Montag, 02.02.2004

videos archivieren

die videoliste war vor über einem jahr abgestürzt, nicht zu rekonstruieren. ich kam trotzdem über die runden, konnte mich vor dem regal stehend orientieren, irgendwarum wußte ich, wo der randolph-scott-western von bud boetticher steht. haptisches gedächtnis. meistens in der zweiten reihe.
letzte woche war der berg der nicht wieder eingeordneten cassetten zu groß geworden. am freitagabend fing ich wieder eine liste an …

  • laufende nummer
  • autornamem
  • titel
  • produktionsland
  • produktionsjahr
  • verliehen an…

… und heute bin ich damit fertig geworden.
merkwürdige beschäftigung. staubig, wieviel staub es gibt, staub auf den papphüllen, staub auf den cassetten, auf den etiketten, auf den regalbrettern und darunter, staub dann auf den fingern, dann auf den händen, auf dem pullover, auf der hose, angestaubt auch bald die tastatur.
ende der 80er waren die papphüllen der cassetten noch verstärkt, spätestens mitte der neunziger, als sie mit dem pappverstärken aufhörten, lagen die zeichen offen, hätte man wissen können, dass da schon wieder so ein speichermedium abgewickelt wird. immer mitmachen zu müssen bei sowas, deprimierend.
hätte man irgendwie anders ein besserer aufnehmer werden können? weniger großnamenfixiert? weniger auf diesen 50er 60er 70er früh80er stummfilm new-hollywood japan alles von „godardeustacherohmertruffautgarrel“ und diesen essaydokumentarexperimentalfilm bitte auch noch haben-wollen reflex getrimmt? weniger fit gemacht für die ichduweißtschon-diskurse, die leute wie wir halt so führen können mit namen? andauernd führen müssen, und immerwiederwerden unter uns, und zu den anderen auch. und was und wie hätte dieses andere gucken sein können?
und das erschrecken darüber, sich erst jetzt, als sich das alles als biographiematerial in nummern und namen verschriftlicht und wieder zu lesen ist als romankompress und éducation, zu fragen, ob man je vorher daran gedacht haben könnte, gelangweilt zu sein von seinen guckkriterien. und sich erst dann zu fragen, ob es einen bestimmbaren punkt gegeben hat, von dem aus man aufgehört hatte, einfach nur wie blöde gucken zu wollen und stattdessen das mit dem habenwollen angefangen hat.
ich mag keine sachen mehr aufnehmen, nimmermehr. ich möchte, wie v mir aus dem wenderstokyobuch erzählt, werner herzog werden wollen über den dächern von tokyo und von dort auf den mond, dort ungesehene bilder zu machen. aber ich jetzt, anders als herzog damals, will diese noch dort dann sofort kaputtmachen. dass ja keiner sie haben kann.
auch sind ein paar schöne bänder verschwunden, bênoit jacquots „la fille seule“ vermisse ich in einem kurzen schwachen moment des es war doch nicht alles falsch, und gleich darauf denke ich, wieder ruhig und gelassen geworden, dass das band dort, wo es jetzt ist, in besserer nachbarschaft stehen wird als in diesem staub hier. damit kann man nichts mehr anfangen. man kann damit nicht mehr neu anfangen, man kann jetzt damit auch überhaupt nicht weitermachen. man kann jetzt höchstens nachlesen, wie konventionalisiert und possessiv und gesamtausgabenfixiert und abgesichert und feist die augen geworden sind. und darüber verzweifeln, dass und weshalb sie das wurden. alles, alles ganz fürchterlich. räumt das ganze zeug hier bloß schnell raus. und gebt nicht dem tv die schuld…

Sonntag, 01.02.2004

hände II

… wie das französische plakat von ’59 mich – unmittelbar, aber ohne objektiv zwingenden zusammenhang und gegen „pickpocket“ einfallend – erinnert an zufallsfunde, cartier-bressons strassenfotografien und jenes bild des küssenden paares auf der belebten strasse, das zu meiner zeit als ikone des parisfernwehs galt, das jugendliche paar einer generellen wischbewegung abgetrotz focussierend und dessen hintergrund daher in einer alles von diesem fort reissenden verwischung und ausblendung von jedwedem übrigen zeigend, deren ideologischer ausgangspunkt das allgemeine begehren nach einem privaten glückstaumel in verbindung mit einer plötzlichen focussierenden scharfziehung auf die, den oder das begehrenswerte sein könnte; eine bewegung, die in „meiner“ gefühlswelt sich als ein „mich“ überfallender kusswunsch sich anzumelden scheint …

