USA 1977)
Lady Chatterley (Pascale Ferran; F/BE/UK 2006)
La leçon de guitare (Martin Rit; F 2006)
Sang sattawat/Syndromes and a Century (Apichatpong Weerasethakul; Thailand/F/AU 2006)
State Legislature (Frederick Wiseman; USA 2007) • Superbad (Greg Mottola; USA 2007)
Talladega Nights: The Ballad of Ricky Bobby (Adam McCay; USA 2006)
Tsuma yo bara no yo ni/Wife! Be Like a Rose! (Naruse Mikio; J 1935)
The Wire, Season 4 (created by David Simon; USA 2006)
Zidane, un portrait du 21e siècle (Douglas Gordon, Philippe Parreno; F/IS 2006)
Zwartboek (Paul Verhoeven; NL/BE/D 2006)

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20 Filme – im Kino
– Rainer Knepperges –

Gerard Depardieu > Quand j’etais chanteur (Xavier Giannoli 2006)
Marion Davies > The Patsy (King Vidor 1928)
Michael Shannon > Shotgun Stories (Jeff Nichols 2007)
John Waters > This Filthy World (Jeff Garlin 2006)
Ossi Oswalda > Ich möchte kein Mann sein (Ernst Lubitsch 1918)
Asta Nielsen > Engelein (Urban Gad 1914)
Robert Ryan > Odds against tomorrow (Robert Wise 1959)
Iris Berben > Brandstifter (Klaus Lemke 1969)
Jon Heder > Blades of Glory (Will Speck & Josh Gordon 2007)
Chris Cooper > Breach (Billy Ray 2007)
Paolo Stoppa > L’ Oro di Napoli (Vittorio de Sica 1954)
Leslie Mann > Knocked Up (Judd Apatow 2007)
Thomas Harlan – Wandersplitter (Hübner & Voss 2006)
Robert Evans > The Sun Also Rises (Henry King 1957)
Deborah Kerr > Beloved Infidel (Henry King 1959)
Belle Bennett > Stella Dallas (Henry King 1925)
Gregory Peck > Twelve O’Clock High (Henry King 1949)
Susan Hayward > I’d Climb the Highest Mountain (Henry King 1951)
David Wayne > Wait ‘till the Sun Shines, Nellie (Henry King 1952)
Christopher Mintz-Plasse > Superbad (Greg Mottola 2007)

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20 Filme, 1 Serie (Kino, DVD, TV), nur Aktuelles
– Ekkehard Knörer –

Halfmoon Files (Philip Scheffner, D 2007)
Knocked Up (Judd Apatow, USA 2007)
Still Life/Dong (Jia Zhang-ke, China 2006)
Battlestar Galactica Season 3 (Ronald D. Moore, USA 2006/7)
Eastern Promises (David Cronenberg; UK/CAN/USA 2007)
Eine Stadt wird erpresst (Dominik Graf, D 2006)
Lady Chatterley (Pascale Ferran; F/BE/UK 2006)
Syndromes and a Century (Apichatpong Weerasethakul; Thailand/F/AU 2006)
State Legislature (Frederick Wiseman; USA 2007)
Thomas Harlan – Wandersplitter (Hübner & Voss 2006)
Zodiac (David Fincher; USA 2007)
Buongiorno Notte (Marco Bellocchio, Italien 2003)
Them (Artur Zmijewski, Polen 2007)
Paprika (Satoshi Kon, J 2006)
Ilkimler – Jahreszeiten (Nuri Bilge Ceylan, Türkei 2007)
Vier Monate, drei Wochen und zwei Tage (Cristian Mungiu, Rumänien 2007)
Yella (Christian Petzold, D 2007)
Inland Empire (David Lynch, USA 2007)
Import/Export (Ulrich Seidl, Ö 2007)
Nachmittag (Angela Schanelec, D 2007)
Death Proof (Quentin Tarantino, USA 2007)

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– Volker Pantenburg –

Forty Guns (Samuel Fuller; USA 1957)
Francesco, giullare de Dio (Roberto Rossellini; I 1950)
Futarizuma – Tsuma Yo Bara No Yô Ni (Mikio Naruse; JP 1935)
Him and Me (James Benning; USA 1982)
Killer of Sheep (Charles Burnett; USA 1977)
Lady Chatterley (Pascale Ferran; F/Belgien 2006)
Le Cabale des oursins (Luc Moullet; F 1991)
Le Pont du Nord (Jacques Rivette; F 1981)
Lonesome (Paul Fejos; USA 1928)
Mababangong bangungot (Kidlat Tahimik, Philippinen 1977)
Meghey Dhaka Tara (Ritwik Ghatak; IN 1960)
Napoléon vu par Abel Gance (Abel Gance; F 1927)
Ouarzazate Movie (Ali Essafi; F/Marokko 2001)
Paul (Diurka Medveczky; F 1969)
State Legislature (Frederick Wiseman; USA 2007)
Talladega Nights: The Ballad of Ricky Bobby (Adam McKay; USA 2006)
The Heartbreak Kid (Farelly & Farelly; USA 2007)
Trop tôt, trop tard (Jean-Marie Straub/Danièle Huillet; F/Ägypten 1981)
Yek atash / A Fire (Ebrahim Golestan; Iran 1961)
Zodiac (David Fincher; USA 2007)

