Donnerstag, 11.07.2002

“Es ist auch gar nicht einfach, über Durchsichtiges zu schreiben mit kompakten Wörtern.”
(Frieda Grafe, 1934-2002)

Ein paar links zu Texten von und über Frieda Grafe im Netz:
Harun Farockis Festrede, vorgetragen zur Verleihung des 01-Awards 2000 der Hochschule der Künste Berlin an Frieda Grafe und Enno Patalas.
Manfred Bauschultes Text Arbeit an der Geographie des Unsichtbaren – Nachruf auf Frieda Grafe.
Auzüge eines Textes von Frieda Grafe, von 1974 über Frauenfilme und Filmfrauen, Das kreative Geschlecht, wiederabgedruckt in der heutigen SZ.
Frieda Grafes Das große Fräuleinwunder über Marlene Dietrich, aus der taz vom 27.12.2001.
Frieda Grafes Die Geschichte von der Einsamkeit des Helden, geschrieben anläßlich des 70ten Geburtstags von Godard, veröffentlicht am 2.12.200 in der SZ.

Mittwoch, 19.06.2002

WM 2002

Es muß sein: die aktuelle WM kann nicht ganz spurlos an dieser Seite vorübergehen. Hier die bisher besten Kommentare:

1. Zum vorzeitigen Ausscheiden der italienischen Mannschaft und deren Lamenti über Schiedsrichter-Fehlentscheidungen:

„Wer sich so bescheißen läßt, hat es nicht verdient Weltmeister zu werden.“ (Anonym)

2. Caesar Louis Menotti´s harsche Kritik am drögen Effizienz-Fußball, der seiner Meinung nach diese WM beherrsche. Er fordert dagegen:

„Der Fußball muß großzügig mit dem Zuschauer umgehen.“

Eigentlich auch eine schöne Maxime fürs Filmemachen.

Mittwoch, 12.06.2002

langtexthinweis

Harun Farocki hat uns freundlicherweise einen Text zur Verfügung gestellt: Quereinfluss/Weiche Montage, geschrieben für die herausragende französische Zeitschrift “Trafic, revue de cinéma”. Hier zu lesen.

Dienstag, 11.06.2002

Fernseh-Hinweis

23:15 bis 1:10 – Mittwoch, 12.6.2002 im WDR: “Der Wind wird uns tragen” (Iran/Frankreich 1999, OmU), von Abbas Kiarostami

Samstag, 25.05.2002

langtexthinweis

Robert Bramkamps Film Prüfstand 7 -über Raketenmythen, das Verhältnis von Körper und Technik, Thomas Pynchons “Gravity’s Rainbow”, Nordhausens „Mittelbau Dora“, die Raketenstadt Peenemüne und den Space Park in Bremerhaven- läuft seit Donnerstag in Hamburg im Kino und danach in mehreren deutschen Städten. Ab Ende Juni auch in Berlin.
Michael Girke hat ein längeres Gespräch mit Robert Bramkamp zu dem Film geführt, das hier ungekürzt zu lesen ist.

Fernseh-Hinweis

3-Sat, Sonntag, 26.5.2002. Ab 21:15 Uhr Filme von Peter Nestler (“Menschen in Sheffield”, 1965 | “Am Siel”, 1962 | “Aufsätze”, 1963 | “Mühlheim/Ruhr”, 1964) und ein Gespräch mit Nestler.

Fernseh-Hinweis
Arte, Samstag Nacht, 26.5., 0 Uhr: Divina Obsesión, von Volko Kamensky. Deutschland 1999. 28 Minuten um Kreisverkehrmittelinseln in Frankreich. Mit Telefoninterviews.