… wie in der zweiten französischen version von 1959 die falzlinien des plakats dem blick eine richtung und einen zusammenhang weisen zwischen den falten der anzugjacke und denen der handinnenfläche und der finger …

… wie die deutsche version des plakats 1977, die ausgestreckte hand von innen aufgenommen, auf die motivik des expressionismus zurückgreift, was, von 1977 aus ein paar jahre vorwärts projeziert, an james woods eingriff in sich selbst in cronenbergs videodrome gemahnen mag …

robert-bresson.com | The Film Posters | Pickpocket

*

Grauman’s Forecourt is the Mecca for anyone who loves the movies. Since 1927 Hollywood stars have been immortalizing themselves here by implanting their hands and feet in cement. There are now 181 imprints of the Stars making a virtual „Who’s Who of Hollywood legends.“ Over the years every major Hollywood Star has had their hands & footprints embedded here, plus a few other well known mementos. Over Two million visitors a year visit this forecourt searching for their favorite stars autograph and prints. They then can’t resist comparing their shoe size to the stars footprints. The first footprints were those of Norma Talmadge who accidentally stepped in the wet cement whilst visiting, during construction. Many of the celebrity autographs mention „Sid“ – well Sid refers to Sid Grauman, the man who built the theatre and was a friend to the stars.

http://www.la2you.com/mannschinesetheatre.htm

Mittwoch, 28.01.2004

simpsonalia

… thomas pynchon loves this book as much as he loves cameras …
… hallo! … hallo?

http://amysrobot.com/files/pynchon/pynchon.mp3

[ via francis mckee ]

siehe auch hier

Samstag, 24.01.2004

Plagiarism

Der französische Filmemacher Jean-Luc Godard ist wegen der unerlaubten Verwendung eines fremden Textes in seinem Film „King Lear“ zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Godard und die Produktionsgesellschaft Bodega Films hätten ohne eine entsprechende Kennzeichnung einen Auszug aus einem Buch der Schriftstellerin Viviane Forrester genutzt und sich damit des Plagiats schuldig gemacht, urteilte ein Pariser Gericht. Godard und die Gesellschaft wurden zur Zahlung von jeweils 5000 Euro an Forrester und ihren Verlag verpflichtet.

„King Lear“ wurde 1987 gedreht, kam nach zahlreichen Produktionsschwierigkeiten aber erst im April 2002 auf die Leinwand. Godard gilt mit seinem Kultfilm „Außer Atem“ (1959) als einer der wichtigsten Vertreter der französischen Filmbewegung Nouvelle Vague.

Zitatende.

Veranstaltungshinweis Münster

Januar bis April: Praxistest. Filme und Vorträge zur Arbeit mit den Bildern, Fachhochschule für Design

Eine von Nils Plath und Norbert Nowotsch zusammengestellte Veranstaltungsreihe mit Beiträgen u.a. von Alexander Böhnke (Vorspann-Projekt Siegen), Susanne Weirich (Videokünstlerin), Rechenzentrum (Musik), Christian Schulte (Medienwissenschaftler, DCTP), Ekkehard Knörer (jump-cut), Eva Meyer (Autorin).

Coming up next: Sonntag, 25. Januar, 18 Uhr: „Found Footage“. Filme von Christoph Girardet und Matthias Müller, Cinema, Warendorfer Straße 45-47, Münster

Sonntag, 18.01.2004

pitching

Ein Beitrag zum Verständnis deutscher Fernsehredaktionen und Filmförderungsgremien

pitch 1. tr errichten, aufstellen; (Zelt) aufschlagen; werfen, schleudern, stoßen; aufladen; festsetzen, -legen; (e-n Trumpf) machen, bestimmen; mus (Ton) angeben; (Instrument) stimmen; fig. (Erwartungen) hochschrauben; Am sl auf der Straße verhökern, anpreisen; (e-e Party) geben; itr ein Lager aufschlagen, Stellung beziehen; der Länge nach hinfallen, hinschlagen; verfallen (on, upon auf); (aus)wählen (on, upon s.th. etw); sich festlegen (on, upon auf), sich entscheiden (on, upon für); vornüberneigen, -kippen; (to – down) aero abkippen; (Schiff) stampfen, fam herfallen, sich hermachen (into über); (mit Worten) fertigmachen (into s.o. jdn); Am sl als Straßenverkäufer tätig sein, sich ins beste Licht setzen, übertreiben, aufschneiden; to – in (fam) sich schwer ins Zeug legen, sich tüchtig ‚ran, an die Arbeit machen; loslegen, zupacken; to – out hinauswerfen; to – upon sich entscheiden für; …
2. s Pech n; tr verpichen; mar teeren; who touches – shall be defiled (prov) wer Pech angreift, besudelt sich; as dark as – schwarz wie die Nacht; mineral – Erdpech n; –black pechschwarz; –blende Pechblende f; –dark stockfinster; – pine bot Pechkiefer f; -y mit Pech beschmiert; pechartig; pechschwarz.