*

– Bert Rebhandl –

Bamako (Abderrahmane Sissako, Mali/Frankreich 2006) Kino
Sevilla – ∞ (06) (Olivo Barbieri, Italien 2006) Kino Forum Expanded
300 (Zack Snyder, USA 2006) Kino
Grizzly Man (Werner Herzog, USA/CAN 2005) DVD
Hamaca Paraguaya (Paz Encina, Paraguay 2006) DVD
Dov’è la libertà? (Roberto Rossellini, Italien 1952) Kino
Buongiorno Notte (Marco Bellocchio, Italien 2003) Kino
Der ganze Körper fühlt sich leicht und möchte fliegen (Christof Kohlhöfer/Sigmar Polke, Deutschland 1969) Mumok Wien
Von gegenüber (Clemens von Wedemeyer, D 2007) Skulptur Projekte Münster
FC Arsenal – FC Fulham (Premiere Sport 12. August 2007)
Sopranos (David Chase e.a., USA 1999-2007) DVD

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2007 habe ich zum ersten Mal gesehen:
– Stefan Ripplinger –

Doctor Bull (1933); Judge Priest (1934); The Informer (1935); Steamboat Round the Bend (1935); The Prisoner of Shark Island (1936); Mary of Scotland (1936); Young Mr. Lincoln (1939); Wagon Master (1950); Mogambo (1953); alle von John Ford. Außerdem Paisà (1946) von Roberto Rossellini, The Wrong Man (1956) und Mr. & Mrs. Smith (1941) von Alfred Hitchcock, Musashino Fujin (1951) und Saikaku ichidai onna (1952) von Kenji Mizoguchi, Magnificent Obsession (1953), The Tarnished Angels (1957) und Imitation of Life (1959) von Douglas Sirk, Seven Men From Now (1956) von Budd Boetticher, Winchester ’73 (1950), The Naked Spur (1952), The Far Country (1954), The Man From Laramie (1955) von Anthony Mann, The Party (1968) von Blake Edwards sowie Moses und Aron (1974) von Danièle Huillet und Jean-Marie Straub. Lehrjahre sind gute Jahre.

*

– Simon Rothöhler –

The Pool (Chris Smith) 2007
L’Avocat de la terreur (Barbet Schroeder) 2007
Eastern Promises (David Cronenberg) 2007
The Casting / De Groote Boodshap (Omer Fast) 2007
Them (Artur Zmijewski) 2007
Still Life / Dong (Jia Zhang-ke) 2006
Thomas Harlan – Wandersplitter (Christoph Hübner) 2007
Letters from Iwo Jima (Clint Eastwood) 2006
The Halfmoon Files (Philip Scheffner) 2007
The Sopranos 6.2 (David Chase) 2007

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– Stefanie Schüter –

Lady Chatterley (Pascale Ferran, Belgien/Frankreich 2007)
Vier Monate, drei Wochen und zwei Tage (Cristian Mungiu, Rumänien 2007)
Madonnen (Maria Speth, Deutschland/Schweiz/Belgien 2007)
Elle s’appelle Sabine (Sandrine Bonnaire, Frankreich 2007)
Martha, Martha (Sandrine Veysset, Frankreich 2001)
Le Bonheur (Agnès Varda, Frankreich 1964)
Mababangong bangungot (Kidlat Tahimik, Philippinen 1977)
Still Life (Jia Zhang-Ke, China/ Hongkong 2006)
Casting a Glance (James Benning, USA 2007)
Deathproof (Quentin Tarantino, USA 2007)
Shotgun Stories (Jeff Nichols, USA 2007)
The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford (Andrew Dominik, USA 2007)
Killer of Sheep (Charles Burnett, USA 1977)
Carnival of Souls (Herk Harvey, USA 1962)
Cluny Brown (Ernst Lubitsch, USA 1946)
It (Clarence Badger, USA 1926/27)
The Patsy (King Vidor, USA 1928)
Lonesome (Paul Fejos, USA 1928)
L’invitation au voyage (Germaine Dulac, Frankreich 1927)

Samstag, 29.12.2007

Eastern Promises

In seiner Filmadaption eines Romanfragments aus dem Nachlass von Bryan Edgar Wallace beweist David Cronenberg im Umgang mit der Thematik des Mädchenhandels an der Themse so viel guten Geschmack (keine Harpunen! keine Froschmasken! keine tödlichen Peitschen!), dass die Filmkritik leider einige naheliegenden Vergleiche nicht zog. Ob etwa Naomi Watts eine noch naivere Heldin ist als Karin Dor, in ähnlichen Rollen, vor 40 Jahren? Eine andere interessante Frage: Viggo Mortensen oder Blacky Fuchsberger? Wer verleiht dem charmanten Schurken und Scotland-Yard-Beamten in seiner albernen Doppelexistenz mehr Glaubwürdigkeit? Und gar keine Frage: Der gefeierte Thomas-Mann-Imitator (Name vergessen) lässt als Mädchenhändler den genialen Dieter Borsche (1909 – 1982) bitter vermissen.