Freitag, 24.05.2002

Neulich im Arsenal, eine postkoloniale Erfahrung:
Pasolini möchte die Orestie in Afrika wiederfinden. Er erzählt im Off, wie es sich das vorstellt, während er mit der Kamera unter die Menschen geht, und assoziiert. Die Nacherzählung der altgriechischen Dramen, dazu Bilder von Menschen, die einer Zivilisationsgeschichte entsprechen, traditionell aussehende zu Beginn, am Ende urbane, westlicher Habitus. Dann das Casting: Wer könnte Agamemnon sein? Wer Orest? Wer sind die Furien? Wilde Bäume, wilde exzentrisch gewachsene Kronen. Die Furien können von Menschen nicht dargestellt werden. Die Studenten in Rom problematisieren den Ansatz von Pasolini: Afrika ist nicht einfach Afrika, die Nationen sind zerstritten in Stammesgebiete, ein Bretone ist auch nicht sofort ein Franzose oder ein Europäer. Es geht um die Einheit der Erzählung, um das Subjekt, die Frage kehrt in der zweiten Gesprächsrunde wieder, dann schon individuell: Seid ihr Orest? Dazwischen die Orestiade, wie Pasolini sie vorfindet: Das Feuer, das Kassandra und Agamemnon vorauseilt. Bilder aus dem Biafra-Krieg. Eine brennende Raffinierie ist Troja. Ein Mann wird hingerichtet, erschossen, Pasolini schweigt dazu, auch die Kamera läßt sich zurückfallen aus der Gruppe, die den Mann abführt. Eine Leiche wird begraben, aus der Savanne (Uganda und Tansania sind die Länder, in denen das meiste gefilmt wurde) kommt Orest, auch Elektra. Das mythische Stadium ist bei Pasolini auch eines der Archive, er dreht das nicht selbst, sondern nimmt Bilder (appropriation), es geht um Transformationen des Mythos (war Pasolini ein Strukturalist?), der in einem abrupt eingeschobenen Intermezzo sogar in Avantgarde übersetzt wird: In Jazz (Gato Barbieri), zu dem zwei schwarze Sänger, ein Agamemnon, eine Kassandra, die Untergangsprophetien singen; dann in ein Geschehen, das nicht inszeniert ist, sondern vorgefunden, die Darsteller sprechen nichts, sondern gehen nur durch das Bild: Orest kommt in den Tempel Apolls, der die Universität von Daressalam ist, von der Volksrepublik China gestiftet, aber mit amerikanischen („neokapitalistischen“) Büchern in der Vitrine; Pasolini kann sich seine Orestie nur „popolare“ vorstellen, deswegen ist der Chor so wichtig, die Menschen der „afrikanischen Renaissance“; sein Film wird „datata“ sein, veraltet, bei dem Tempo der Veränderung. Orest tritt vor das Gericht und wird freigesprochen, die Furien (Stauden im Wind) werden gezähmt, und Pasolini sucht nach einem Bild dafür: er findet einen Tanz bei den Vagogos, der vor kurzer Zeit vielleicht noch kosmische Bedeutung hatte, jetzt aber ein leeres Ritual ist; und er findet bei einer Hochzeit eine Gruppe von „Folklore“ (Schamanen? Unterhalter? Tänzer?), die zugezogen werden, um das Fest rituell anzureichern. Die Arbeit der Eumeniden. Elemente der Fotoromanza. Euphorische Tropen.
Ich würde gern nach den Studenten suchen, die damals mit Pasolini gesprochen haben.

Sonntag, 12.05.2002

langtexthinweis

Zu DIE ROTE WÜSTE von Michelangelo Antonioni gibt es hier
einige Notizen

Dienstag, 07.05.2002

NACHTRÄGE

1.: Zweimal Konservenbüchsen
Betrachtet man Stévenin in PASSE MONTAGNE als Schauspieler der Verwunderung, dann sollte man auch auf seine Nebenrolle in CHAMBRE EN VILLE von Jacques Demi hinweisen, was ich vergaß. Hier spielt er einen proletarischen Sympathieknochen, der fortwährend lächelt, was ausdrücklich auch so benannt, d.h. gesungen wird.

2.: Rücksturz zur Erde
Was von mir ‚rotating freeze-frame‘ genannt wurde, läuft auch als ‚chronophotography‘ oder ‚bullit time shot‘ durch die Literatur und ist so im Netz zu recherchieren. Diesen Hinweis verdanke ich Martin Kreißig. Reinhold Vorschneider wies darauf hin, dass das notwendige Equipment laut ’steadycam‘ mittlerweile zumindest bei US-amerikanischen Geräteverleihern jederzeit zu haben ist.


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