Samstag, 17.01.2004

langtexthinweis

Auf der Langtextseite-
Ekkehard Knörer: Philippe Garrel, Elle a passée tant d’heures sous les sunlights, 1984

Freitag, 16.01.2004

Back from the dead

Ab heute zurück in der Berliner Kinolandschaft: Zeughauskino im Deutschen Historischen Museum, Unter den Linden. Bis März ist dort vieles aus dem hauseigenen Archiv zu sehen und unter dem Titel „Dreh in diesem Dorf. Geh nicht nach Paris“ stehen Filme von und nach Harun Farocki auf dem Programm. Darunter vor allem The Artists sometimes filed under „Berliner Schule“ und solche, die hier schrieben oder schreiben bzw. dafür gesorgt haben, dass hier geschrieben werden kann.

Donnerstag, 15.01.2004

Die populärste Kunst

„Seitdem hat sich mein Leben etwas vom Kino entfernt, abgesehen von den wertvollen Momenten, wo es nachwievor die Rolle der reinen Emotion des Ausweichens spielt. Wenn ich in New York oder Californien bin, sehe ich unzählige amerikanische Filme, oft wahllos aber auch die Filme, von denen man spricht, (car je suis tres bon public). Das ist der Moment, wo ich die Freiheit und die Möglichkeit habe, diesen mir so wichtigen populären Bezug zum Kino zu finden.“

Gespräch der Cahiers mit Derrida von 2001, in deutscher Übersetzung auf Peter Krapps Derrida-Site.

[via filmforen]

Mittwoch, 14.01.2004

Karinas Flaum

WIR„, Martin Gypkens, D 2003, 100 min.

MonGay Preview in München. Die Kinolüftung packt die Parfümmenge nicht. Sogar das einzelne Werbefilmchen zuvor kompatibel: Regenbogenkampagne für Schwulensport.
Daß sie keinen Dialekt hatten, z.B. die Aachener, daß im Callcenter die Schalldämmwände zu niedrig sind, als daß die großen Kinder, die dort jobben, sich nicht drüberweg angucken und unterhalten könnten – beim Sehen hab ich mich gefragt, ob sowas der Erinnerungsstoff sein würde, den ich ein Zeitlein vom Film behalte.

wir.jpg

Eine Frau (Karina Plachetka) hat eine Zahnlücke und ruft mir einen Film von Les Blank (Gap-Toothed Women,1987) ins Gedächtnis, der sich im Nachweis versucht, daß die Lückenhaften besonders lustvoll seien. Diese hier ist die Pechmarie, weil sie nicht loskommt vom Bi-Freund, der nie zurückruft. Auf ihr liegt ein Schatten, wie der dunkle Flaum auf ihrer Oberlippe. Sie täte ich gerne öfter sehen.
Ein Blondschopf, der zum Glück nach Indien abhaut und erst gegen Ende wieder auftaucht, kaut expressiv auf seinem Mundwinkel. Sounddesign aus Weckernölen, Telefonklingeln, Clubmucke. Ambitionen der Filmleute, des tapetenversessenen Ausstatters und der Absolventen der Ernst-Busch-Schauspielschule. Gelegenheit zwangsläufig, die Gesichter anzugucken und nach vorne gewuschelte Haarschnitte, auch das Öffnen einer Olivenplastikschale und die kauende Stoppelbacke in einer Nahen.
Eine regiegeschulte Situationsverwicklung ist es, als eine der WG-Frauen, die gelegentlich einen Vögelfreier holt, diesen nach getaner Arbeit entlassen, er aber bleiben möchte, es zur Ohrfeige kommt, der Sich-mißbraucht-vorkommende sogar weiterprügelt; dann stoßen der Bi-Mann und sein Schwulfreund dazu, und der Bi prügelt den Prügler.
Vor der Wende wurden die Wägen auf dem Avus ausgefahren, hieß es einst. Jetzt passieren tödliche Unfälle auf der Strecke Potsdam-Berlin. Was ich nicht vermisste, ist der sinnvolle Gesamtzusammenhang.


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