Montag, 24.12.2007

Tatort

Das Irritierendste an dem postwendend – gewissermaßen mit Ansagen, denn eine Vorspanntafel informierte (wörtlich), dass es sich um Fiktion handele und (sinngemäß), dass der Inhalt keine Verunglimpfung der alevitischen Glaubensgemeinschaft intendiere, was ja wohl soviel bedeutet wie dass man fest damit rechnet, der Inhalt könne als Verunglimpfung der alevitischen Glaubensgemeinschaft aufgefasst werden – mit Strafanzeige belegten Tatort „Wem Ehre gebührt“ fand ich, dass der Hauptkommissar Bitomsky hieß – „Bitomsky meint, eine Obduktion sei nicht nötig“ -, was sich wohl daraus erklärt, dass Angelina Maccarone (Drehbuch und Regie, Schnitt hier und bei anderen Filmen von ihr Bettina Böhler) an der dffb unterrichtet.

Nicht bekannt ist mir hingegen, welche Songtexte es im einzelnen sind, die Maccarone für Udo Lindenberg geschrieben hat.

Sonntag, 23.12.2007

Liste 2008

Das Listenbusiness beginnt. Ich fang mal ganz vorausschauend an mit einer Liste von Dingen im Januar, die vielleicht 12 Monate später auf der Jahresliste 2008 landen:

* THE DARJEELING LIMITED. Ich halte an Wes Anderson fest, auch wenn ich mich erst daran erinnern musste, dass es THE LIFE AQUATIC gab; der Film hat keine Spuren hinterlassen. THE DARJEELING LIMITED dagegen gefiel mir sehr; Barbet Schroeder als Mechaniker in einer auf deutsche Modelle spezialisierten Autowerkstatt („Luftwaffe Automotive“, oder wie hieß der Schuppen nochmal?). Manieristisch, das Ganze, sicher, aber was heißt das schon? Unbedingt sollte man HOTEL CHEVALIER vorher angucken, den offiziell ersten Teil des Films, der durchs Netz schwirrt und in diesem Moment wahrscheinlich zwei Clicks entfernt ist. Die beiden Filme verhalten sich nicht wie Prequel und Hauptfilm zueinander. Eher ist es so, dass THE DARJEELING LIMITED aus Indien manchmal sachte rüberwinkt nach Paris. Über die Kontinente, zurück durch die Zeit, ein bisschen traurig. (Ab 3. Januar im Kino)

* Guy Ben-Ner im Arsenal. Ein Filmprogramm, unter anderem mit seinem MOBY DICK-Remake. Familienkunst at its best. Viel Spaß mit den Kindern zuhause in der Küche. Ich halte Guy Ben-Ner für so rechtschaffen, dass er seine Kinder anteilig an den Verkäufen seiner Videoarbeiten beteiligt. (8. Januar, Arsenal)

* DIE REPUBLIK. Herausgegeben von Petra und Uwe Nettelbeck. Kino (I), Die Basis des Make-Up (III), Kino (II), Nr. 123-125, 17. Januar 2008, 208 Seiten, 25 EUR. Zu bestellen etwa auf Heinz Emigholz‘ frisch tapezierter Website. Und jetzt, beim Kontrollklick auf die REPUBLIK-Website, lese ich, dass PUNCH DRUNK LOVE an einem Abend für Uwe Nettelbeck im Arsenal 1 gezeigt wird. (15. Januar, Arsenal)

* Gustav Deutschs „Film ist.“-Reihe (Folgen 7-12), am gleichen Tag vorher Filme von Morgan Fisher. 2 Lektionen in Kino. (24. Januar, Arsenal)

Soweit.

Mittwoch, 19.12.2007

3:10 TO YUMA

Erfolgreiche Unternehmung, dem Western das Erleben von Ort und Dauer, von Raum und Zeit gründlichst abzugewöhnen und im Ausgleich dafür den Helden mit guten Gründen für sein Handeln so üppig einzudecken, dass es plötzlich möglich scheint, deutsche TV-Reglements könnten das US-Kino als Exerzierplatz erobern. Wenn der Teufel das will.
Dann mitternachts auf 3sat: Die Letzten von Fort Gamble, der letzte Film von Sam Wood: AMBUSH (1949). Da hatten die Männer wieder Leiber, die Frauen noch Wünsche, die Indianer tolle Gesichter und Namen. Landschaften waren Schauplätze, ich war sehr froh.


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